
Sabrina Schneider und Samuel Reinhart mit ihrer Riverside Chief Amandine EX 90.
Robert Alder
Die 24-jährige Sabrina Schneider hat klare Ziele. Sie möchte im Schauring erfolgreich sein. Dazu hat sie einiges an Rüstzeug gesammelt. Sie bildete sich zur Landwirtin aus, besuchte Jungzüchterschulen, lernte das Clippen und das Vorführen von der Pike auf.
«Treibende Kraft war meine Mutter. Sie ist Tierärztin und war zu Hause jene, die sich den Kühen widmete. Sie ging an Viehschauen und meldete mich für die Berner Junior Expo an», erzählt sie. Dort war ihr Rind Letzte in der Kategorie. Ein Ansporn, besser zu werden. Derzeit bereitet sie sich auf den Abschluss als Betriebsleiterin vor.
Juniormiss an Regioschau
Vor zwei Jahren verstarb ihr Vater. Sabrina Schneider wollte den elterlichen Betrieb in Belp BE weiterführen. Mit ihrem Partner Samuel Reinhart (29), der in Oberdorf SO bauert, reifte der Entschluss, ihre Betriebe gemeinsam zu bewirtschaften. In einem Jahr ist die Übernahme des Hofs am Fuss des Weissensteins geplant. Reinharts waren nicht im Herdebuch. «Eigentlich dachte ich, dass ich mich auf die Munimast im neuen Stall konzentrieren und die Milchviehhaltung aufgeben würde. Doch dann kam Sabrina», verrät Samuel Reinhart.
«Wichtig ist, mit dem zu arbeiten, was man hat.»
Der Bestand wurde von 24 auf 34 Kühe aufgestockt. Sabrina Schneider sah an der Auktion in Burgdorf BE die Jungkuh Chollet-Star Chief Isaline. An der Regioschau Wasseramt wurde sie vor einem Jahr Juniormiss. «Wir hatten eine Riesenfreude.» An der Expo Bulle im Freiburgischen ging sie als Letzte aus dem Ring. Zu wenig fein sei sie gewesen. Mit der selber gezüchteten Riverside Chief Amandine steht die erste EX-90-Kuh im Stall. «Mit den ganz Grossen können wir noch nicht mithalten», sinniert sie.
Mit Embryonen hat sie sich in einige Kuhfamilien aus Übersee und der Schweiz eingekauft. «Ich suche Raritäten, die nicht alle haben. So haben wir gerade das erste Eternal-Kalb in der Schweiz. Ich liebe rote Holstein, Samuel eher die schwarzen.» Als Highlight konnten sie zwei Stiere an Swissgenetics verkaufen. Der Entscheid, mit welchem Tier man an eine Schau fahre, falle meist schon Monate vorher, sagt die Züchterin. Dann heisse es separieren, die Fütterung anpassen, scheren, vorführen üben.
Clippen als Passion
Sie habe an Showmanship-Wettbewerben teilgenommen, die Jungzüchterschule in Grangeneuve, Posieux FR, und jene von Braunvieh Schweiz besucht. «Ich konnte im belgischen Battice teilnehmen. Dort merkte ich, wie stark die Konkurrenz ist. Ich habe viel gelernt und ein erstes Ziel erreicht», so die junge Landwirtin, die schon immer fasziniert vom Clippen der Tiere war und nun ein eigenes Schauteam hat. «Ich konzentriere mich aufs Clippen. Füttern, waschen, clippen und Tierbetreuung – alles geht nicht», bedauert sie.
Betriebsspiegel
Der Hof Reinhart in Oberdorf SO umfasst 40 ha LN. Im Anbindestall stehen 34 Holsteinkühe mit rund 11’000 kg Milch mit 4,1 Prozent Fett und 3,3 Prozent Eiweiss. Sie wird als Molkereimilch an Mooh geliefert. Als weiterer Betriebszweig werden 350 Muni gemästet. Auf dem elterlichen 30-ha-Betrieb von Sabrina Schneider in der Giessmatt in Belp BE wird das Jungvieh aufgezogen. Seit zwei Jahren werden die beiden Betriebe gemeinsam bewirtschaftet und die Milchkühe in Oberdorf gehalten. Neben Betriebsleiter Anton Reinhart arbeiten Sabrina Schneider und Samuel und Michael Reinhart vollzeitlich mit. ral
Sie habe noch lange nicht ausgelernt, wolle beim Füttern der Schautiere und im Vorbereiten dazulernen. «Es wird immer anspruchsvoller.» Ein Richterkurs sei ebenfalls lehrreich gewesen. «Wichtig ist, mit dem zu arbeiten, was man hat.» Samuel Reinhart hat mehr Freude an den Kühen gewonnen. Ziele für die Zukunft? Er möchte auch Zuchtvieh verkaufen. Sie träumt von einem neuen Laufstall für die Milchkühe – und von weiteren Schauerfolgen.