Schweizer Viehzüchter verkaufen nur noch wenige Rinder ins Ausland. Seit der Bund 2009 die Subventionen gestrichen hat, ist der Export fast völlig zusammengebrochen. Die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter versucht, den Export mit Geld wieder anzukurbeln - jedoch ohne Erfolg.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Letztes Jahr wurden nur noch 235 Rinder exportiert. Vor der Abschaffung der Subventionen waren es jährlich noch zwischen 4000 und 5000 gewesen.
750'000 Franken
«Heute ist der Export quasi inexistent», sagte Matthias Schelling, Direktor des Schweizer Rindviehzuchtverbands swissherdbook und Vorstandsmitglied bei der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR).
Die ASR war es, die mit einem Exportförderprojekt in die Bresche sprang, als die Bundessubventionen 2009 wegfielen. 750'000 Franken stellte sie für die Jahre 2013 bis 2015 zur Verfügung. Ziel sei es, in den Exportmärkten zumindest noch präsent zu sein, sagte Schelling.
Tiere kosten doppelt so viel
Doch in den vergangenen beiden Jahren wurden insgesamt nur 85 Tiere dank der ASR-Förderung exportiert. «Die Preisdifferenz ist aktuell so gross, dass die ASR-Exportförderung nicht genügt, um den Export wieder in Schwung zu bringen», sagte Schelling der Nachrichtenagentur sda.
Ein Rind, das in der Schweiz 2000 Franken koste, sei im nahen Ausland für 1000 Franken zu haben. Die ASR zahlt maximal 500 Franken pro Tier - zu wenig angesichts der aktuellen Wechselkurssituation. Dennoch wird das Projekt bis auf Weiteres fortgeführt. Zur Preisdifferenz kämen strukturelle Probleme, sagte Schelling. Vor allem Länder aus der ehemaligen Sowjetunion wollten 500 bis 1000 Tiere auf einen Schlag importieren. In der kleinstrukturierten Schweiz sei dies kaum möglich.
Nicht mehr von BSE-Krise erholt
Für die Schweizer Rinderzüchter ist der Einbruch beim Export heute laut Schelling keine Katastrophe. «Es wäre natürlich schön, wenn es diese Einkommensquelle noch gäbe», sagte er. Jene Rinderzüchter, die mit dem Export einen namhaften Teil ihres Einkommens erzielten, hätten sich aber spätestens bei der BSE-Krise anpassen müssen. Die Zeit der Schweiz als Rindvieh-Exportnation sei schon lange vorbei. Bereits mit den Weltkriegen brach der Export ein, zog danach aber wieder an. Nach dem 2. Weltkrieg waren die Ausfuhren lange Zeit auf konstant hohem Niveau, wie Schelling erzählt.
Doch dann kam die BSE-Krise. Dutzende Länder machten ihre Grenzen wegen des Rinderwahns für Schweizer Rinder dicht, der Export von zuvor bis zu 15'000 Tieren pro Jahr brach zusammen. Nach und nach fielen die Verbote zwar wieder, «doch der Export lief nur halbbatzig wieder an», wie Schelling sagte.
Begehrte Samen
Die Zahl der Rindviehhalter schrumpfte laut dem Bundesamt für Statistik zwischen 1996 und 2013 von 57'000 auf knapp 39'000. Auch der Kuhbestand in der Schweiz nahm ab. Schelling sieht die frühere Überschussproduktion aber durchaus kritisch: «Die guten Tiere wurden behalten, die weniger guten exportiert, das war nicht besonders wirtschaftlich.»
Die Schweizer Rindviehzüchter konzentrieren sich heute auf den einheimischen Markt, der gegen Importe geschützt ist. Und sie setzen zunehmend auf Samen. «Hier ist die Schweiz konkurrenzfähig», sagte Schelling. Anders als Schweizer Rinder sind die Samen begehrt: Swissgenetics, der grösste Schweizer Anbieter von Rindersperma, exportierte im vergangenen Geschäftsjahr (per Ende Juni 2014) 557'000 Samendosen - ein neuer Rekord.