Die Rapserträge der Ernte 2014 schlagen sämtliche Rekorde. Swiss Granum schätzt die totale Erntemenge auf 90'000 bis 93'000 Tonnen. Die Vermarktung dieser Menge stellt die Branche vor Herausforderungen.
Die Verarbeiter und die Sammelstellen stehen vor einem Rapsberg. Rund 24 Prozent mehr Raps wurden heuer geerntet als 2013. Die Rahmenvereinbarung mit den Ölwerken sah für die Ernte 2014 total 82'000 Tonnen Raps vor. Um diese Zielmenge zu erreichen, teilte der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) den Produzenten 86'000 Tonnen zu.
Übermengen nur mit Preiseinbusse absetzbar
«Die Produzenten melden eher zu hohe Erträge an, um auf der sicheren Seite bei der Abnahme zu sein», erklärt Mirjam Bregy vom SGPV. «Wir teilen daher mehr Mengen zu als die Zielmenge.» Dieses kalkulierte Risiko sei bisher noch nie schiefgegangen. Im Hinblick auf die Erträge der Vorjahre sei die zugeteilte Menge absolut im Rahmen gewesen.
«Wir sind nun daran, Lösungen zu erarbeiten, wie wir mit den Übermengen umgehen wollen», sagt Bregy. Das Ziel der Verhandlungen sei es, dass die Verarbeiter die vom SGPV zugeteilte Menge von 86'000 Tonnen bis am 30. Juni 2015 übernehmen. Für allfällige Übermengen bestehe aber keine Abnahmegarantie. «Die zusätzlichen 4000 bis 7000 Tonnen werden zwar auch übernommen, aber eventuell nicht in diesem Zeitrahmen. Das heisst, es wird Überlagerungen geben, oder die Ware wird auf eine andere Art vermarktet, was leider nicht ohne Preiseinbussen gehen wird», ist Bregy überzeugt.
Kein Biodiesel
Sie bedauert auch, dass dieses Jahr erstmals die Möglichkeit nicht mehr besteht, Rapsüberschüsse durch Eco Energie Etoy zu Biodiesel verarbeiten zu lassen. «Dies wurde politisch unterbunden.» Der kalkulierte durchschnittliche Produzentenpreis für Raps der Ernte 2014 beträgt 79.90 Fr./dt, 6.20 Fr. weniger als 2013. Dies hat aber nichts mit der Rekordernte zu tun, da die Ölsaatenkontrakte bereits vor der Ernte verhandelt werden und vom Weltmarktpreis abhängen.
Wird Raps überlagert, tangiert er laut Bregy die Ernte 2015. «Die Aussaat für die Ernte 2015 können wir aber nicht mehr beeinflussen. Die Mengen wurden bereits im Juli zugeteilt.» Zu diesem Zeitpunkt sei noch nicht ersichtlich gewesen, dass es eine so grosse Ernte geben wird. Nachmeldungen würden aber jetzt natürlich nicht mehr berücksichtigt.
Braucht mehr Raps als geplant
Keine grossen Sorgen macht sich Rolf Häusler, Präsident des Verbandes kollektiver Getreidesammelstellen: «Erfahrungsgemäss braucht es oft mehr Raps als geplant.» Zudem gehe ja überlagerter Raps nicht kaputt, und es werde kaum nächstes Jahr wieder eine Rekordernte geben.