Immer wieder landen trächtige Kühe und Rinder im Schlachthof. Werden sie getötet, stirbt auch das Kalb im Bauch. Viele Bauern wissen offenbar nicht, dass ihre Tiere trächtig waren. Sie sollen sensibilisiert werden.
Wird eine trächtige Kuh geschlachtet, so stirbt auch ihr ungeborenes Kalb. Es gibt Hinweise darauf, dass es erstickt. Ein solcher Tod ist tierschutzwidrig, zumal erwiesen ist, dass auch ungeborene Kälber zumindest im letzten Drittel ihrer Entwicklung Schmerzen empfinden. In Deutschland sieht das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) deshalb Handlungsbedarf, um das Schlachten hochträchtiger Kühe im letzten Drittel der Trächtigkeit so weit wie möglich zu verhindern.
Tierhalter aufklären
«In der Schweiz existiert das Problem in etwa ähnlichem Ausmass wie in den andern europäischen Ländern», ordnet Regula Kennel vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Situation hierzulande ein. Man könne die Zahlen aber nur schätzen, da keine Meldepflicht bestehe: «Im August und September 2012 haben wir eine zweiwöchige Umfrage durchgeführt zur Abschätzung, wie viele der geschlachteten Kühe trächtig sind. Sie ergab, dass knapp 6 Prozent der geschlachteten Tiere der Rindergattung trächtig waren. Zwischen Milch- und Mutterkühen wurde nicht unterschieden.»
Viele Bauern hätten anscheinend den Trächtigkeitsstatus ihrer Tiere gar nicht gekannt, so Kennel. Das BLV diskutiere derzeit zusammen mit den Kantonstierärzten, wie Tierärzte und Tierhalter auf das Thema sensibilisiert werden können.
Europaweite Lösung
Etwas weiter ist man in Deutschland. Das BMEL kündigte Ende Mai an, dass das Schlachten oder Töten trächtiger Tiere nur noch in nicht vermeidbaren Ausnahmesituationen geduldet werden soll, etwa im Rahmen von Notschlachtungen oder Tierseuchenbekämpfungsmassnahmen.
Deutschland wurde in Brüssel vorstellig und will bei der Europäischen Kommission einfordern, sich der Lösung des Problems anzunehmen, offene Fragen zu klären und auch die Notwendigkeit von Regelungen zu Betäubungs- und Tötungsverfahren für Föten zu prüfen. In einem Forschungsprojekt will Deutschland zudem klären, wie viele trächtige Tiere geschlachtet werden.