
Die Tiere leben rund eine Woche länger.
Bettina von Känel
Die sogenannten semi-extensiven Tiere wachsen langsamer, sind laut Migros robuster und verbringen länger in der Mast. Die Lebensdauer wird von bisher rund 34 oder 36 Tagen um rund eine Woche verlängert, wie ein Migros-Sprecher der Nachrichtenagentur AWP auf Anfrage anlässlich einer Betriebsbesichtigung sagte.
Appetit auf Poulet immer grösser
Zudem sehen die gemeinsam mit der Bauern- und Labelorganisation IP-Suisse entwickelten Vorgaben für die Tiere mehr Platz, erhöhte Ebenen und Beschäftigungsmöglichkeiten in den Ställen vor. «Mit der Weiterentwicklung von Optigal stärken wir das Tierwohl dort, wo es die grösste Wirkung entfaltet: bei unserer wichtigsten Geflügelmarke», sagt Miriam Richter, Leiterin Food & Frische der Migros.

Schweizer Geflügelfleisch wie jene der Marke Optigal ist sehr begehrt.
zvg
Die Umstellung erfolgt in einem wachsenden Markt. Der Schweizer Geflügelfleischabsatz stieg von 117'000 Tonnen im Jahr 2017 auf 152'000 Tonnen 2025. Allein 2025 nahm die verfügbare Menge um 9,1 Prozent zu. Pro Kopf waren es 16,5 Kilogramm nach 13,7 Kilogramm im Jahr 2017.
Weide keine Pflicht
Weidezugang ist bei den neuen Vorgaben allerdings nicht vorgeschrieben. Laut den Verantwortlichen sollen die Bestimmungen insgesamt dennoch für mehr Tierwohl sorgen. Erste entsprechend produzierte Poulets sollen ab Herbst erhältlich sein. IP-Suisse-Produzentinnen und Produzenten würden von einer fairen Entlöhnung und einer verlässlichen Planung profitieren. «Die neue Optigal-Richtlinie verbindet höhere Anforderungen an das Tierwohl mit einer Lösung, die von vielen Betrieben umgesetzt werden kann», sagt Christophe Eggenschwiler, Geschäftsführer von IP-Suisse.

Optigal wurde 1962 von der Migros als Geflügelmarke ins Leben gerufen, um dem stark steigenden Pouletkonsum der Nachkriegszeit mit kontrollierter Schweizer Herkunft und Qualität zu begegnen.
Migros
Optigal hat für die Migros grosse Bedeutung. Die seit 1962 bestehende Marke ist das wichtigste Geflügelprogramm des Konzerns. Insgesamt stammen laut Migros rund 84 Prozent ihres frischen Geflügels aus der Schweiz. Die Migros-Tochter Micarna arbeitet mit mehr als 500 Landwirtschaftsbetrieben zusammen. Bis Ende 2026 sollen zunächst rund 61 Betriebe nach den neuen Optigal-IP-Suisse-Vorgaben produzieren. Bis Ende 2027 soll das gesamte Sortiment umgestellt werden.
Mast in der Kritik
Optigal stand in der Vergangenheit mehrfach wegen der Haltungsbedingungen in der Kritik. Tierschutzorganisationen bemängelten unter anderem die intensive Mast und den fehlenden Auslauf. Besonders umstritten ist eine verwendete Hochleistungsrasse mit teils extremen Wachstumsraten, die laut Tierschützern zu Knochenverformungen und Atemnot führen können.
Die Westschweizer Tierrechtsorganisation Observatoire du spécisme veröffentlichte 2025 Aufnahmen aus einem Micarna-Partnerbetrieb und reichte aufgrund der «Qualzucht» wegen möglicher Verstösse gegen das Tierschutzrecht Anzeige ein. Die Migros verwies jeweils auf die geltenden Tierwohlvorgaben und Kontrollen.
Danke Herr Irminger
Das ist Business - ;-)