Auf immer mehr Milchviehbetrieben tritt Mortellaro auf – nicht nur bei Kühen, sondern auch bei Rindern. Und auch in Anbindeställen breitet sich die Krankheit aus. Ein neues Konzept soll den Befallsdruck senken. Mit Umfrage und Videos
«Klauenprobleme, insbesondere Mortellaro (Dermatitis digitalis), entwickeln sich zum immer grösseren Problem», fasst Hansueli Rüegsegger von der UFA die aktuelle Entwicklung in Worte.
Problem Nummer 1
Bereits 2011 war laut einer Studie des Tierspitals Bern fast jede dritte Milchkuh von Mortellaro-Bakterien befallen und zeigte die typischen Anzeichen der Krankheit, die auch als Erdbeerkrankheit bekannt ist. Nun hat die UFA auf Milchviehbetrieben in der ganzen Schweiz erhoben, wie verbreitet Mortellaro ist. Rüegsegger: «In vielen Ställen ist Mortellaro das Problem Nummer 1 bei den Klauenerkrankungen.» Es gebe Betriebe, bei denen 80 Prozent der Kühe betroffen seien. Die aktive Form ist relativ gut erkennbar. Die chronische Form ist schlecht sichtbar. Nur durch vorbeugende Massnahmen kann ein erneuter Ausbruch verhindert werden.
Diverse Betriebe hätten nicht nur massive Probleme bei den Kühen. «Auch in der Aufzucht verbreitet sich die Krankheit. Auf einigen Betrieben sind 20 Prozent der Tiere und mehr betroffen.» Das sei eine neue Entwicklung. Und damit nicht genug, so Rüegsegger besorgt: «Auch in Anbindeställen erkranken die Kühe zunehmend an Mortellaro.» Das Befallsniveau ist aber noch klar tiefer.
Konzept entwickeln
Habe man die Bakterien einmal im Stall, sei guter Rat teuer, weiss Rüegsegger: «Tilgen kann man sie kaum – aber den Befallsdruck deutlich reduzieren ist realistisch.» Dazu haben die UFA und der Rindergesundheitsdienst (RGD) ein Konzept entwickelt. Es basiert auf fünf Säulen: Hygiene, Klauenpflege, Behandlung der Läsionen, Klauenbäder und Fütterung. Claudia Syring vom RGD bestätigt: «Es ist richtig, dass der RGD dabei ist, einen Massnahmenkatalog zur Bekämpfung von Mortellaro zu entwickeln.»
Die Qualitas AG arbeitet derweil an züchterischen Massnahmen. «Bei den Gesundheitsdaten können Klauenerkrankungen erfasst werden», sagt Urs Schuler von der Qualitas. «Diese Daten bilden die Grundlage für die konventionelle und die genomische Zuchtwertschätzung.» Die Beteiligung an der Gesundheitsdatenerfassung sei allerdings noch tief. «Insofern ist in näherer Zukunft nicht mit Klauengesundheitszuchtwerten zu rechnen. Falls die Datengrundlage aber verbessert werden kann, sieht die Situation wieder anders aus.»
Mortellaro: Feucht ist ungesund
Hauptbetroffen bei Mortellaroist die Fesselbeuge der Hinterbeine am Übergang von der Haut zum Ballenhorn. Dort können sich erdbeerartige Geschwüre bilden. Deshalb heisst Mortellaro auch Erdbeerkrankheit. Weitere Symptome sind die Bildung von Krusten und vermehrtes Sohlenhornwachstum. Wird die Krankheit chronisch, treten Formveränderungen des Klauenschuhs auf, was zu Geschwüren führen kann. Die Erreger, Bakterien mit dem Namen Treponema denticola, befallen vor allem vorgeschädigte Klauen. Ist das Horn aufgeweicht, finden sie eine Eintrittspforte zur Zehenhaut. Kühe, die immer im Mist stehen und ständig feuchte Klauen haben, sind besonders gefährdet. Deshalb sollte man in Laufställen den Schieber häufig – bis zwölf Mal pro Tag – laufen lassen und auch bei Spaltenböden auf Sauberkeit achten. Am besten abtrocknen können die Klauen aber, wenn die Kuh liegt. In komfortablen Liegeboxen kann sie die Klauen auch entlasten, was Druckgeschwüren vorbeugt. sum