Ziegen: Wie wirtschaftlich die Milchproduktion ist

Ziegen sind beliebt, doch nur die wenigsten Ziegenhalter können damit Geld verdienen. Wirtschaftlich interessant wird es erst ab einer Jahresproduktion von 100 Tonnen Milch, was je nach Leistung etwa 120 bis 180 Milchziegen entspricht. Das zeigt eine Studie von Agroscope. 

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Schweizweit halten 90 % der Ziegenhalter Bestände von weniger als 25 Ziegen – die wenigsten halten diese Ziegen aus wirtschaftlichen Motiven. Bisher ist unbekannt, ob die Produktion von Ziegenmilch überhaupt wirtschaftlich ist. Ziel der Studie war es, den Betriebszweig wirtschaftlich zu analysieren und Erfolgsfaktoren zu identifizieren.

Milchleistung und Einkommen

Von den 40 grössten Betrieben, die im Schweizerischen Ziegenzuchtverband (SZZV) organisiert sind und mindestens 50 gemolkene Ziegen halten, wurden deshalb 12 Betriebe selektiert – mehrheitlich aus der Hügelregion – mit jährlichen Produktionsmengen zwischen 35 und 240 Tonnen. Die mittlere Bestandsgrösse der Stichprobe beträgt 141 Milchziegen. Die Tal- und Hügelbetriebe in der Stichprobe waren diversifiziert und führten entsprechend noch andere Betriebszweige, während nur die drei Bergbetriebe spezialisiert waren. Die Betriebe wurden einer detaillierten Vollkostenanalyse unterzogen, nachdem sie ihre Buchhaltung aus den Jahren 2021 und 2022 zur Verfügung stellten und ergänzende Auskünfte im Rahmen eines Interviews gaben.

Die grösseren Betriebe der Stichprobe wenden signifikant weniger Zeit pro Ziege auf als der Durchschnitt. Sie wirtschaften auch intensiver mit höheren Besatzdichten und höheren Einzeltierleistungen. Unter den wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben hat es neben einem grossen Betrieb allerdings auch mittlere bis kleine Betriebe. Drei der vier wirtschaftlich erfolgreichen Betriebe haben mittlere Milchleistungen zwischen 500 und 600kg pro Ziege und Jahr. Entsprechend gibt es auch keinen Zusammenhang zwischen Milchleistung und Arbeitseinkommen.

Gestehungskosten doppelt so hoch wie Milchpreis

Ein erhöhter Einsatz von Ergänzungsfutter tendiert zu tieferem Einkommen. «So haben drei von vier wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben nur moderate Kosten für Ergänzungsfutter», so das Resultat aus der Studie. Ebenfalls mit einem höheren Einkommen wird belohnt, wer tiefe oder moderate Maschinenkosten aufweist.

Die Berechnung der Gestehungskosten zeigte, dass kein Betrieb seine Kosten decken konnte. Bei einem durchschnittlichen Milchpreis von 1.28 Fr. lagen die Gestehungskosten bei 2.40 Fr. pro Kilo Ziegenmilch, was einem Kostendeckungsgrad von nur 53 Prozent entspricht. Hingegen standen die Gestehungskosten in starkem Zusammenhang mit der Produktionsmenge. «Werden Betriebe unter 100 Tonnen Produktionsmenge ausgeschlossen, lag der mittlere Kostendeckungsgrad bei immerhin fast 80 Prozent», so die Studie.

«Wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe erreichen hohe Hektareinkommen von 3’000 bis 5’000 Franken», heisst es weiter. Ihre vollen Kosten sind aber trotzdem noch nicht gedeckt. Betriebe über 100 Tonnen Verkaufsmilch weisen deutlich tiefere Gestehungskosten auf und eröffnen damit viel Potential für eine wirtschaftliche Ziegenmilchproduktion.

Vergleichbar mit Milchvieh

«Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Ziegenmilchproduktion per se nicht weniger wirtschaftlich als die Kuhmilch- oder Schafmilchproduktion», lautet das Fazit der Studie. Die untersuchten Ziegenmilchbetriebe wirtschafteten jedoch intensiver als vergleichbare Kuhmilch- und Schafmilchbetriebe. Dies führte je Grossvieheinheit zu höheren Kraftfutterkosten und tieferen Direktzahlungen, was mit etwas tieferen Maschinenkosten wieder kompensiert wurde.

Wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe in der Schweiz haben gemäss Studie mit einem mittleren Leistungsniveau (600–700kg pro Ziege und Jahr) entsprechend moderate Kosten für Ergänzungsfutter. Eine intensivere Produktion mit höheren Leistungen und einer grösseren Herde könne auch erfolgreich sein, sofern das Kostenmanagement in den übrigen Aufwandspositionen stimme und das Ergänzungsfutter auch effizient eingesetzt werde. Auch tiefere Maschinenkosten sind laut Studie ein Erkennungsmerkmal erfolgreicher Betriebe.

Fazit

  • In der Schweiz halten rund 90 % der Ziegenhalterinnen und Ziegenhalter weniger als 25 Tiere, wobei hier kaum wirtschaftlichen Motive massgebend sind.
  • Je grösser die Betriebe, desto intensiver, arbeitseffizienter und günstiger ist auch die Produktion eines Liters Ziegenmilch.
  • Wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe müssen aber nicht besonders gross sein – mit mittleren Einzeltierleistungen und gemässigtem Kraftfuttereinsatz lassen sich überdurchschnittlich gute Hektareinkommen erzielen.
  • Tiefe Maschinenkosten führen auch auf Ziegenbetrieben zu höheren Hektareinkommen.
  • Eine extensivere Produktion, d.h. geringere Besatzdichten bei grösserem Flächenumfang und gleichzeitiger Reduktion des Kraftfuttereinsatzes dürfte beim heutigen Direktzahlungssystem zu höheren Einkommen führen.

-> Die ganze Studie gibt es hier

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