
Kühe geben hitzebedingt derzeit bis zu 30 Prozent weniger Milch.
Adrian Haldimann
«Extremer Durchfall, Fieber, massiver Rückgang der Milchleistung, Erhöhung der Zellzahlen und Fressunlust», schildert Landwirtin Monika Helfer aus Courlevon FR die Symptome ihrer Kühe. Was vor zwei Wochen mit Einzeltieren anfing, griff rasant auf die ganze Herde über.
Am vergangenen Wochenende: «35 der 55 Holsteinkühe standen auf der Gesundheitsliste des Melkroboters.» Unterdessen hatten laut der Betriebsleiterin 90 Prozent ihrer Tiere gesundheitliche Probleme. Die Milchleistung der Herde ist von 32 kg pro Tier und Tag um knapp ein Drittel auf 22 kg eingebrochen. Manche Tiere würden, laut Helfer, fast keine Milch mehr geben.
Hohe Milchtemperatur
Viele Milchviehhalter – vom Jura in den Sensebezirk, durchs Mittelland bis in die Zentralschweiz – erleben derzeit ähnliche Szenarien. Ein Milchchauffeur aus dem Mittelland spricht von einem Rückgang der Milchmenge im Sammeltank um 20 bis 30 Prozent. So tönt es auch von der Käserei Düdingen FR. «Auch bei uns ist die Milchmenge eingebrochen, geschätzt 15 bis 20 Prozent.»
«Zurzeit werden Proben auf Blauzungenvirus, Schmallenberg und Coronavirus untersucht.»
Als Ursache nennt Milcheinkäuferin Daniela Weber unter anderem, dass viele Milchproduzenten auf die Winterfütterung umgestellt haben. «Das Gras auf den Weiden in unserer Region fehlt schlicht», so Weber. Jules Stampfli von der Käserei Rottal in Grosswangen LU hörte von einem ihm liefernden Landwirt ebenfalls, dass die Milchtemperatur, die vom Melkroboter gemessen wird, bei vielen Kühen sehr hoch sei.
Jetzt wird auch auf Coronavirus untersucht
In den letzten zwei Wochen wurden die Kühe reihenweise krank. «Eine mögliche Erklärung ist der Hitzestress», so Tierarzt Beat Berchtold. Das Immunsystem sei geschwächt. Erreger, die natürlicherweise auf den Betrieben vorkommen, haben leichtes Spiel. «Ob ein Virus hinter den aktuellen Fällen steckt, ist noch unklar», so Berchtold. Dafür gebe es derzeit zu wenige Untersuchungsergebnisse.

Für Tierarzt Beat Berchtold ist noch unklar, ob ein Virus hinter den aktuellen Phänomenen steckt.
zvg
«Zurzeit werden Proben auf Blauzungenvirus, Schmallenberg und Coronavirus untersucht», so der Tierarzt. Neben Viruserkrankungen würden auch andere Ursachen, etwa Durchfallerreger, abgeklärt. Neben den Auswirkungen auf die Tiere belastet die Situation auch viele Landwirtinnen und Landwirte.
Wie sieht es auf euren Betrieben? Ist bei euch die Milchleistung auch eingebrochen? Oder habt ihr keine Probleme? Schreibt es in die Kommentare.
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