Die Warnung kommt, bevor das Kalb weniger trinkt

Roland Nussbaumer erhält eine Nachricht auf dem Handy, wenn ein Kalb kränkelt, ein Aufzuchtrind stierig ist oder eine Kuh nicht frisst. Sein Monitoringsystem nutzt Transponder und Ohrmarken.

Susanne Meier |

Roland Nussbaumer aus Wisen  SO verlässt sich bei der Brunst- und Gesundheitskontrolle seiner Kühe nicht allein auf seine Augen. Alle Kühe tragen einen Transponder am Halsband. Mit Sensehub, einem Herdenmonitoringsystem, werden das Verhalten und die Aktivität der Tiere rund um die Uhr überwacht. Ist eine Kuh stierig, frisst sie nicht oder liegt länger als sonst, erhält er auf seinem Handy oder dem PC eine Meldung.

Stundengenau besamen

Zudem tragen alle Kälber ab der Geburt eine spezielle Ohrmarke. Auch sie ist von Sensehub und registriert Abweichungen bei der Aktivität. Sobald die Aufzuchttiere oder die Tränkekälber den Betrieb verlassen, wird die Ohrmarke entfernt. Sie ist wiederverwendbar. «Ich war vor sechs Jahren an einer Weiterbildung, an der das System vorgestellt wurde», erinnert sich Roland Nussbaumer. «Wir nutzten vorher eine andere Aktivitätsmessung und haben umgestellt. Sensehub ist viel genauer, wir konnten die Anzahl Besamungen pro Kuh von 3 auf 1,6 reduzieren.»

Er setze das System auch beim Embryotransfer ein: «Ich kann mögliche Trägerrinder, die in Kürze stierig werden müssten, überwachen und stundengenau dem Tierarzt melden. Obwohl wir auf Hormone zur Synchronisation verzichten, kommen wir auf eine Anwachsrate von rund 50 Prozent.» Wertvoller als die Brunstmeldung sei die Gesundheitsüberwachung, betont der ÖLN-Landwirt, der 100 Kühe und rund 20 Kälber hält. Die Aufzucht ist ausgelagert, gemolken wird im Karussell. «Wir konnten den Antibiotikaverbrauch stark reduzieren, der Tierarzt kommt vielleicht noch alle sechs Wochen. Dieser Effekt auf die Wirtschaftlichkeit wird unterschätzt.»

Auch bei Hitzestress

Der Solothurner Produzent hat festgestellt, dass das System sehr genau funktioniert – je länger es im Gebrauch ist und je besser es die Kühe kennt, desto feiner werden Abweichungen des Verhaltens gemeldet. «Sensehub gibt mir aber keine Diagnose, sondern nur das Tier an, das ich beobachten muss», erklärt er. «Dafür weiss ich in der Regel schon, dass etwas nicht stimmt, bevor ein Kalb weniger trinkt oder eine Kuh mit der Milch zurückgeht. Sensehub meldet auch Hitzestress, wenn die Atemfrequenz steigt. Dank dem Gruppenalarm weiss ich zudem, wenn ich zum Beispiel nach der Boxenpflege vergessen habe, das Fressgitter zu öffnen.»

Roland Nussbaumer ist einer von 370  Landwirten in der Schweiz, die Sensehub nutzen. Seit Anfang März hat er einen neuen Ansprechpartner. Das Lely Center Schweiz hat den Vertrieb und den Support von Swissgenetics übernommen. Marcel Schwager von Lely sieht Sensehub als Ergänzung zur firmeneigenen Software: «Zu den Sensehub-Betrieben, zwei Drittel mit Milch- und Jungvieh und ein Drittel mit Mutterkühen, kommen rund 1’000 Lely-Astronaut-Kunden, die auf die gleiche Technologie setzen.»

Keine Lizenzkosten

Deshalb könnten Sensehub-Nutzer bei einem späteren Wechsel auf den Astronaut-Melkroboter einfach auf das Lely-System wechseln und günstiger ins Robotermelken einsteigen. «Zudem können Tierhalter mit einfacherer Melktechnik von der Überwachung profitieren», so Marcel Schwager Und: «Sensehub erlaubt dank der Young-Stock-Ohrmarke die Überwachung der Tiere ab der Geburt bis zur Schlachtung. Das ist einmalig auf dem Markt.»

Die Kosten von Sensehub belaufen sich laut Lely auf rund 25 bis 35 Franken pro Tier und Jahr. «Sie sind abhängig von der Abschreibedauer und dem Softwarelevel», so Marcel Schwager. «Es gibt nach der Anschaffung keine Folge- und Lizenzkosten, und wir können das System im Vergleich zu Swissgenetics günstiger anbieten.» Roland Nussbaumer befürwortet das Preismodell. «Für mich ist wichtig, dass es kein Abo ist, bei dem monatlich Kosten anfallen. Ich kaufe die Software, die Transponder und die Ohrmarken einmal, dann gehören sie mir.»

->  «SenseHub»: Lely Center übernimmt Vertrieb

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