Ab 2014 Geflügelmehl für Schweine?

Die EU möchte Geflügelmehl schon ab 2014 wieder als Futtermittel für Schweine zulassen. Die Schweiz wird wohl nachziehen. Es ist aber nicht sicher, ob Schweizer Geflügelmehl die Anforderungen erfüllen kann.

Susanne Meier |

Die EU möchte Geflügelmehl schon ab 2014 wieder als Futtermittel für Schweine zulassen. Die Schweiz wird wohl nachziehen. Es ist aber nicht sicher, ob Schweizer Geflügelmehl die Anforderungen erfüllen kann.

Seit Längerem diskutiert man in der EU darüber, ob Tiermehl wieder an Nichtwiederkäuer verfüttert werden soll. Die Verhandlungen gerieten aber ins Stocken, weil getrennte Verarbeitungslinien für Schweine- und Geflügelmehl nicht garantiert und nicht kontrolliert werden konnten. Klar ist, dass Schweine nur Geflügelmehl und Geflügel nur Schweinemehl zu fressen kriegen sollen. Kannibalismus ist keine Option.

Vorerst nur an Schweine

«Nun scheint man in der EU einen grossen Schritt weiter gekommen zu sein», sagt Regula Kennel vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVet). «Man will sich nun erst mal auf die Zulassung von Geflügelmehl beschränken. Dies, weil in der Geflügel-Schlachtkette besser gewährleistet werden kann, dass keine artfremden Fleischabfälle ins Mehl gelangen.» Auch bei den Kontrollmöglichkeiten zeichnet sich in der EU eine Lösung ab. Ein neu zugelassener PCR-Test soll fremde Tierarten im Geflügelmehl nachweisen. Die Frage ist nun noch, ob man sich auf  die  Grenz- und Toleranzwerte festlegen kann.

Falls Geflügelmehl allenfalls schon 2014 zur Schweinefütterung zugelassen wird, dürfe die Schweiz nachziehen. «Auf lange Sicht können wir es uns aus ökologischen Gründen kaum leisten, wertvolle tierische Eiweissträger weiterhin zu verbrennen», nennt Kennel als Begründung. 

Kein Tiermehlimport

Wenn auch Schweizer Schweinemäster Geflügelmehl anstatt Importsoja in den Trog füllen wollen, gibt es theoretisch zwei Möglichkeiten: das Mehl importieren oder Schweizer Geflügelschlachtabfälle entsprechend verarbeiten. Nur auf Importe zu setzen, lehnt Martin Rufer vom Schweizerischen Bauernverband (SBV) ab. Er leitet eine Arbeitsgruppe, die sich mit den Rahmenbedingungen einer allfälligen Tiermehlverfütterung beschäftigt, und sagt: «Entweder bekennen wir uns zu der Verwertung der tierischen Nebenprodukte und stellen die Tiermehle auch mit den Schweizer Schlachtabfällen her, sonst verzichten wir ganz darauf.»

Grundsätzlich gehe der Trend, unter strengen Auflagen wieder Tiermehl zu füttern, in die richtige Richtung, findet wie Kennel auch Rufer. «Die Frage ist, ob die Konsumenten es akzeptieren und ob die Herstellung bei uns möglich ist.»

Unter strengen Auflagen - Zu kleine Strukturen?


Zur Akzeptanz bei den Konsumenten wird Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, vom «Beobachter» wie folgt zitiert: «Es ist nicht akzeptabel, derart grosse Mengen Eiweiss nicht zu nutzen.» Sie spreche sich deshalb für eine Zulassung unter den restriktiven EU-Bedingungen aus.

Die Schweizer Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe sind vergleichsweise klein. Eine strikt getrennte Verarbeitung des Geflügels von der Schlachtung bis in den Tiermehl-Futtersack, so die allgemeine Befürchtung, lohnt sich kaum. Auch René Burri, Geschäftsführer des GZM-Extraktionswerks in Lyss BE, ist gemäss «Beobachter» diesbezüglich skeptisch: «Ich bezweifle, dass sich in der kleinen Schweiz die Tiermehlproduktion nach den neuen Regeln wirklich im grossen Stil durchsetzen wird.»

Gemeinsam begründen

Laut Davide Elia, Mediensprecher der Coop-Tochter Bell, verarbeitet diese selbst keine Schlachtabfälle und ist daher nur indirekt betroffen. Trotzdem hält er die Tiermehlfütterung unter anderem aus Gründen des Ressourcenschutzes für sinnvoll. Elia spricht sich für eine Herstellung in der Schweiz aus.

Dies aber nur, «wenn die gesamte Wertschöpfungskette samt Konsumentenvertretungen sich klar hinter diesen Weg stellt und mithilft, den Entscheid zu begründen. Und wenn in der praktischen Umsetzung EU-weit Rahmenbedingungen wie Grenz- oder Toleranzwerte definiert werden.»

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