
Im Nordwesten Spaniens setzt man auf eine ungewöhnliche Form der Brandprävention: einheimische Nutztiere.
KI erstellt
Spanien kämpft immer wieder mit verheerenden Waldbränden und erlebt derzeit eine der schwersten Waldbrandsaisons der letzten Jahre. Laut den «Costa Nachrichten» sind in Spanien seit Jahresbeginn bereits mehr als 120'000 Hektar Land verbrannt.
Während Feuerwehren vielerorts gegen die Flammen kämpfen, setzt die nordwestspanische Region Galicien seit Jahren auf eine ungewöhnliche, aber wirksame Form der Brandprävention: einheimische Nutztiere.
Brandschützer auf vier Beinen
Vor allem die kleinen, robusten Cachena-Rinder spielen dabei eine wichtige Rolle. Aufgrund ihrer geringen Grösse und ihrer Trittsicherheit werden sie häufig auch als «Ziegenkühe» bezeichnet. Wie die «Kronen Zeitung» berichtet, bewegen sich die Tiere problemlos in steilem und schwer zugänglichem Gelände und fressen Pflanzen, die andere Rinderrassen meist meiden.
Gemeinsam mit Ziegen und Schafen halten sie das Unterholz kurz und reduzieren so die Menge an leicht brennbarem Pflanzenmaterial. Besonders problematisch sind Brombeersträucher und Stechginster, deren ätherische Öle Brände intensiv anfachen können. Diese Pflanzen ermöglichen es dem Feuer zudem, vom Boden auf die Baumkronen überzugreifen und sich schneller auszubreiten.
«Ein grosser Vorteil einheimischer Nutztiere besteht darin, dass sie das Buschwerk auf eine angemessene Höhe begrenzen, sodass es bei Waldbränden kein Risiko darstellt, und sie gleichzeitig zur Erhaltung lebendiger Ökosysteme beitragen», erklärt Jose Taboada von der Waldgemeinde Vincios gegenüber «Spiegel.de».
Umdenken nach verheerenden Bränden
Die Region Vincios in Galicien gilt als Vorreiter dieses Ansatzes. Nach schweren Waldbränden suchten die Bewohner nach nachhaltigen Lösungen, um die Brandgewahr zu verringern. Sie fanden diese in der intensiven Nutzung von Weideflächen durch einheimische Nutztiere. Diese Massnahme wurde auch durch tiefgreifende Veränderungen der Landschaft notwendig.
Über Jahrzehnte hinweg wurden grosse Plantagen mit schnell wachsenden Kiefern und Eukalyptusbäumen für industrielle Zwecke bepflanzt. Beide Baumarten gelten als besonders leicht entflammbar. Gleichzeitig wanderten viele Menschen aus ländlichen Regionen in die Städte ab. Dadurch verwilderten zahlreiche Flächen und es sammelten sich grosse Mengen an leicht brennbarem Material an.
Massiver Anstieg des Cachena-Rinderbestands
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, förderte die Regionalregierung gezielt die Haltung der einheimischen Cachena-Rinder. Laut der «Kronen Zeitung» erhielten Landwirtinnen und Landwirte Anreize, weibliche Jungtiere zu behalten, während ein zoologisches Zentrum Zuchtbullen zu günstigen Preisen bereitstellte.

Das aus dem spanisch-portugiesischen Bergland stammende Cachena-Rind ist eine der kleinsten Rinderrassen der Welt, die trotz ihrer geringen Körpergrösse ein spektakulär grosses Geweih besitzt.
Unsplash/Vitalii Kyktov
Der Erfolg dieser Massnahmen ist bemerkenswert. Während in den 1990er-Jahren nur noch rund 400 Cachena-Rinder existierten, leben heute wieder rund 8000 dieser Tiere in Galicien. Das Modell findet inzwischen auch in anderen Regionen Spaniens Nachahmer. Experten betonen jedoch, dass diese Methode allein nicht ausreicht. Es brauche ergänzende Massnahmen wie die maschinelle Entfernung überschüssiger Biomasse sowie kontrollierte Feuer, die unter Aufsicht von Fachkräften durchgeführt werden.