
Romeo Wildhaber mit Arrow Arnika, Seraina Wildhaber mit Balou Gurt Balda und Mitarbeiterin Martina Kathriner mit Fido Fina (von links). Alle drei Kühe haben schon an Schauen gewonnen.
zvg
«Eine Geburt ist jedes Mal ein neues Abenteuer», macht Romeo Wildhaber aus Schocherswil TG deutlich. «Zeigt sich der Kopf, steigt die Spannung: Wie ist die Zeichnung der Flecken? Ist es überhaupt ein Blüemkalb? Bei einem Gurtkalb kommt es darauf an, dass der Gurt gleichmässig und nicht zu breit um den Mittelleib verläuft.»
Die Glücksbringer
Lange Zeit waren Tiere mit weissen Farbvarianten aus dem Herdebuch von Braunvieh Schweiz ausgeschlossen. Dabei galten Blüem- und Gurttiere schon seit Urzeiten als Glücksbringer, in einem Appenzeller Alpaufzug gehörten sie dazu. Der St. Galler Oberländer Romeo Wildhaber machte seine Lehre in Schocherswil. Weil sein Lehrmeister keinen Hofnachfolger hatte, bot er seinem früheren Lehrling im Jahr 2000 seinen Betrieb zur Pacht an. «Diese Chance bekommst du nicht so schnell wieder», sagte sich Wildhaber, der vorher Erfahrungen in anderen Betrieben und auf der Alp gesammelt hatte. «Schon mein Vorgänger hatte eine Blüemkuh. Diese Tiere hatten es uns angetan», erinnert sich der zweifache Familienvater.
So wurden es immer mehr, aktuell ist etwa die Hälfte des Bestandes weiss gezeichnet, ebenfalls ist die Hälfte der Tiere behornt. Der 50-Jährige, der auch Tiere handelt, verzeichnete eine steigende Nachfrage speziell für Hochzeiten und Geburtstage. Dieser Peak sei jedoch seit rund fünf Jahren etwas vorbei. Die Farbvariante Blüem ist ein «springendes Gen». Die Gurt-Zeichnung wird durch eine Vermehrfachung eines Genabschnitts weitergegeben. Beide Varianten werden dominant vererbt. Neben mischerbigen werden auch reinerbige Stiere von den KB-Organisationen angeboten. «Lange glaubte ich, dass bestimmte Blutlinien mehr gefärbte Tiere machen. Das ist aber nicht so», sagt Wildhaber.
Zwei Experten
Vor vier Jahren kam die Idee auf, eine Blüem- und Gurt-Ausstellung ins Leben zu rufen. Dank Christian Manser und Thyas Künzle vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen kann die Infrastruktur auf dem Olma-Areal genutzt werden. An der Schau sind jeweils zwei Experten im Einsatz. Einer rangiert die Tiere nach Exterieur, der andere achtet auf die Zeichnung. Verläuft sie beim Blüem über den ganzen Rücken? Ist der Kopf gesprenkelt und ein «Chetteli» an der Wange sichtbar?

Himalaya und Tamara mit feurigem Abendrot auf dem Hof von Romeo Wildhaber in Schocherswil.
Romeo Wildhaber
So könne es sein, dass eine Kuh auf den hinteren Rängen im Exterieur Miss Blüem oder Miss Gurt werde, erklärt der Züchter und Mitorganisator. «Unsere Schau soll einen einfachen Charakter haben. Wir stylen die Tiere nicht und wollen keine stark gefüllten Euter. Wir legen dafür Wert darauf, dass der Vorführer oder die Vorführerin eine Tracht oder ein Edelweisshemd tragen. Die friedliche Stimmung und die Freude ist beispielhaft. Jeder Aussteller bekommt einen Preis.»
-> Hier gibts mehr Infos zur nationale Gurt- und Blüemschau
Betriebsspiegel
Der 35-ha-Betrieb von Romeo und Marina Wildhaber liegt in Schocherswil bei Amriswil TG. Er ist auf die Milchwirtschaft, etwas Viehhandel und den Feldobstbau ausgerichtet. Im Anbindestall stehen rund 75 Kühe und ein Stier, meist Brown Swiss sowie einige Original-Braunvieh-Kühe, rund die Hälfte mit Blüem- oder Gurt-Zeichnung.
Der Herdenschnitt beträgt 8’080 kg Milch. Aktuell stehen sieben 100’000er-Kühe im Stall. Die Aufzucht ist mehrheitlich ausgelagert. Neben der Betriebsleiterfamilie ist eine Mitarbeiterin angestellt. Die Töchter Seraina und Ladina helfen in ihrer Freizeit mit. ral