
Landwirt Stefan Scheuber und seine Tochter Miriam, die als Sicherheitsberaterin tätig ist, tragen seit langem einen Helm bei den Arbeiten mit engem Tierkontakt.
Daniel Hasler
Tiere verursachen laut Statistik die meisten Unfälle in der Landwirtschaft. Eine Kohortenstudie der Universität Bern aus dem Jahr 2022 zeigt, dass bei den Patientinnen und Patienten, die im Inselspital wegen Verletzungen im Zusammenhang mit Rindern behandelt wurden, in 86 Prozent der Fälle Kühe der Grund für die Unfälle waren, wobei Kopfstösse zu den häufigsten Ursachen zählten.
Besonders bei Kühen mit Hörnern ist das Risiko für die Tierhalterinnen und Tierhalter gross. Zu den typischen Hornverletzungen gehören laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) Schädigungen der Augen oder im Gesicht. Weiter komme es vor, dass Personen durch ein behorntes Tier zum Beispiel an Gebäudeteile oder Abtrenngitter gedrückt würden oder die Unfälle entstünden bei Angriffen oder Verteidigungsreaktionen durch einen Stier oder eine frisch gekalbte Mutterkuh.
Neuer Helm verfügbar
Um die Unfallgefahr bei den Arbeiten mit unmittelbarem Tierkontakt zu minimieren, ist im Onlineshop der BUL neu ein entsprechender Helm verfügbar. Durch das Tragen dieses Helms könnten Verletzungen durch unerwartete Kopfbewegungen des Tiers im Kopf-Gesicht-Augen-Bereich des Menschen vermindert werden, so die Beratungsstelle für Unfallverhütung. Nicht zuletzt schütze das Polycarbonat-Visier auch vor Staub oder sonstigem Schmutz in den Augen bei den Stallarbeiten, heisst es weiter.
Zu der Erkenntnis, dass eine Schutzausrüstung helfen kann, Unfälle im Zusammenhang mit Kühen zu vermeiden, kommt auch eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern mehrerer Bundesämter. Die Gruppe berät derzeit sogar über ein Helmobligatorium für Bäuerinnen und Bauern mit Hornkühen. Das ist einem Sitzungsprotokoll zu entnehmen, das dieser Zeitung vorliegt. Auf Anfrage heisst es: «Unabhängig von einer gesetzlichen Pflicht ist es für Halterinnen und Halter von Hornkühen beim Umgang mit den Tieren sinnvoll, einen Helm zu tragen.»
Die Meinungen sind geteilt
Für Stefan Scheuber, der auf seinem Betrieb im solothurnischen Lostorf rund 50 Braunviehkühe mit Horn hält, würde ein Helmobligatorium nicht viel ändern. Seit Jahren trägt der Landwirt bei den direkten Arbeiten mit den Tieren – sei das beim Führen, Anbinden oder Behandeln – einen Helm. Gleich handhabt es seine Tochter Miriam Scheuber, die regelmässig auf dem elterlichen Betrieb mithilft und als Agriss-Sicherheitsberaterin weiss, wie wichtig Unfallprävention ist.
Für die mögliche Helmpflicht nicht erwärmen kann sich dagegen Ueli Bach aus Turbach BE. Im Gegenteil. Beim Gespräch am Telefon sagt der passionierte Simmentaler-Reinzüchter und Präsident von Swissgenetics: «Ich fühle mich brüskiert.» Er ergänzt: «Überall ist die Rede von Vereinfachung, weniger Bürokratie und mehr Eigenverantwortung. Und jetzt das.» Bach verspricht, die mögliche Helmpflicht bei Arbeiten mit Hornkühen mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen.
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