Früheres Erstkalben kann die Rentabilität verbessern

Die Aufzucht von Rindern verursacht einen erheblichen Teil der Kosten in der Milchproduktion. Eine Studie zeigt mit einer Modellrechnung, wie ein tieferes Erstkalbealter die Wirtschaftlichkeit von Schweizer Holsteinbetrieben verbessern kann.

pd |

Die Rinderaufzucht macht einen bedeutenden Teil der Produktionskosten in Milchviehbetrieben aus. Dennoch liegt das Erstkalbealter (EKA) oft über den Empfehlungen, obwohl es die Aufzuchtkosten, die Remontierung und die Produktion direkt beeinflusst.

In der Schweiz kalben Holstein-Kühe im Durchschnitt mit 27,2 Monaten zum ersten Mal, während das empfohlene EKA zwischen 22 und 26 Monaten liegt. Dies teilt Agrarforschung Schweiz im Rahmen der Veröffentlichung der Studie «Einfluss des Erstkalbealters auf die Rentabilität der Milchproduktion» mit, die in französischer Sprache erschienen ist.

Höherer Deckungsbeitrag durch tieferes Erstkalbealter

Die Studie hat mithilfe eines Modells für einen Schweizer Holstein-Betrieb mit 50 Kühen die wirtschaftlichen Folgen einer Senkung des EKA von 27 auf 23 Monate untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass ein früheres Erstkalben die Gesamtrentabilität der Milchproduktion verbessern kann. Der Betrieb mit einem EKA von 23 Monaten erzielt einen um 9653 Franken höheren jährlichen Deckungsbeitrag als der Betrieb mit einem EKA von 27 Monaten, was rund 193 Franken zusätzlich pro Kuh und Jahr entspricht.

«Dieser Vorteil erklärt sich hauptsächlich durch zwei Faktoren», hält Agrarforschung Schweiz fest. Einerseits produziert die Herde mit dem tieferen EKA über das Jahr hinweg mehr Milch. Andererseits verringert die kürzere Aufzuchtdauer den Bedarf an Remonten, was die gesamten Ersatzkosten senkt. «Auch wenn die Aufzucht der Rinder pro Tier aufgrund einer intensiveren Fütterung etwas teurer ausfallen kann, werden diese Mehrausgaben durch die bessere wirtschaftliche Leistung der gesamten Herde mehr als ausgeglichen».

Wirtschaftlicher Vorteil hängt auch von Milchleistung ab

Die Studie zeige zudem, dass der wirtschaftliche Vorteil bei schwankenden Raufutterpreisen insgesamt stabil bleibt. Hingegen sei er stark von der Milchleistung der früh kalbenden Rinder abhängig. Produzieren diese Tiere deutlich weniger Milch als erwartet, könne sich der wirtschaftliche Vorteil eines tieferen EKA verringern oder sogar ganz verschwinden. Die Entscheidung zur Senkung des EKA müsse deshalb betriebsspezifisch getroffen werden und sollte das genetische Leistungspotenzial der Tiere, das Aufzuchtmanagement sowie die Qualität der Fütterung berücksichtigen.

Ausserdem weisen die Autorinnen und Autoren darauf hin, dass die Ergebnisse auf gewissen vereinfachenden Annahmen beruhen, insbesondere darauf, dass ein früheres Erstkalben keine negative Auswirkung auf die Leistung in der ersten Laktation hat. Eine Untersuchung auf Basis von Daten aus Schweizer Betrieben würde es erlauben, diese Ergebnisse zu überprüfen, bevor die Empfehlungen verallgemeinert werden.

Einzelfallprüfung erforderlich

Die Ergebnisse der Studie zeigen also, dass ein Erstkalbealter von 23 Monaten die Wirtschaftlichkeit einer Schweizer Holstein-Herde dank tieferer Remontierungskosten und einer höheren Milchleistung verbessern kann. Dieser wirtschaftliche Vorteil setze jedoch gemäss der Studie voraus, dass nach dem ersten Kalben eine überdurchschnittliche Milchleistung aufrechterhalten wird.

«Eine Senkung des EKA stellt somit für Betriebe mit geeigneten Aufzuchtbedingungen einen interessanten Hebel dar, muss aber je nach Potenzial der Herde und des Produktionssystems im Einzelfall beurteilt werden», lautet ein Fazit von Agrarforschung Schweiz.

-> Hier können Sie die Studie nachlesen (auf Französisch).

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