Warum US-Rancher Tausende Rinder verkaufen müssen

Auch in den USA ist es trocken. In Teilen der Bundesstaaten Wyoming und Nebraska herrscht derzeit eine Dürre, wie sie Viehzüchter nach eigenen Angaben noch nie erlebt haben. Das zwingt viele Betriebe zu einschneidenden Massnahmen.

clu |

«Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen milderen und trockeneren Winter erlebt als den vergangenen», erklärt der Rancher und Viehhändler Chuck Petersen dem US-Agrarsender AgWeb Farm Journal. Petersen ist Mitinhaber des Viehmarkts Torrington Livestock Markets im US-Bundesstaat Wyoming.

Zwei Versteigerungen pro Woche

Wegen der Dürre sehen sich viele Rindviehhalter und -halterinnen gezwungen, Teile ihrer Rinderherden zu verkaufen. In der Reportage des AgWeb Farm Journal vom 1. Juni 2026 berichtet Lander Nicodemus, der ebenfalls Mitinhaber des Torrington Livestock Markets ist, würden derzeit deutlich mehr Tiere als üblich gehandelt: «Letzte Woche hatten wir 9000 Masttiere.»

Normalerweise seien Mai und Juni die ruhigsten Monate des Jahres. Wegen der Dürre fänden inzwischen sogar zwei Versteigerungen pro Woche statt. Sonst gebe es in diesem Zeitraum nur eine Versteigerung pro Woche.

Dabei sei nebst dem Futtermangel das fehlende Tränkwasser das eigentliche Problem für viele Ranches. Bäche und Quellen, auf die sich die Betriebe das ganze Jahr über verlassen würden, trockneten vollständig aus. Wie trocken es in den USA ist, zeigt sich auf dem Dürremonitor. Dort befinden sich derzeit weite Teile der Vereinigten Staaten in einer Dürre.

Rinderherden als Lebensgrundlage

Gemäss den in der Reportage zitierten Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums befinden sich rund 60 Prozent des amerikanischen Rinderbestands in Dürregebieten. Gleichzeitig seien mehr als die Hälfte der Heuvorräte betroffen. Nur knapp ein Drittel der Weiden werde derzeit als in gutem bis ausgezeichnetem Zustand eingestuft.

Für viele Rancher geht es laut den Medienberichten deshalb nicht mehr nur um wirtschaftliche Überlegungen. «Ihre Rinderherden sind ihre Lebensgrundlage», erklärt der Viehhändler Petersen. Viele Familien hätten über Generationen hinweg daran gearbeitet, ihre Herden aufzubauen.

Wald- und Buschbrände

Noch versuchen viele Betriebe laut Nicodemus, ihre Kernherden zu halten. Sollte der erhoffte Regen jedoch ausbleiben, könnten deutlich einschneidendere Massnahmen folgen. «Wenn wir bis Mitte Juni keine nennenswerten Niederschläge bekommen, werden wir viele grosse Herdenauflösungen sehen», prognostizierte er gegenüber AgWeb.

Besonders angespannt ist die Situation auch im benachbarten Nebraska. Dort kämpfen einige Regionen zusätzlich mit den Folgen von Wald- und Buschbränden. Viele Rancher hätten ihre Tiere bereits auf Weiden in anderen Bundesstaaten gebracht, berichtete AgWeb.

Tiefster Rinderbestand seit 75 Jahren

Der nationale Rinderbestand befindet sich gleichzeitg auf einem historischen Tiefstand. Laut Reuters befindet sich der nationale Rinderbestand auf dem tiefsten Stand seit rund 75 Jahren. «Während einer Dürre kann man keinen Herdenaufbau betreiben», das macht einer der Viehändler aus Wyoming in der Reportage klar. Jeder weitere Notverkauf verzögere die Erholung der Bestände zusätzlich.

Trotz der schwierigen Lage gibt es l aut dem deutschen Fachportal «Topagrar», das als erstes über die Dürre in den USA berichtete, einen kleinen Hoffnungsschimmer: Dass die Rinderpreise  aufgrund der Marklage derzeit historisch hoch sind sei «der einzige Lichtblick» in der gesamten Situation. Doch: «Die meisten Framer hängen mit ganzem Herzen an ihren Kühen und wollen sie keinesfalls hergeben», sagt der Farmer Joe McGinley im Beitrag von AgWeb Farm Journal.

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