Sechs Neuheiten werden an der EuroTier in Hannover D von der DLG mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Eine stammt aus der Schweiz. Der RotoPuls-Pulsator von Erwin Bilgery erlaubt noch tiergerechteres Melken.
Seit 2006 tüftelt Erwin Bilgery, Erfinder und Melkberater aus Romanshorn TG, an einem neuartigen Pulsator für Rohrmelkanlagen. Nun hat er den Durchbruch geschafft. Sein Produkt, der Melkmaschinenpulsator RotoPuls, wird an der diesjährigen EuroTier mit einer Goldmedaille ausgezeichnet – als einziges Schweizer Produkt.
Gegen 270 Neuheiten durchgesetzt
Bilgerys RotoPuls hat sich gegen 270 Neuheiten von 156 Ausstellern aus 19 Ländern durchgesetzt. So viele wurden beim EuroTier-Veranstalter, der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), angemeldet. Eine neutrale, international besetzte Expertenkommission, der auch Bauern angehören, hat daraus insgesamt sechs Neuheiten mit Goldmedaillen und fünfzehn Neuheiten mit Silbermedaillen ausgezeichnet. «Der neuartige, patentierte Melkmaschinenpulsator RotoPuls verbindet ein tiergerechtes Melken mit verbesserten Arbeitsbedingungen. Dabei wird eine hohe Milchqualität gewährleistet», lobt die DLG die Schweizer Erfindung.
Bilgery ist als Melktechnikberater seit Jahren auf Betrieben unterwegs. «Lärm und Vibrationen führen bei den modernen, elektrisch betriebenen Pulsatoren zu Problemen», hat er beobachtet. «In ihnen entsteht eine Überschallströmung, das äussert sich als spürbarer Knall an der Zitze. Das kann die Milchabgabe einzelner Kühe oder sogar die Melkbereitschaft aller Tiere stören.»
Vakuumschwankungen in der Luftleitung verringert
Beim RotoPuls hingegen sollen Vakuumschwankungen in der Luftleitung verringert werden. Dafür sorgen zwei Servomotoren, ein Ventilblock und ein Puffertank. Die einzelnen Pulskurvenphasen lassen sich tierindividuell einstellen. «Der RotoPuls ermöglicht dem Melker und der Kuh ein sehr ruhiges, angenehmes Melken», bestätigt Matthias Schick von Agroscope. «Die Geräuschkulisse herkömmlicher Pulsatoren fällt weg, was besonders bei grossen Melkständen ins Gewicht fällt.»
Schick kennt Bilgerys Pulsator gut. Sechs Prototypen laufen seit Mai 2013 bei Agroscope in Tänikon TG, weitere sind in zwei Praxisbetrieben im Einsatz. «Wir überlegen uns, einen weiteren Versuchsmelkstand damit auszustatten», so Schick, der für den RotoPuls auch ein riesiges Potenzial fürs Robotermelken sieht, «die Technik ist bestechend.» Nun wolle man die EuroTier sowie die Serienreife der Pulsatoren abwarten. Daran arbeitet Bilgery: «Ein Serienmodell ist in Entwicklung. Ich hoffe, an der EuroTier in Hannover für die Produktion geeignete Partner zu finden.»