
Trittens Kühe auf dem Weg in ihr Sommerdomizil.
Angela Tritten
Rangkämpfe unter Rindern – zum Beispiel nach dem Auftrieb auf Gemeinschaftsalpen – können böse Folgen haben. Falls Horstösse ein Auge verletzen, besteht das Risiko, dass durch die kleinen Schäden in der Hornhaut Bakterien eindringen, die die Krankheit Pink Eye übertragen.
Pink Eye sei die häufigste Augenerkrankung von Kühen und weltweit verbreitet, schreibt die Tierarztpraxis Capricorn in Ilanz GR. Zwar trockne das Bakterium Moraxella bovis im Sommer ausserhalb des Körpers rasch aus, doch im Speichel von Fliegen könne es bis zu 72 Stunden infektiös bleiben.
Keinen 100-prozentigen Schutz
Daher zählen Fliegen zu den wichtigsten Überträgern der Krankheit. Als Folge einer Infektion kommt es laut den Tierärzten von Capricorn zu wässrigem und später eitrigem Augenausfluss. Ebenfalls würden betroffene Tiere die Augen zukneifen, da die Entzündung schmerzhaft und der Lichteinfall für sie störend sei. Schlimmstenfalls drohe die Erblindung. Tierhalter erkennen Pink Eye auch an der stark getrübten Pupille, um die sich ein pinkfarbener Rand bildet.
Laut der Plattform «Die fruchtbare Kuh» von Swissgenetics erkranken nur etwa 10 Prozent der Rinder an beiden Augen. Weil die Organisation des Einstallens auf vielen Alpen im Sommer schwierig ist und die Versorgung betroffener Tiere viel Zeit in Anspruch nimmt, raten die Capricorn- und die Swissgenetics-Tierärzte zur Impfung. Der Wirkstoff wird drei bis sechs Wochen vor dem Alpaufzug gespritzt, bietet aber keinen 100-prozentigen Schutz.