Österreich: Landwirtschaft erleidet Milliardenschaden wegen Dürre

Die österreichischen Bäuerinnen und Bauern verzeichnen in diesem Jahr dürrebedingte Rekordschäden. Der Gesamtschaden in der Landwirtschaft liege bisher bei einer Milliarde Euro, teilte der Agrar-Spezialversicherer Hagelversicherung am Montag mit. In der Schweiz steigt die Nachfrage nach entsprechenden Versicherungen seit Jahren.

sda/aiz |

In manchen Regionen fiel seit dem 15. Juni um mehr als 75 Prozent weniger Niederschlag als im 10-jährigen Niederschlagsmittel (2016–2025).

Sämtliche Kulturen betroffen

Betroffen von der Dürre sei ganz Österreich. Auch in sämtlichen Kulturen, insbesondere Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja, aber regional auch Getreide, gebe es Schäden durch die Trockenheit. «Traten früher Dürreschäden alle zehn Jahre auf, sind wir mittlerweile alle zwei bis drei Jahre mit grossen Schäden konfrontiert – heuer mit einem traurigen Rekord. Das zeigt uns, dass die Landwirtschaft wie kein anderer Sektor vom Klimawandel betroffen ist», sagte der Chef der Hagelversicherung, Kurt Weinberger, an einer Pressekonferenz in Wien.

80 Prozent der Ackerflächen und 40 Prozent der Grünlandflächen sind laut Hagelversicherung gegen Dürre versichert. «Die versicherten Betriebe haben somit einen Rechtsanspruch auf eine Entschädigung», sagte Kurt Weinberger weiter. Der Gesamtschaden in der österreichischen Landwirtschaft liegt aufgrund der Dürre aus heutiger Sicht bei 1 Milliarde Euro (930 Mio. Fr.), und weitere 80 Millionen Euro (75 Mio. Fr.) kommen durch Frost, Hagel, Sturm und Überschwemmung hinzu.

Selbstversorgungsgrad sinkt weiter

Der Selbstversorgungsgrad bei einheimischen Lebensmitteln werde weiter deutlich zurückgehen, warnte der Chef der Hagelversicherung. «So haben wir bereits jetzt beim Getreide nur mehr einen Selbstversorgungsgrad von 87 Prozent, beim Mais 83 Prozent, Kartoffeln 78 Prozent, bei Gemüse sind es 55 Prozent und bei pflanzlichen Ölen 26 Prozent. Die Ernteausfälle aufgrund des Klimawandels und des Bodenverbrauchs machen uns in der Zukunft noch abhängiger von Importen aus dem Ausland», führte Weinberger aus.

Die Dürre-Schadenbilanz der Hagelversicherung ist laut Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) «eine zentrale Grundlage» für die weiteren Entscheidungen der Bundesregierung und der Länder für ein in Österreich geplantes Bauern-Hilfspaket.

Nachfrage nach Versicherungen steigt in der Schweiz

Auch in der Schweiz leiden Landwirtschaftsbetriebe unter der zunehmenden Trockenheit. Gemäss der Versicherung Hagel Schweiz sind davon vor allem Sommerkulturen wie Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben betroffen.

Bis letzte Woche zählte Hagel Schweiz rund 1100 Betriebe, die der Versicherung dieses Jahr Schäden gemeldet hatten. Hagel Schweiz versichert nach eigenen Angaben rund 2350 Betriebe gegen Trockenheit. Die Nachfrage nach diesen Versicherungsprodukten habe in den letzten Jahren moderat, aber stetig zugenommen. Seit 2025 beteiligt sich der Bund mit 30 Prozent an der Versicherungsprämie.

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