Die Zahl der BVD-Fälle ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Neu werden deshalb BVD-Fälle intensiver abgeklärt und Viehhandelsbetriebe speziell überwacht. Es wird erwartet, dass diese Massnahmen greifen.
Im letzten Jahr hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) 92 Fälle von BVD (Bovine Virus-Diarrhoe) registriert. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2014, als 44 Fälle der Rinderseuche verzeichnet wurden. Und laut der Tierseuchenstatistik dürfte die Zahl der BVD-Infektionen weiter steigen. Bislang sind in diesem Jahr schon 80 Fälle der auszurottenden Tierseuche registriert worden.
Immer mehr PI-Kälber
Entscheidend für die Verbreitung der Krankheit sind Kälber, die während der Trächtigkeit infiziert wurden, sogenannte persistent infizierte oder PI-Tiere. Die PI-Tiere scheiden lebenslang grosse Virusmengen aus. Dies ist problematisch, weil die Rinderpopulation keine Abwehrkörper mehr gegen das Virus hat. 2015 wurden insgesamt 370 PI-Tiere auf 111 Betrieben entdeckt. Das ist gegenüber 2013 (122 PI-Tiere auf 56 Betrieben) und 2014 (265 PI-Tiere auf 72 Betrieben) eine deutliche Zunahme.
Die BVD-Ausrottungskampagne, die 2008 begonnen hat, scheint ins Stocken geraten zu sein. «Der Anstieg der Fallzahlen führt vor Augen, dass die Krankheit noch nicht ausgerottet ist», schreibt das BLV im Bericht zur Überwachung von Tierseuchen und Zoonosen, der letzten Freitag veröffentlicht wurde. Grund für den Anstieg sind laut Nathalie Rochat vom BLV einzelne BVD-Ausbrüche, die längere Zeit unerkannt geblieben sind.
Riskanter Tierverkehr
«Aufgrund des intensiven Tierverkehrs wurden PI-Tiere in kurzer Zeit auf mehrere Betriebe verstellt. Hinzu kam, dass auch Tierhaltungen mit übermässigem Tierverkehr – zum Beispiel Viehhandelsbetriebe – in einige dieser BVD-Geschehen involviert waren. So konnte sich das BVD-Virus rasch verbreiten.»
Seit Herbst 2015 werden deshalb neben den Nachforschungen zum Auffinden der Infektionsquelle auch alle Tiere und Betriebe, die in irgendeinem Zusammenhang mit dem aktuellen BVD-Geschehen oder dessen ursprünglichen Infektionsquelle stehen könnten, auf eine mögliche Infektion kontrolliert. «Voraussetzung für diese lückenlosen Abklärungen ist jedoch, dass die Daten in der Tierverkehrsdatenbank (TVD) immer aktuell und korrekt sind», betont Rochat. «Sind Tiergeschichten nicht korrekt erfasst, kommt es zu Lücken bei den BVD-Abklärungen.» Es liege in der Verantwortung des Tierhalters, seine TVD-Daten immer vollständig zu erfassen.
Wieder tiefere Fallzahlen erwartet
Und wie geht es weiter? «Dank der oben beschriebenen Intensivierung der Abklärungen wurden seit Herbst 2015 zahlreiche BVD-Fälle, die in Zusammenhang mit einem laufenden BVD-Geschehen standen, entdeckt», sagt Rochat. «Dies erklärt, warum die Fallzahlen in diesem Jahr ebenfalls hoch sind. Die Massnahmen greifen. Die von der BVD betroffenen Betriebe sind identifiziert und die Massnahmen zur Unterbrechung der Infektionsketten wurden getroffen. Wir erwarten deshalb, dass die Fallzahlen bald wieder rückläufig sein werden.»