
Die Gruppe Wolf Schweiz führt aus, dass Schafe ohne Herdenführung natürlicherweise häufig hoch gelegene und exponierte Weiden sowie Gratlagen aufsuchen. (Symbolbild)
Natalie Rentsch
Vor allem im Oberwallis herrscht nach dem Tod von 97 Schwarznasenschafen auf der Alp Eggerhorn grosse Betroffenheit. Die Tiere kamen in der Nacht auf Freitag bei einem Blitzeinschlag ums Leben.
Nach Angaben eines betroffenen Schafhalters befanden sich die Schafe zum Zeitpunkt des Unwetters in einem Nachtpferch.
Dieser war zum Schutz vor Grossraubtieren eingerichtet worden. Rund 80 weitere Tiere der Herde überlebten den Blitzeinschlag. Die Kadaver wurden am Freitag per Helikopter ausgeflogen.
Diskussion um Nachtpferche und Herdenschutz
In der Folge wurde vereinzelt die Frage aufgeworfen, ob Nachtpferche im Herdenschutz das Risiko solcher Ereignisse erhöhen könnten. Dieser Einschätzung widerspricht die Gruppe Wolf Schweiz in einer Stellungnahme.
Nach Angaben der Gruppe Wolf Schweiz hält diese Behauptung einer fachlichen Überprüfung nicht stand. Die Organisation verweist darauf, dass sowohl die Vorgaben der Direktzahlungsverordnung für die Sömmerung als auch die Empfehlungen der Herdenschutzfachstelle Agridea ausdrücklich darauf ausgerichtet seien, Risiken für die Tiere – darunter auch jene durch Blitzschläge – zu minimieren.
Schafe suchen exponierte Lagen auf
Die Gruppe Wolf Schweiz führt aus, dass Schafe ohne Herdenführung natürlicherweise häufig hoch gelegene und exponierte Weiden sowie Gratlagen aufsuchen. Dort fänden sie junges Gras sowie aus ihrer Sicht günstige klimatische Bedingungen mit Wind und weniger Insekten. Gleichzeitig seien solche Standorte jedoch besonders blitzgefährdet.
Nach Darstellung der Organisation sorgt die Herdenführung im Rahmen des Herdenschutzes dafür, dass Schafe seltener auf solchen exponierten Flächen weiden. Zudem schränkten die Bestimmungen der Direktzahlungsverordnung die Nutzung besonders empfindlicher oder erosionsgefährdeter Gebiete ein, zu denen häufig auch hoch gelegene und exponierte Lagen zählen.
Richtlinien sollen Risiken gezielt reduzieren
Weiter verweist die Gruppe Wolf Schweiz auf die Empfehlungen der Herdenschutzfachstelle Agridea. Diese sähen vor, Übernachtungsplätze so zu wählen, dass auch das Risiko durch Gewitter und Blitzschläge berücksichtigt werde. Dazu gehörten auch sogenannte Schlechtwetterweiden, die den Tieren sowohl Schutz vor Grossraubtieren als auch vor Unwettern bieten sollen.
Aus Sicht der Gruppe Wolf Schweiz zeigt der Vorfall deshalb nicht, dass Herdenschutzmassnahmen das Blitzrisiko erhöhen. Vielmehr würden fachgerecht geführte Herden und korrekt platzierte Nachtpferche das Risiko gegenüber einer unkontrollierten Weideführung grundsätzlich reduzieren.
Naturgefahren bleiben bestehen
Die Organisation betont zugleich, dass sich Naturereignisse wie Blitzschläge trotz aller Vorsicht nicht vollständig verhindern liessen.
Der Verlust der 97 Schwarznasenschafe hat in der Walliser Schafzucht grosse Bestürzung ausgelöst.
Das Walliser Schwarznasenschaf gilt als bedeutendes Kulturgut des Kantons. Für die betroffenen Betriebe bedeutet der Verlust eines grossen Teils ihrer Herde einen erheblichen wirtschaftlichen und züchterischen Rückschlag.
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