
Bereits drei Trainings reduzieren den Stress auf dem Schlachthof.
Eva Föller, Fibl
Jungtiere aus der Mutterkuhhaltung wachsen meist naturnah in stabilen Herdenverbänden auf und haben wenig engen Kontakt zu Menschen. Bei der Schlachtung werden sie dann gleichzeitig mit Trennung, Verladen, Transport und einer ungewohnten Umgebung (Geräusche, Gerüche, fremde Menschen und Tiere) sowie engen Treibgängen konfrontiert.
38 Jungrinder trainiert
Gerade der Treibgang gilt aus Tierwohlsicht als besonders sensibler Bereich. «Hier treten häufig stockendes Vorwärtsgehen oder Rückwärtsbewegungen auf, was den Einsatz von Elektrotreibern begünstigen kann – mit negativen Folgen für das Tierwohl und einer erhöhten Belastung für die Mitarbeitenden», schreiben die Forschenden des des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl).
Vor diesem Hintergrund untersuchte das Fibl-Projekt, ob sich Stressreaktionen am Schlachthof durch eine Vorbereitung auf dem Herkunftsbetrieb reduzieren lassen. Auf fünf Mutterkuhbetrieben wurden insgesamt 38 Jungrinder mindestens dreimal trainiert: Die Tiere wurden mittels Low Stress Stockmanship (ruhiges Treiben mit Druck/Entlastung) durch einen schmalen Panelgang (mind. 6 m lang, ca. 1 m breit) auf eine Waage oder in einen Behandlungsstand getrieben und kurz fixiert.
Wartezeit von 30 bis 60 Minuten
Das Öffnen/Entlassen erfolgte erst, wenn das Tier ruhig stand («Belohnung»). Als Kontrolle dienten 37 Tiere aus 19 weiteren Betrieben ohne vergleichbare Vorerfahrung, die jeweils im gleichen Transport unter denselben Transportbedingungen mitgeführt wurden.
Die Schlachtungen fanden in einem grossen Schweizer Rinderschlachthof zwischen Oktober 2023 und Dezember 2024 statt. Nach einer Wartezeit von 30 bis 60 Minuten in den Wartebuchten wurden im Treibgang Vokalisationen, Rückwärtsbewegungen und der Einsatz des Elektrotreibers erhoben. In der Betäubungsbox wurde das Verhalten der Tiere erfasst, und im Stichblut wurden physiologische Parameter bestimmt. Laktat wurde vor Ort per Schnelltest bestimmt, Cortisol wurde aus dem Blutserum im Labor analysiert.
Trainierte Tiere mit tieferen Cortisolwerten
Das Training beeinflusste die im Schlachthof erfassten Verhaltensparameter nicht signifikant, führte jedoch zu einem signifikanten Unterschied bei der Cortisolkonzentration im Stichblut. Insbesondere bei männlichen Tieren lagen die Cortisolwerte der trainierten Gruppe unter jenen der Kontrolltiere, was auf eine geringere Stressbelastung unmittelbar vor der Schlachtung hinweist.
Die beteiligten Landwirtinnen und Landwirte beurteilten sowohl die Arbeit mit den Tieren als auch die dafür eingerichteten Installationen als positiv.
Weniger Stress auf Weide
Einer der teilnehmenden Landwirte war Damian Laube. Er ist von der Methode überzeugt. Beim ersten Treiben sei es nicht besonders gut gelaufen. «Da kam schon Skepsis auf bei mir. Beim zweiten Mal war ich jedoch überrascht: Da lagen Welten dazwischen», sagt er.
Stressfreier Umgang mit Rindern - «Low Stress Stockmanship» im Video
Die neue Methode mache die Arbeit mit den Rindern einfacher, führt er aus. Früher habe er beim Weidewechsel vier Personen benötigt. Und es habe zwei bis drei Stunden gedauert. «Am Ende waren alle gestresst. Heute fahren zwei Personen zur Weide, bauen einen Panel-Korral auf, treiben und verladen die Tiere. Nach 25 Minuten sind wir fertig», sagt Laube.
Fazit
- Eine einfache Vorbereitung auf dem Betrieb (Low Stress Stockmanship und Panelgang-Übungen) kann die Stressbelastung von Jungtieren messbar senken – erkennbar an tieferen Cortisolwerten.
- Die beteiligten Landwirtinnen und Landwirte bewerteten Training und Installationen durchweg positiv und empfehlen sie klar, da sie auch für Arbeiten wie Wiegen, Behandlungen und Separieren nützlich sind.
- Die Methode sollte daher breit empfohlen und gezielt gefördert werden, insbesondere über Schulungen und praxistaugliche Infrastruktur auf dem Betrieb.
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