
Nach Angaben des Schweizerischen Instituts für Pferdemedizin (ISME) wirken betroffene Pferde zu Beginn häufig teilnahmslos und abgeschlagen. Im weiteren Verlauf könnten neurologische Ausfälle mit ausgeprägter Schläfrigkeit und Koordinationsstörungen auftreten. Zusätzlich könnten Muskelzuckungen und eine übermässige Empfindlichkeit gegenüber Berührungen und anderen Reizen zu beobachten sein. (Symbolbild)
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Die erst kürzlich in Europa entdeckte Variante des Shamonda-Virus (SHAV) kann möglicherweise auch für Pferde ein Risiko darstellen. Darauf deuten neue Erkenntnisse des Instituts für Virologie und Immunologie (IVI) in Bern hin. Wie die staatliche Forschungseinrichtung am Dienstag (25.8.) meldete, wurde im Hirnmaterial von zwei Pferden das Shamonda-Virus gefunden.
Ausgangspunkt der Untersuchung war laut IVI, dass seit einigen Wochen aus verschiedenen Regionen der Schweiz vermehrt ungeklärte zentralnervöse Erkrankungen bei Pferden gemeldet werden. Ein Zusammenhang zwischen diesen Erkrankungen und dem neuen Virus scheint aus Sicht der Wissenschaftler «sehr wahrscheinlich» zu sein. Aus der Literatur sei bekannt, dass die Untergruppe der Orthobunyaviren, zu der der Erreger gehöre, vor allem Wiederkäuer, aber selten auch Pferde infizieren könne.
Noch viele Fragen offen
Nach Angaben des Schweizerischen Instituts für Pferdemedizin (ISME) wirken betroffene Pferde zu Beginn häufig teilnahmslos und abgeschlagen. Im weiteren Verlauf könnten neurologische Ausfälle mit ausgeprägter Schläfrigkeit und Koordinationsstörungen auftreten. Zusätzlich könnten Muskelzuckungen und eine übermässige Empfindlichkeit gegenüber Berührungen und anderen Reizen zu beobachten sein.
Laut ISME scheint die Erkrankung bei einem Teil der Pferde mild zu verlaufen und sich wieder zu bessern. Andere Tiere entwickelten jedoch schwere neurologische Symptome, die eine Euthanasie erforderlich machten. Wie das Institut betont, sind noch viele Fragen offen, besonders auch zu Therapie und Prävention. Auch der Nachweis des Virus am lebenden Tier sei noch nicht gelungen.
Das neue Virus
Vor einigen Wochen war in mehreren europäischen Staaten ein neues Virus gefunden worden, das zunächst nur der Gruppe der Orthobunyaviren zugeordnet und als eng verwandt mit dem Shamonda-Virus charakterisiert wurde.
Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) wird der Erreger diese Bezeichnung weiterhin führen, da für einen abweichenden Namen die Verwandtschaft zum bereits seit den 1960er-Jahren bekannten Virus zu gross sei. Die aktuelle europäische Variante weise allerdings einige genetische Unterschiede zu den bisher bekannten SHAV in Afrika und Asien auf.
Nachweise in Nordrhein-Westfalen
Laut der französischen Plattform für Tiergesundheit (ESA) ist das neue Virus mittlerweile in Österreich, Deutschland, Frankreich, Liechtenstein, den Niederlanden und der Schweiz gefunden worden. In Belgien sollen entsprechende Untersuchungen im Gange sein. Hierzulande liegen Nachweise bei Rindern aus Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen vor. Am Mittwoch (26.8.) bestätigte das Veterinäramt im ostwestfälischen Kreis Höxter drei Fälle.
In Frankreich ist SHAV der ESA zufolge mittlerweile in 18 Départements gefunden worden. Die Nachweise befinden sich überwiegend in der östlichen Landeshälfte, mit Calvados und Manche sind indes auch zwei Gebietskörperschaften am Ärmelkanal betroffen. In der Schweiz gibt es dem IVI zufolge Bestätigungen aus mittlerweile 22 Kantonen, zuletzt gab es Funde im Tessin, in Glarus und Graubünden.