Hansrudolf Scheuner aus Oberlangenegg BE ist erster Präsident der IG Anbindestall. Er wolle nicht gegen Laufställe, sondern für Anbindeställe kämpfen. Gründungsversammlung der IG ist am 21. Juni in Steffisburg BE.
«Schweizer Bauer»: Warum braucht es die Interessengemeinschaft (IG) Anbindestall?
Hansruedi Scheuner: Der Tierschutz hat uns aufgeschreckt. Es ging darum, dass keine Investitionshilfen mehr für Anbindeställe entrichtet werden sollen. Hansuli Huber vom Schweizer Tierschutz stellte diese Forderung auf. Ich war eigentlich der Meinung, dass man keine neue Organisation gründen sollte. Ich ging zur Lobag-Führung und habe sie gefragt, ob sie sich für den Anbindestall engagieren möchte. Doch von der Lobag kam die Antwort, dass man es mit dem Tierschutz nicht verderben wolle. Danach drängte sich die Gründung einer Interessengemeinschaft auf.
Und wie kamen Sie zu weiteren Mitstreitern?
Ich habe die Leserbriefe in bäuerlichen Medien von Leuten, die auf meiner Linie sind, gesammelt und sie angeschrieben. Im Dezember hatten wir eine Zusammenkunft, und ich merkte, dass das Interesse gross ist. Wenn ich nicht die Initiative ergriffen hätte, dann hätte ich ein schlechtes Gewissen gehabt in Hinblick auf die Zukunft. Noch immer hat eine Mehrheit der Schweizer Bauern einen Anbindestall. Es ist an der Zeit, dass diese sich für ihre Interessen starkmachen und sich zu unserer Organisation bekennen.
Sind Sie gegen Laufställe?
Wir sind nicht gegen den Laufstall. Wir wollen aber den Anbindestall wieder auf Vordermann bringen und dessen Vorteile aufzeigen. Und wir wollen gleich lange Spiesse. Bei öffentlichen Geldern war das jetzt klar nicht mehr der Fall. Wir wollen dem Familienbetrieb eine Zukunft geben, indem wir günstige Umbaumöglichkeiten von Anbindeställen aufzeigen.
Der Anbindestall ist bei Behörden und Tierschutz nicht beliebt. Hat er seinen schlechten Ruf zu Unrecht?
Jahrelang hat man von politischer Seite nichts mehr für die Erhaltung der Anbindeställe gemacht. Ja, er wurde gar als Auslaufmodell bezeichnet. Der Anbindestall ist aber kein Auslaufmodell. Das Tierwohl im Anbindestall ist vorhanden. Der Anbindestall hat sogar Vorteile: Die Tierpflege und der Kontakt von Tier und Mensch ist durch das tägliche Bürsten, Striegeln und Anbinden gross. Der Anbindestall schützt aber etwa auch schwächere Tiere.
Fehlte dem Anbindestall also bisher einfach die Lobby?
Ja, das stimmt. Mit der Bekanntmachung, dass wir eine IG gründen wollen, haben wir gemerkt, dass viele Bauern mitmachen wollen. Ich habe von vielen Seiten gehört: «Endlich macht jemand etwas.» Deshalb sind wir darauf gekommen, die IG jetzt zu gründen. Dies auch, damit wir Mitglieder- und Gönnerbeiträge bekommen, um aktiv werden zu können. Vielleicht werden wir auch von Stallbaufirmen, welche auch in Zukunft Interesse haben, etwas zu bauen, unterstützt.
Welche konkreten Ziele und Forderungen haben Sie?
Wir verlangen ab sofort für den Anbindestall gleich lange Spiesse. Es ist fertig mit der Salamitaktik, mit der man in der Tierschutzverordnung immer neue Anforderungen stellt, um den Anbindestall zum Verschwinden zu bringen. Wir nehmen die Tierschutzverordnung unter die Lupe. Wir sind überzeugt, dass es Fehler darin hat, und wir wollen diese beheben. Wir haben den Eindruck, dass bei der Ausarbeitung der Verordnungen Leute am Drücker waren, die von Tierhaltung wenig Ahnung haben. Dies im Gegensatz zu uns Bauern, die das Vieh 24 Stunden rund um die Uhr betreuen.
Der Tierschutz möchte den elektrischen Viehtrainer am liebsten abschiessen. Ist ein moderner Anbindestall ohne Viehtrainer überhaupt noch möglich?
Wenn die Alternativen zum Viehtrainer tauglich sind, dann kann man die einsetzen. Wenn sie sich nicht als tauglich erweisen, dann muss man darauf zurückkommen. Auch der bekannte Berater und Kuhsignaltrainer Christian Manser sagt, dass der Kuhtrainer nicht des Teufels sei. Das ist ein konkreter Punkt, bei dem man die Verordnungen ändern sollte.
Wie geht es weiter?
An der Gründungsversammlung am Samstag, 21. Juni, in Steffisburg wollen wir die Statuten genehmigen und einen Vorstand wählen. Ich hoffe, dass möglichst viele teilnehmen. Wir suchen Vorstandsmitglieder aus der ganzen Schweiz. Der Vorstand kann danach aktiv werden. Wichtig ist, dass möglichst viele Mitglied oder Gönner werden. Denn ohne etwas Geld können wir unser Engagement nicht weiterführen.