Pünktlich zum Start der Reisesaison führte die Reise, organsisiert durch das Lely-Center Härkingen, in die Niederlande. Sie zeigte eindrücklich, wie sich eine Landwirtschaft unter extremem Flächendruck entwickelt. Mit durchschnittlich rund 160’000 Franken pro Hektar Landwirtschaftsland und bis zu 200’000 Franken pro Hektar für spezialisierte Tulpenböden sind Wachstumsmöglichkeiten über Fläche stark eingeschränkt. Entsprechend setzen die Betriebe konsequent auf Effizienz, Technologie und eine gezielte Erweiterung der Wertschöpfung.
Automatisiertes Eingrasen
Ein erster praxisnaher Einblick bot der Milchviehbetrieb von Jochen van der Starre in Slootdorp. Der Betrieb mit rund 175 Kühen, davon werden etwa 155 gemolken, hat sich in den letzten Jahren stark in Richtung Automatisierung entwickelt. Besonders im Fokus stand dabei der Einsatz des Lely Exos als Eingrasroboter. Nachdem das Eingrasen vielerorts um 2014 aufgegeben wurde, gewinnt es nun wieder an Bedeutung – vor allem aufgrund des höheren Proteingehalts von Frischgras.

Während dem Mähen misst der Exos stetig den Grasertrag.
Tobias Strahm
Van der Starre setzt bewusst auf diese Fütterungsstrategie, auch wenn sie mit höheren Kosten verbunden ist. Während das klassische Eingrasen bei rund 7 Rappen pro Kilogramm liegt, kostet das automatisierte System mit dem Lely Exos etwa 10 Rappen pro Kilogramm, wobei hier bereits der Arbeitsaufwand eingerechnet ist.
Leistung entscheidend
Entscheidend ist für ihn jedoch nicht nur der Preis, sondern die Leistung: Das System ermöglicht eine um zwei Wochen frühere und zwei Wochen längere Nutzung der Vegetationsperiode. Zudem wurde in den vergangenen Jahren erkannt, dass Silage nicht alle positiven Eigenschaften von Frischgras ersetzen kann.

Jochen Van der Starre neben seinem Lely Exos.
Tobias Strahm
Ergänzt wird das Herdenmanagement durch den Einsatz des Lely Zeta als sensorgestütztes System zur Brunsterkennung und Tierüberwachung, welches zusätzliche Sicherheit und Daten im Betriebsalltag liefert. Der Betrieb zeigt damit exemplarisch, wie Technik gezielt eingesetzt wird, um Futterqualität, Tiergesundheit und letztlich auch die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.
Über alle besuchten Betriebe hinweg wurde deutlich, wie stark die Zusammenarbeit in der niederländischen Landwirtschaft ausgeprägt ist. Flächentausch zwischen Milch- und Ackerbaubetrieben ist weit verbreitet, um Fruchtfolgen und Futterbau optimal zu gestalten. Diese Kooperationen sind eine direkte Antwort auf die begrenzte Verfügbarkeit von Land und tragen wesentlich zur Effizienz des Systems bei.
Mit Kreuzungstieren zum Erfolg
Einen anderen Schwerpunkt setzte der Besuch beim Familienbetrieb Oostdam in Bodegraven, eingebettet in die dicht besiedelte Region zwischen Amsterdam und Rotterdam. Der Betrieb bewirtschaftet 80 Hektar. Hier ist Wachstum über zusätzliche Fläche praktisch ausgeschlossen, weshalb der Betrieb konsequent auf die Verlängerung der Wertschöpfungskette setzt. Im Zentrum steht die Milchdirektvermarktung: Rund 600’000 Liter Milch pro Jahr werden direkt am Hof verarbeitet und verkauft.
Unterstützt wird dies durch automatisierte Lösungen wie den Lely Orbiter, der eine effiziente Verarbeitung und Abfüllung der Milch direkt auf dem Betrieb ermöglicht. Diese Strategie erlaubt es dem Betrieb, unabhängiger von schwankenden Milchpreisen zu werden und gleichzeitig den direkten Kontakt zu den Konsumenten zu pflegen.
In der Tierhaltung zeigt sich ein klarer Fokus auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Durch Kreuzungen von Montbéliarde, Skandi Red und Holstein werden robuste Kühe gezüchtet, die im Schnitt sechs Laktationen erreichen und rund achtjährig werden. Auffällig ist zudem die bewusst längere Zwischenkalbezeit, die zugunsten von Tiergesundheit und Lebensleistung in Kauf genommen wird. Ergänzend spielt die Fütterung eine wichtige Rolle, insbesondere mit dem gezielten Einsatz von Frischgras während der Vegetationsperiode.
Lely-Fabrik produziert 120 Roboter pro Woche
Vor dem Besuch der Produktionsanlagen wurde zudem der Lely-Testbetrieb in der Nähe von Rotterdam besichtigt. Dieser dient dazu, neue Technologien unter Praxisbedingungen zu erproben und weiterzuentwickeln. Hier wird deutlich, wie eng Forschung, Entwicklung und landwirtschaftliche Anwendung verzahnt sind – Innovation entsteht direkt im Stall und auf dem Feld.

Auf dem Lely Campus sind alle Produkte ausgestellt, die in der Fabrik hergestellt werden.
Tobias Strahm
Den Abschluss der Reise bildete der Besuch der Lely Produktionsanlagen in Maassluis. Die Dimensionen sind beeindruckend: Pro Woche werden rund 120 Roboter produziert, wobei die Durchlaufzeit pro Maschine etwa 17 Stunden beträgt. In den zwei Produktionshallen arbeiten insgesamt 1500 Mitarbeitende, organisiert in hoch effizienten Prozessen. Auffällig ist, dass kein Produkt länger als eine Woche im Werk verbleibt – die Fertigung ist konsequent auf Durchfluss ausgelegt, Lagerkosten sollen grösstenteils eliminiert werden. Zudem rotieren die Mitarbeitenden etwa alle 20 Minuten zwischen den Arbeitsplätzen, was nicht nur die Flexibilität erhöht, sondern auch zur Qualitätssicherung beiträgt.
Die Reise machte deutlich, dass die niederländische Landwirtschaft ihre Stärke aus der Kombination von Technologie, Spezialisierung und konsequenter Wertschöpfung zieht. Unter Bedingungen, in denen Fläche kaum verfügbar und extrem teuer ist, entstehen so innovative und wirtschaftlich erfolgreiche Betriebssysteme – ein Ansatz, der auch für die Schweizer Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt.






