Spezialisieren und wachsen

In einer mehrteiligen Serie stellen wir Ihnen Junglandwirtinnen und Junglandwirte vor. Benjamin Bühler aus Oetwil an der Limmat (ZH) führt zusammen mit seinem Vater einen Ackerbau- und Milchproduktionsbetrieb. Aufgrund der schwierigen Lage auf dem Milchmarkt wollen sie ein weiteres Standbein aufbauen.

In einer mehrteiligen Serie stellen wir Ihnen Junglandwirtinnen und Junglandwirte vor. Benjamin Bühler aus Oetwil an der Limmat (ZH) führt zusammen mit seinem Vater einen Ackerbau- und Milchproduktionsbetrieb. Aufgrund der schwierigen Lage auf dem Milchmarkt wollen sie ein weiteres Standbein aufbauen.

„Wir haben es super zusammen. Jeder hat sein Fachgebiet, wir besprechen alles und entscheiden gemeinsam“, sagt Beni Bühler und meint die Generationengemeinschaft, in der er zusammen mit seinem Vater den Schmittenhof führt. Sie werden unterstützt von zwei Lehrlingen und neu einem Angestellten mit 80 Prozent Pensum.

Von 30 auf 120 Milchkühe

Miteinander auszukommen ist wichtig, denn Vater und Sohn Bühler müssen einiges leisten: Sie haben das gemacht, was gängigerweise als Erfolgsrezept für die Landwirtschaft gilt: Spezialisieren und auf dem Spezialgebiet wachsen. Früher hielten sie 30 Kühe in einem klassischen Anbindestall. Im Jahr 2000 bauten sie aber einen Laufstall für 40 Kühe, acht Jahre später erweiterten sie diesen auf 90 Kühe. Vor zwei Jahren kamen schliesslich nochmals 30 Plätze hinzu.

Heute melken sie 120 Kühe und produzieren 1,2 Mio. Kilo Milch pro Jahr. Mit ihrem bisherigen Melkstand dauerte dies fast drei Stunden, je morgens und abends. Da blieb zu wenig Zeit für die anderen Arbeiten. Deshalb ist seit einigen Wochen ein Melkroboter im Einsatz. „Wir haben die Herde nun zweigeteilt, jene die frisch gekalbt haben und viel Milch geben, denen steht der Roboter zu Verfügung. Sie haben so die Möglichkeit sich mehr als zweimal täglich melken zu lassen und damit steigt dessen Auslastung“, erklärt Beni Bühler ihr System.

Schweiz wäre präsdestiniert für Milchproduktion

Den zweiten Teil der Herde melken sie wie vorher morgens und abends im Melkstand. Das ist unüblich: Denn wer sich einen Roboter anschafft, der sucht normalerweise mehr zeitliche Flexibilität, da die fixen Melkzeiten wegfallen. Um ihre ganze Herde umzustellen, hätten sie aber zwei Roboter kaufen müssen. Dieser ist mit 200‘000 Franken eine teure Anschaffung.

Die Bühlers haben in den letzten Jahren voll auf die Milchproduktion gesetzt. Ein Betriebszweig der aktuell mit einer schwierigen Marktsituation kämpft. „Ich verstehe nicht, warum wir so schlecht dastehen mit der Milch. Schliesslich ist die Schweiz dafür prädestiniert: Wir haben viel Gras und gleichzeitig auch die fruchtbaren Ackerflächen, um weitere Futterpflanzen anzubauen“, meint der junge Landwirt kopfschüttelnd.

Beruf ist Passion

Tatsache ist, dass sein Milchpreis von 52 Rappen bei der Vollkostenrechnung durchfällt: Allein das Futter kostet 28 Rappen pro Liter. Die Rechnung müssen Bühler gesamtbetrieblich machen: Dank dem Ackerbau, einem Solardach, den Erntearbeiten im Lohn und den Direktzahlungen kommen die beiden auf einen Stundenlohn von rund 12 Franken. Auswärts arbeiten wäre lukrativer, vor allem da sie nahe von Zürich zu Hause sind.

Aber Beni Bühler hat nicht einfach einen Beruf. Er hat eine Passion, die Arbeit und Hobby in einem ist. Er wollte schon als Kind Landwirt werden, absolvierte die entsprechende Grundausbildung und hängte den Agrotechniker FH dran. Viel arbeiten, das gehört für ihn dazu und „wenn einem die Kühe so herzig anschauen, dann muss man sie gern haben.“

Weiteres Standbein Direktverkauf

Trotzdem, er ist realistisch: „Ich mache mir Gedanken, wie es auf unserem Hof weiter geht. Ein weiteres Standbein, um das Risiko aufzuteilen, wäre nicht schlecht.“ Bereits heute führt seine Freundin Marlen, eine Floristin, erfolgreich den Hofladen mit Produkten von Bühlers, Beeren und Obst von ihrem Elternhof sowie eigenen Blumenkreationen. Und Beni hat einen ersten Versuch mit Erdbeeren gestartet.

Im Direktverkauf sieht er ein grosses Potential: „Bei uns kommen viele Deutsche einkaufen, die in der Schweiz leben. Ich kann mir gut vorstellen, dass in Zukunft auch die Einheimischen stärker auf diesen Zug aufspringen. Wir werden ja von Zürich und Baden her zugebaut, was zumindest den Vorteil hat, dass die Konsumenten nahe sind.“

Kühe nicht sakrosankt

Die Milchkühe sind – bei aller Liebe – für ihn nicht sakrosankt, wenn der Preis längerfristig nicht stimmt und kein unternehmerisches Handeln möglich ist: „Ich bin in einen Markt eingebunden, der mir kaum Spielraum lässt. Der Abnehmer sagt, was er zahlt und diesen zu wechseln ist praktisch nicht möglich. Es heisst: friss oder stirb.“ Sterben wird sein Hof nicht, dafür ist Beni Bühler zu sehr Vollgasbauer.

Betriebsspiegel

Grösse & Produktionsart: 64 ha landwirtschaftliche Nutzfläche (ÖLN & IP Suisse)
Zone: Talzone
Kulturen: 39 ha Ackerkulturen (Saatweizen, Zuckerrüben, Kartoffeln, Raps, Silomais), Rest Kunst- & Naturwiesen sowie 7% Ökoausgleichsflächen
Tiere: 120 Milchkühe, ca. 20 Nachzuchttiere (der Rest ist ausgelagert)
Speziell: Photovoltaikanlage (170‘000 KWh/Jahr Stromproduktion)
Strategie: Spezialisieren und wachsen

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