In einer mehrteiligen Serie stellen wir Ihnen Junglandwirtinnen und Junglandwirte vor. Yvonne Ritter aus Diegten BL ist Meisterlandwirtin. Vor dieser Ausbildung studierte sie Sport. Nun hilft sie mit, den elterlichen Betrieb so effizient wie möglich zu organisieren. In einigen Jahren will sie den Betrieb übernehmen.
Es hätte auch ganz anders kommen können. Zuerst studierte Yvonne Ritter, Bauerntochter aus Diegten und Mehrkämpferin, nach der Matura Sport, um Sportlehrerin zu werden. In dieser Zeit machte ihr Bruder die Lehre als Landwirt.
Tiere und Lernende
Als zu Hause der Umbau des alten Anbinde- zum Laufstall anstand und das Studium sie immer weniger packte, kam sie für ein Jahr nach Hause, um zu helfen. Sie blieb hängen, während ihr Bruder ins Militär ging, die Matura nachholte und Wirtschaft studierte. Yvonne Ritter absolvierte die Ausbildung zur Landwirtin und setzte diese fort, bis sie Meisterlandwirtin war. Jetzt ist sie 31 und Angestellte ihres Vaters.
Die Arbeit haben sie sich nach den jeweiligen Vorlieben aufgeteilt. Sie kümmert sich um die Tiere und die Lernenden: «Ich habe Tiere fürs Leben gern und bin generell ein sehr naturverbundener Mensch. Die Natur zeigt dir jeden Fehler, sie belohnt dich aber auch, wenn du es richtig machst.»
Zu viele Tiere für Bio
Ritters haben schon mehrfach darüber nachgedacht, auf Bio umzustellen. Aber die hohe Tierzahl für die vorhandene Fläche mache es sehr schwierig, die Dünger- und Fütterungsvorschriften in der Bioproduktion einzuhalten. Auch beim neuen Programm der grünlandbasierten Milch- und Fleischproduktion stehen Ritters an, weil sie den Kühen als Energielieferant Maissilage verfüttern. «Wir setzen bewusst auf einen möglichst hohen Raufutteranteil. Unsere Tiere fressen vor allem Gras, Heu und Silage.»
Mit den zahlreichen Tieren, dem Ackerbau sowie der Kirschenanlage fällt auf dem Betrieb viel Arbeit an. «Wir versuchen, uns so einzurichten, dass wir den Arbeitsanfall reduzieren und die Abläufe so effizient wie möglich gestalten können», erklärt Yvonne Ritter. Aus diesem Grund haben sie vor zehn Jahren einen Melkroboter angeschafft. Dieser ist 24 Stunden im Einsatz, die Kühe haben damit so etwas wie einen Melk-Selbstbedienungsladen. Mit 65 Kühen ersetze der Roboter eine Arbeitskraft. «Der Roboter ist nicht für jedermann», davon ist sie überzeugt.
Kälber brauchen Nähe
Die genaue Tierbeobachtung sei umso wichtiger, ebenso die sorgfältige Wartung der Maschine. Beide könne man nicht sich selbst überlassen, sonst gebe es sofort Probleme. Ihr ist es wichtig, dass sie alle Kühe anfassen und problemlos führen kann. Die Kälber bekommen tägliche Schmuseeinheiten, damit sie sich an die Landwirtin gewöhnen und sie akzeptieren.
Yvonne Ritter ist eine leidenschaftliche Züchterin und auch Geschäftsführerin des Baselbieter Fleckviehzuchtverbands. «Mit diesen Hochleistungsviehschauen kann ich aber nichts anfangen. Ich suche eine robuste Kuh mit guten Klauen und einer jährlichen Milchleistung zwischen 8000 und 8500 Kilo Milch. Da wir einen Roboter haben, sind das Euter und die Zitzenposition wichtig.» Und was gefällt ihr besonders an ihrem Beruf? Auf diese Frage zögert sie nicht: «Mir gefällt der Freiraum, auch wenn er zunehmend enger wird durch politische Vorgaben.»
Sorgen wegen Milchpreis
«Ich würde mir wünschen, dass man uns wieder mehr Verantwortung für einen guten Umgang mit der Natur und den Tieren gibt und dass wir Bauern diese auch wahrnehmen.» Entsprechend macht ihr die grosse Abhängigkeit von den Direktzahlungen Sorgen: Ihr Milchpreis ist mit 54 Rappen weit weg von kostendeckend. Ohne die Mischrechnung durch die Kälbermast, den Kuhverkauf und die Direktzahlungen müssten sie sofort mit der Milchproduktion aufhören. Ihr Wunsch ist deshalb klar: «Ein fairer Milchpreis, der dem Schweizer Kostenumfeld entspricht.»
Die Zweifler überzeugt
In einigen Jahren will sie den Betrieb übernehmen: «Als mein Bruder das Bauernhemd an den Nagel hängte, hatte mein Vater ein Jahr lang die Krise. Unterdessen klappt es gut zwischen uns.» In der Ausbildung spürte Yvonne Ritter, dass Zweifel bestanden, ob eine Frau allein einen Landwirtschaftsbetrieb führen kann.
«Als Frau muss man sich zuerst beweisen, selbst wenn Männer mit den strengen körperlichen Arbeiten ebenfalls an ihre Grenzen kommen.» Yvonne Ritter kennt ihre Schwächen: «Ich will immer alles perfekt machen. Ich versuche, den Fünfer gerade sein zu lassen und bewusst Prioritäten zu setzen.» Schliesslich muss sie niemandem (mehr) etwas beweisen.