Anbindestall-Umbau brachte mehr Tierwohl

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Vor fünf Jahren baute Samuel Hofer aus Langnau i.E. BE ein Läger seines Anbindestalls um. Dort profitieren die Kühe seither von mehr Platz und einer Kalk-Stroh-Matraze. Dadurch ist es wiederum dem Landwirt wohler.

Beim Besuch des Anbindestalls von Samuel Hofer herrscht in Langnau i.E. BE tiefster Winter. Trotz kräftigem Schneefall sind sämtliche Fenster und Türen des Stalls geöffnet. Sogar der Ventilator beim Tenneneingang läuft. «Ich schalte ihn im Sommer und im Winter nie aus», meint Hofer. In Ställen wie seinem sei es schwierig, gute Luft zu haben. So überlege er sich sogar, im nächsten Sommer einen zweiten Ventilator auf der gegenüberliegenden Stallseite aufzuhängen.

Umbau des Anbindestalls

Man merkt schnell, dass Hofer das Tierwohl besonders am Herzen liegt. So hat der 37-Jährige vor sechs Jahren den Betrieb übernommen und sich gleich danach an den Umbau eines der zwei 12-Kuh-Läger gemacht. Beraten wurde er dabei vom Tierhaltungsexperten Christoph Peter.

Hofer erklärt: «Glücklicherweise waren damals viele Kühe galt und wir konnten sie provisorisch im Wagenschopf unterbringen.» Dann habe er sich mit Kollegen, aber ohne Bauunternehmen an die Arbeit gemacht. Das Rausspitzen des Bodenbelags ermöglichte fortan eine 30 bis 40 cm hohe Kalk-Stroh-Matratze. Ein Schwemmkanal wurde neu eingebaut. Die Futterkrippe wurde bodeneben gemacht. «Das schönste für mich ist aber, wie die Kühe nun aufstehen können», sagt Hofer.

Kuhplatz ausgebaut

Der Schwungraum vor dem Kopf wird nicht mehr von einer Betonmauer behindert. «Wir verwendeten die alten Gummimatten für die Abgrenzung zur Futterkrippe.» Eine einfache und effektive Lösung, die er jedoch rückblickend anders machen würde. «Neue Gummimatten haben dann doch die längere Nutzungsdauer.» Angebunden sind die Kühe mittels Halsband und Karabinerhaken an einer Kette. Die Tiere wissen es zu schätzen. Manch eine vergnügt sich mit den Beinen in der Futterkrippe.

Bei der Neugestaltung des Lägers wurde jeder Kuhplatz in der Länge von 1,90 m auf 1,95 m ausgebaut. In der Breite von 1,15m auf 1,25m. «Weil ich zudem die Abschrankungen zwischen den Kühen wegnahm, hatte ich die Befürchtung, dass die Kühe schräg liegen. Doch das Gegenteil war der Fall. Je mehr Platz die Kuh hat, desto gerader liegt sie», so Hofer.

Tiefe Kosten

Auch die Kuhschwänze geniessen seit geraumer Zeit ihre Freiheit. «Ich habe begonnen, sie nicht mehr aufzubinden, und stellte fest, dass die Kuh ihren Schwanz beim Liegen von selbst unter sich begräbt.» So seien die Schwänze nicht dreckiger als vorher und müssten nicht alle Tage gewaschen werden. Gekostet hat Hofer der Umbau mit viel Eigenleistung noch rund 15’000 Franken.

Eine gute Investition, wie er findet, obwohl er keinen nennenswerten Unterschied bei der Fruchtbarkeit, der Zellzahl oder der Leistung feststellen konnte. «Wenn es den Kühen wohler ist, ist es auch mir wohler», sagt er überlegt.

Deshalb erwägt er auch einen Umbau des zweiten Lägers. Auf etwas möchte er aber auch in Zukunft nicht verzichten: «Der elektrische Kuhtrainer ist ein Muss für einen sauberen Anbindestall.» Das sei für ihn sogar ein Grund, bei einer künftigen Bio-Umstellung – wo der elektrische Kuhtrainer verboten ist – auf einen Laufstall zu setzen. «Allerdings behaupte ich, dass die Kühe in meinem Anbindestall wohler sind als in einem 30-jährigen Laufstall», bekräftigt Hofer.

Lange Lebensdauer

Dass die Tiere es bei Hofer wohl haben, bestätigte nicht zuletzt die Kuh Nesi, die letztes Jahr im Alter von 23 Jahren starb. «Eine so alte Kuh haben wir wohl nie mehr», meint Hofer. «Zum Ende hin wurde sie natürlich nicht mehr gemolken und mochte auch nicht mehr mit ihren Stallgefährtinnen auf die Weide.» Aber: In ihrem Leben erreichte sie eine Lebensleistung von 103’839kg Milch.

Und damit war sie nicht die einzige: Die Kuh Enzian aus Hofers Stall überschritt kürzlich die 100’000er-Marke ebenfalls.

Betriebspiegel

Der Betrieb von Samuel Hofer in Langnau i. E. BE. umfasst 21 ha Landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Milch seiner 24 Kühe wird an die Aaremilch verkauft. Weitere Betriebszweige sind die Kälber- und die Schafmast. Auf dem Hof hilft Vater Ernst mit. Samuel Hofer arbeitet zeitweise auf dem Bau oder erledigt Holzarbeiten für Dritte. Ehefrau Ruth ist im 40-Prozent-Pensum als Buchhalterin bei der Agro-Treuhand Emmental AG angestellt. Hofers haben zwei Kinder im Alter von 1 und 4 Jahren. rup

Kommentare (24)

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  • Leidenschaftlicher Bauer | 27.03.2021
    Habe leider keinen Stall
    suche noch einen
    [email protected]
    vielen dank
  • Hansueli | 22.03.2021
    Gut gemacht Herr Hofer. Ich finde es ist viel besser, jetzt etwas in das Tierwohl zu investieren, als zu warten und zu sagen, vielleicht gibt es ja mal einen Laufstall...
    Als Landwirt mit einem sehr schönen Laufstall sage ich immer wieder, lieber einen schönen Anbindestall als einen zu engen, stinkigen Laufstall.
  • Christian | 22.03.2021
    Ich habe Lauf und Anbindestall,es ist beides Tiergerecht, sollte jeder Mal eine Woche mit Tieren Arbeiten, bis er ein Kommentar ab gibt
  • Xaver | 22.03.2021
    Erstaunlich das ausser dem Landwirt alle ganz genau wissen wie man ein Bauernhof bewirtschaftet und wie mit den Kühen umzugehen ist supper !!!!
  • Karin Kostov | 22.03.2021
    Ich finde keine Kuh sollte angebunden sein, sondern sich frei im Stall bewegen und auch ihre Kälber bei sich haben. Der Stall sollte sauber sein und der Liegeboden mit einer weichen Unterlage oder mit Stroh ausgelegt sein.
    • Beat Furrer | 22.03.2021
      Du solltest eben mehr Ahnung von der Tierhaltung bekommen was nur geht, wenn du mit Tieren arbeitest. Die Kühe fühlen sich angebunden sehr wohl. Mensch und Tiier sind verschieden., Karin Kostov.
      • Othmar Bernet | 22.03.2021
        Hört hört, Beat der Tierflüsterer, er weiss wann Tiere sich wohl oder unwohl fühlen. Tiere sind viel sensiebler als der dumme Mensch ob wohl der anscheinend denken kann. Du hast ein Händy, dass du sicher den ganzen Tag nachträgst oder?! Ich frage Dich darum, hast du schon Kinder oder möchtest du noch Kinder, dann solltest du vorsichtig sein.Aber Beat würde ja gerne Tag und Nacht den Strom-E-Smog stössen ausgesetzt sein. Hauptsache er hat recht mit seinen Behauptungen, die keine Grundlage haben.
        • Beat Furrer | 23.03.2021
          Die Langlebigkeit angebundener Tiere spricht gegen deine Theorie, Othmar.
          • Othmar Bernet | 23.03.2021
            Ich weiss doch dass du unverbesserlich und Rechtahberisch bist. Ich schreibe das hier deshalb nicht für Dich. Ich schriebe es für die, die erst etwas überlegen und dann merken dass es doch so ist. Du bist einer wie der Frosch im kalten Wasser, dann ist es aber dann zu spät, wenn es heiss wird, Du krank bist und zb. Tumore hast oder andere Krankheiten. Tiere spüren das und möchten fliehen wenn sie nur könnten. Der Mensch will es aber besser wissen, er bevormundet die Tiere aufs gröbste.
          • Beat Furrer | 23.03.2021
            Othmar, wenn der Kuhtrainer nur ab und zu mal eingeschaltet wird, damit die Kühe wissen, dass sie nach hinten stehen müssen beim Geschäfte machen. Ist das ein Problem? Werden da die Kühe wegen Elektrosmog krank? Wer ist hier rechthaberisch?
  • Werni | 22.03.2021
    Wenn man von Tierwohl spricht dann muss der Fitzer weg ohne Wenn und aber.
    • Beat Furrer | 22.03.2021
      Dann müsste also der elektrische Zaun auch verboten werden. Sowohl der Kuhtrainer wie der elektrische Zaun geben dem Tier einfach das Zeichen, dass hier die Grenze ist. Das Tier lernt daraus und wird nicht gezwungen, sich dem elektrischen Schlag auszusetzen. Natürlich muss der Kuhtrainer richtig justiert werden. Was soll daran nicht Tierwohl-konform sein?
      • Holzfäller | 22.03.2021
        Genau richtig. Auch elektrische Zäune können durch stabile Lattenzäune ersetzt werden.
        • Beat Furrer | 22.03.2021
          Und wie wird der Wolf abgehalten, Schafe, die hinter einem Lattenzaun sind, anzufallen und zu töten? Braucht schon einen recht aufwändigen Lattenzaun. Für Schafhaltung auf der Herbst-/ Winterweide ein wenig teuer, nicht? Aber wir nähern uns ja immer mehr dem sowjetischen Planwirtschaftssystem. Mit den gleichen Ergebnissen: Keine Eigeninitiativen mehr, alles vom Staat bezahlt, alles überschuldet und verstaatlicht, völlige Unfreiheit und Gehirnwäsche. Ist das auch in deinem Sinn, Holzfäller?
        • Hansruedi Arn | 22.03.2021
          Lieber Holzfäller: Vermutlich sind Sie nicht Tierhalter oder wenn, müssen Sie mir erklären, wie Sie einen Hengst oder einen Stier mit "Holzlatten" aufhalten wollen wenn brünstige Muttertiere rum sind. Da kann ich Ihnen aus Erfahrung sagen da genügen Holzlatten und seien sie noch so stabil wohl kaum. Ich habe das mit Hengsten versucht und musste auf 2 Zoll Stahlrohre umbauen. liebe Grüsse an Sie
      • Othmar Bernet | 22.03.2021
        Beat, dass kann ich Dir ganz genau sagen. In einer Weide hat das Tier die freie wahl an den Zaun heran oder davon weg zu gehen. Im Anbindestall ist es angebunden und kann nicht weichen. Bei E-Smog Messungen wird festgestellt, dass dieser Stromstoss jedesmal wie ein Blitz durch das Tier fährt. Elekrosmog ist für die Tiere sehr unangenehm, können sie nicht ausweichen werden sie mit der Zeit krank. E- Smog lässt die roten Blutkörper mit der Zeit immer mehr verklumpen, also verkleben,
        • Beat Furrer | 23.03.2021
          Othmar, der Kuhtrainer kann meist ausgeschaltet sein, weil er nur dazu dient, die Kühe daran zu erinnern weiter nach hinten zu stehen, damit Kot und Harn nicht auf das Läger gelangen. Also bezüglich Elektrosmog kein Problem. Wenn deine Theorie für alle Menschen und Tiere stimmen würde, dann wären - in unserer elektrifizierten Welt - schon viel mehr Leute daran gestorben.
          • Othmar Bernet | 23.03.2021
            Würde ein Frosch ins heisse Wasser springen,reagiert er sofort und springt wieder raus,au das tut weh. Springt er ins kalte Wasser,dass jedoch auf einer Heizplatte steht,wird er sagen,was habt ihr denn alle ist ja wunderbar hier.Es wird wärmer und wärmer, der Frosch sagt sich kein Problem und schläg alle Wahrnung in den Wind.Jetzt ist das Wasser aber heiss geworden, er stirbt.So sind die Menschen.Es gibt genug Studien und Bewiese, nur niemand will zuhören, wie viele Du eingeschlossen.
    • Silvia | 22.03.2021
      Genau mein Standpunkt..die Tiere sollten sich frei bewegen können, MIT Kalb!
  • BioBergbauer | 22.03.2021
    Wie er ja schon selber sagt, ohne elektrischen Kuhtrainer Funktionierts eifach nicht mit der Kalkstrohmatratze. Sicher eine gute Sache eine solche Anbindestall Optimierung, aber im Anbindestall als Biobetrieb nicht ohne Probleme umzusetzen
    • Karin Kostov | 22.03.2021
      Ich finde keine Kuh sollte angebunden sein, sondern sich frei im Stall bewegen und auch ihre Kälber bei sich haben. Der Stall sollte sauber sein und der Liegeboden mit einer weichen Unterlage oder mit Stroh ausgelegt sein.
      • BioBergbauer | 22.03.2021
        Nun mit dem Momentanen Erzeugerpreise ist ein neuer Freilaufstall nicht so einfach zu Realisieren
      • Silvia | 22.03.2021
        Bin genau gleicher Meinung, noch dazu das es ein Biohof ist
        • Peter Gredig | 22.03.2021
          Ist es nicht! Bitte lesen bevor schreiben.

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