
Für die medizinische Versorgung von Legehennen fehlen in der Schweiz zunehmend Medikamente und Impfstoffe.
Susanne Meier
Geflügeltierärztinnen und -tierärzte sind laut der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) besorgt. «Immer mehr Firmen geben in der Schweiz den Vertrieb von Medikamenten für Geflügel auf oder stellen die Produktion entsprechender Präparate ganz ein. Für viele Unternehmen ist es wirtschaftlich nicht rentabel, Medikamente für den Schweizer Markt zu produzieren», schreibt der Verband, der nach eigenen Angaben die Interessen von 4000 Tierärztinnen und Tierärzten vertritt.
Jene Tierärzteschaft sei täglich mit Liefer- und Versorgungsengpässen konfrontiert. Die medizinische Notfallversorgung von Hühnern sei dadurch gefährdet, heisst es in der Mitteilung der GST.
Behandlung nicht mehr gewährleistet
«Die Schweizer Geflügelbranche investiert viel in die Gesunderhaltung der Tiere und in präventive Massnahmen. Dennoch kommt es vor, dass Hühner erkranken. Fehlen die notwendigen Medikamente, ist eine adäquate Behandlung nicht mehr gewährleistet», erklärt der Verband weiter.
Die Betreuung kleinerer Herden, beispielsweise in mobilen Legehennenställen, erfolge meist durch allgemeine Nutztierpraxen statt durch spezialisierte Geflügelpraxen. Für diese Praxen ist es laut der GST sehr schwierig, benötigte Medikamente im Krankheitsfall rechtzeitig aus dem Ausland zu beschaffen. «Die Lieferfristen können einige Wochen betragen», heisst es in der Mitteilung.
Massnahmen gegen den Medikamentennotstand
Für den Tierschutz und das Tierwohl sei es essenziell, dass Tiere jederzeit ausreichend medizinisch versorgt werden können. Die GST warnt: «Zunehmend fehlen wichtige Impfstoffe zur Prophylaxe, damit Tiere gar nicht erst krank werden. Ab 2028 wird in der Schweiz zudem kein einziges zugelassenes Erstlinien-Antibiotikum für die Behandlung von Geflügel mehr verfügbar sein.»
Die Tierärzteschaft fordert laut der GST dringend Massnahmen gegen den Medikamentennotstand in der Geflügelmedizin. «Der Bund soll Rahmenbedingungen schaffen, die die Zulassung und den Vertrieb von Tierarzneimitteln in der Schweiz attraktiver machen und die Verteilung importierter Medikamente an Tierarztpraxen vereinfachen, damit kranke Tiere rasch und zuverlässig behandelt werden können», so die Forderungen des Verbands.