15 weitere Pferde werden notfallmässig in Kliniken behandelt, wie Züchter Mario Gandolfo aus Fregiécourt JU am Dienstag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Der «Quotidien Jurassien» und «Radio Fréquence Jura» haben bereits über das Massensterben berichtet.
Trockenheit
Die Pferde müssten unbedingt von der Weide geholt und in den Stall gebracht werden, betonte Gandolfo. Er habe zusammen mit anderen Züchtern eine Initiative gestartet, um Erkrankungen und Todesfälle zu erfassen sowie um Pferdebesitzerinnen und -besitzer zu warnen.
Die Krankheit betrifft die Muskulatur und ist seit langer Zeit bekannt. Sie bricht aber nicht jedes Jahr so stark aus. Dieses Jahr blieben die Pferde aufgrund der Trockenheit und wegen Futtermangels länger auf den Weiden. Die starken Winde der vergangenen Tage haben die Früchte verstreut.
Nicht durch Tierseuchenkasse gedeckt
Ein derartiger Ausbruch zieht auch wirtschaftliche Folgen nach sich. Weil die Krankheit nicht ansteckend ist, werden durch sie entstandene Verluste nicht durch die kantonale Tierseuchenkasse gedeckt.
Die meisten Fälle von atypischer Weidemyopathie treten auf, wenn die Weide zu stark abgegrast wurde und das Grasangebot nicht mehr ausreicht. Wie auch bei anderen Giftpflanzen sollte man sicherstellen, dass die Pferde immer ausreichend Futter in Form von Gras oder Heu zur Verfügung haben, um das Risiko zu reduzieren, dass Samen oder Keimlinge gefressen werden.
Mehr zur Atypischen Myopathie
Die Atypische Myopathie, auch Weidemyopathie genannt, ist eine gefürchtete Muskelerkrankung die durch eine Vergiftung mit Ahornsamen verursacht wird. Durch das in den Ahornsamen enthaltene Toxin Hypoglycin A kommt es zu einer Schädigung der Muskelzellen. Muskeln des Stammes, die Atemmuskulatur sowie die Herzmuskulatur können betroffen sein.
Die Erkrankung tritt gehäuft im Herbst, und gelegentlich im Frühjahr auf. Pferde aller Rassen und Altersstufen können erkranken, oft sind es jedoch jüngere Pferde oder Pferde, die neu auf einer Weide mit Ahornbäumen stehen.
Die Zerstörung der Muskelfasern führt zu grossen Schmerzen. Die Symptome treten akut auf, schreibt die Tierklinik der Universität Zürich. Betroffene Pferde zeigen:
- starkes Schwitzen
- eine erhöhte Atemfrequenz
- Muskelzittern
- steifer Gang oder plötzliche Bewegungsverweigerung
- Lahmheit oder Koliksymptome (z,B. zum Bauch Schauen) können auftreten
In schweren Fällen kann es zum Festliegen kommen. Selten werden Pferde tot aufgefunden. Durch die Zerstörung von Muskelfasern kommt es zur Freisetzung von Muskelenzymen und dem Muskelfarbstoff Myoglobin. Dieser wird über die Nieren ausgeschieden und kann, bei hochgradiger Schädigung der Muskulatur, den Urin dunkelbraun verfärben.
Trotz intensivster Therapie verläuft die Erkrankung in etwa 70 Prozent der Fälle tödlich. Überlebende Pferde brauchen meistens mehrere Wochen, um sich von der Erkrankung zu erholen. Quelle: Tierspital Universität Züich
