Die Schweinepreise sind im Keller, und das Angebot ist nach wie vor grösser als die Nachfrage. Doch der Aufruf der Suisseporcs, die Zahl der Zuchtsauen zu reduzieren und stattdessen Jager einzustallen, wird kaum befolgt.
Zehn Prozent der rund 139000 Zuchtsauen müssten kurzfristig aus den Ställen entfernt werden. Die Züchter sollten stattdessen Ferkel in den frei werdenden Ställen einstallen. Dieses Konzept der Marktsanierung auf freiwilliger Basis stellte die Suisseporcs Ende August vor.
Doch offenbar wird der Aufruf kaum befolgt. «Das ist nur für den kleinsten Teil der Züchter möglich», sagt etwa Martin Wyss aus Gysenstein BE. Er könne in seinem Galtsauenstall nicht so einfach Jager einstallen. Ein Grund seien die Anforderungen im Tierschutzgesetz wie die unterschiedlichen Anforderungen punkto Platzangebot. Auch bezüglich Hygiene und damit auch Tiergesundheit könne es Probleme geben: «Wenn man keine Abteile für die Gruppen einrichten kann, dann haben wir sanitarische Probleme.» Ihn störe aber auch noch etwas anderes: «Es geht nicht, wenn diejenigen, welche extrem gewachsen sind, jetzt von den Kleinen verlangen, dass sie ihre Bestände reduzieren sollen.»
Umstellung kaum möglich
Auch beim Schweinevermarktungsunternehmen Hügi aus Nebikon LU tönt es ähnlich. «Beim überwiegenden Teil der Betriebe ist eine Umstellung nicht möglich. Der Aufruf kann somit nicht befolgt werden», sagt Geschäftsinhaber Toni Hügi. Die Schweinebranche werde eine Flurbereinigung durchmachen müssen. Allenfalls könnte kurzfristig der Export von Schweinefleisch Luft verschaffen.
Halten von Mastjagern - ein Verlustgeschäft
Schweinezüchter Othmar Schwizer aus Walenstadt SG bestätigt, dass der Aufruf grösstenteils nicht befolgt werde. Für kleinere Betriebe lohne sich eine Umstellung nicht. Die Ställe seien bezüglich Fütterung, Entmistung und Logistik auf die professionelle Jagerzucht eingestellt. Das Halten von Mastjagern sei für diese ein Verlustgeschäft. Es sei nicht so einfach, die Bestände zu reduzieren, da die Ställe ausgelastet werden müssen, um die getätigten Investionen wieder zu amortisieren. Vielleicht liesse sich durch verstärkte Verkaufsanstrengungen mehr Schweinefleisch absetzen. Schwizer sieht Chancen, die saisonalen Schwankungen abzufedern; «Die Branche muss einen Weg finden, diese zu steuern.» Doch der Strukturwandel lasse sich nicht aufhalten. Wenn sich die leistungsmässig schwächsten Betriebe mit unter 20 abgesetzten Ferkeln pro Jahr zurückzögen, wäre der Branche viel gedient, hebt er hervor. Sonst regle dies der Markt mit all seinen Konsequenzen.