Labmagenerkrankungen massiv unterdiagnostiziert

Aller Anfang ist schwer. Dieses Sprichwort gilt auch bei der Grossviehmast. Wie gutes Wasser und Heu sowie das passende Müesli die Gesundheit der Tiere unterstützen kann. In diesem Zusammenhang gibt die Veterinärin Tipps zur Wartung und Entkalkung.

bki |

Kürzlich trafen sich die Grossviehmäster in Wohlen AG auf dem Betrieb der Familie Isler an der Toro-Tagung der UFA AG. Die Betriebe, die im Programm mitmachen, werden vom Futtermittelhersteller unter anderem bei der Berechnung der Futterpläne und der Gestaltung der Rationen nach UFA-W-FOS oder beim Wägen der Tiere zur Leistungskontrolle unterstützt.

Bestehendes optimieren

Gut als Austragungsort der Tagung passte der Bauernhof Isler mit folgenden Eckdaten: 340 Mastplätze (inkl. Aufzucht), 12 Pferdepensionsboxen und 38 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche mit Mais, Weizen, Zuckerrüben, Kartoffeln und Kunstwiesen.

Der Betriebsleiter Thomas Isler erzählte von der Entwicklung des Hofs seit seiner Übernahme vor mehr als 20 Jahren. In dieser Zeit haben Islers gebaut, erweitert und optimiert und aus einem Nebenerwerbseinen Vollerwerbsbetrieb mit einem Lernenden und einem Angestellten gemacht. Zur jüngsten Investition zählt der 2024 errichtete Kälberstall, in dem die Tiere für eine verbesserte Gesundheit in kleinen Gruppen gehalten werden. Thomas Isler sagte zu seiner Zeit als junger Betriebsleiter, als die Finanzen noch knapp waren: «Wenn du kein Geld hast, musst du mit dem Bestehenden arbeiten und dabei optimieren.»

Auf Fütterung achten

Was das gebracht hat, zeigte die Bestandestierärztin des Grossviehmastbetriebs, Karin Villiger, die im aargauischen Sins eine Praxis führt. Als eine der Herausforderungen bei der Kälberaufzucht, mit denen sich der Betrieb Isler in den letzten fünf Jahren auseinandersetzen musste, nannte sie die Fütterung der Tränker. So hatten die Tiere oft kurz nach dem Einstallen Durchfall.

In diesem Zusammenhang empfahl die Veterinärin, stets die Qualität des Wassers zu überprüfen und die Tränkeautomaten regelmässig zu entkalken und zu warten. Bei Islers hat das etwas gebracht, und die Durchfallerkrankungen haben seither abgenommen. Gegen Labmagenerkrankungen, die laut Villiger massiv unterdiagnostiziert sind und worauf der grösste Teil der plötzlichen Todesfälle zurückzuführen ist, wie sie sagte, hat auf dem Mastbetrieb von Islers die Anpassung der Fütterung im Bereich des Rohproteins und der Rohfasern geholfen.

Für gute Entwicklung des Pansens sorgen

So bekommen die Tiere in den ersten zwei Wochen nach der Ankunft neben dem Milchaustauscher nur Heu vorgesetzt. «Die Tiere müssen sich langsam an die Umstellung gewöhnen können», sagte Villiger. Danach erhalten die Kälber zusätzlich ein Müesli nach Hofrezept. Dank dieser Massnahmen gab es im vergangenen Jahr auf dem Betrieb Isler keine Abgänge durch Labmagenerkrankungen mehr.

Die Tierärztin konstatierte: «Bei der Fütterung der Kälber sehen wir die grössten Probleme auf den Betrieben.» So sei ein Kalb nicht in erster Linie dafür gemacht, pflanzliche Proteine zu verdauen. «Das muss man bei der Fütterung der Tiere berücksichtigen und diese beim Aufbau des Pansens sorgfältig unterstützen und erst dann mit dem Mästen beginnen.» Das brauche Zeit und Fasern, so Villiger.

Zu den Leistungsdaten

Jonas Salzmann, Bereichsleiter Marketing bei der UFA AG, referierte zu den Auswertungen des UFA-Toro-Programms, basierend auf den Schlachtdaten der letzten fünf Jahre. Bei den männlichen Remonten lag der durchschnittliche Tageszuwachs (TZW) 2025 bei gut 1,4 kg und somit auf dem gleichen Niveau wie in den vergangenen Jahren. Bei den weiblichen Remonten dagegen war der TZW letztes Jahr mit knapp 900 g leicht tiefer als in den Jahren davor.

Salzmann machte darauf aufmerksam, dass sich die Mastdauer je nach Schlacht- resp. Einstallmonat um bis zu 13 Tage unterscheide: So dauert die Mast am längsten, wenn die Tiere im April eingestallt werden (345 Tage), am kürzesten bei einer Einstallung im August (332 Tage). Zu den Gründen konnte Salzmann nur mutmassen: «Es könnte sein, dass sich das oft wechselhafte Wetter im Frühling negativ auf die Zunahmen auswirkt.» bki

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