Coop fördert in einem Projekt «Baltic Grassland Beef» die Fleischrinderzucht in den baltischen Staaten. Auch Mutterkuh Schweiz unterstützt das Projekt. Mediensprecher Daniel Flückiger nimmt Stellung zum Projekt.
«Schweizer Bauer»: Hinter den Kulissen brodelt es wegen des Projekts «Baltic Grassland Beef» (BGB) bei Mutterkuh Schweiz. Was sagen Sie dazu?
Daniel Flückiger: Mit dem Projekt BGB können weiterhin Zuchttiere exportiert werden, obwohl es dafür keine staatlichen Exportbeiträge mehr gibt. Das Projekt BGB ist wiederholt an Veranstaltungen von Mutterkuh Schweiz und in der Vereinszeitschrift «Die Mutterkuh» vorgestellt worden. Es ist verständlich, dass neue Projekte Fragen auslösen und neben Zustimmung bei Einzelnen auch auf Kritik stossen.
Ist die Unterstützung von BGB durch Mutterkuh Schweiz der Preis dafür, dass Coop auf Natura Beef setzt?
Zwischen dem Verkauf von Natura-Beef bei Coop und dem Projekt BGB besteht kein direkter Zusammenhang. Wir sehen die Unterstützung von BGB aber auch in Zusammenhang mit unserer strategischen Partnerschaft mit Coop. Die Partnerschaft mit Coop ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg der Markenprogramme von Mutterkuh Schweiz. Mutterkuh Schweiz macht seit 30 Jahren sehr gute Erfahrungen mit Coop als Partner. Für Coop ist BGB interessant, weil ökologisch fragwürdige Edelstück-Importe per Flugzeug aus Südamerika mit Edelstück-Importen per Schiff aus dem Baltikum ersetzt werden können. Coop kann damit die CO2-Emissionen verringern.
«Baltic Grassland Beef»
Das «Baltic Grassland Beef» aus den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen soll in den nächsten Jahren bei Coop sukzessive das Rindfleisch aus Argentinien und Uruguay ersetzen. In die Schweiz wird nur ein Teil des Fleisches exportiert: die Edelstücke Filet, Entrecôte und Huft. Pro Tier sind es etwa 18 kg Fleisch. Der Rest wird auf dem lokalen Markt verkauft. «Die Betriebe müssen punkto Tierhaltung und Ökologie die gleich strengen Kriterien einhalten wie die Schweizer Betriebe, deren Fleisch bei Coop unter dem Label Natura-Beef verkauft wird», erklärt Projektleiter Ivo Wegmann in der «Coop-Zeitung». sam
Im Baltikum sollen 500 bis 600 Betriebe mit je 200 bis 300 Tieren aufgebaut werden. Hat Mutterkuh Schweiz kein Problem damit, ein Projekt im Ausland zu finanzieren, das die eigenen Mitglieder wirtschaftlich konkurrenziert?
Mit BGB wird die Mutterkuhhaltung in der Schweiz unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht konkurrenziert. Hingegen eröffnet BGB neue Möglichkeiten für den Zuchttierexport. Das Importvolumen von Rindfleisch wird durch das Projekt nicht beeinflusst. Wie anderes Importfleisch unterliegt auch solches aus dem Baltikum Importabgaben und Importkontingenten. Mit dem aktuellen Grenzschutz im Fleischbereich können innerhalb der Zollkontingente sowieso nur bewilligte Edelstücke in die Schweiz importiert werden. Sollte sich das ändern, wäre die stabile Partnerschaft mit Coop umso wichtiger. In einem offenen Markt wären wir noch mehr als heute auf funktionierende Partnerschaften mit Verarbeitern und Handel angewiesen.
Offenbar müssen die Betriebe punkto Tierhaltung und Ökologie die gleich strengen Kriterien einhalten wie die Schweizer Betriebe, deren Fleisch bei Coop unter dem Label Natura-Beef verkauft wird.
Oft stellen Schweizer Bauern die Forderung, dass Importprodukte nach den gleichen Bestimmungen produziert werden sollten, wie sie in der Schweiz gültig sind. Das Projekt verfolgt diese Zielsetzung. Die Befürchtung, dass künftig Natura-Beef im Baltikum produziert würde, ist unbegründet. Natura-Beef ist und bleibt eine geschützte Marke für Schweizer Fleisch aus Mutterkuhhaltung. Sie gehört der Vereinigung Mutterkuh Schweiz.
Warum werden nicht wenigstens Schweizer Zuchttiere für das Projekt exportiert? Eine in der Coop-Zeitung porträtierte Bäuerin sagt, dass sie ihre Tiere aus Ungarn habe.
Der Grundgedanke des Projekts für Mutterkuh Schweiz ist, den Viehexport aufrechtzuerhalten. Der Grossteil der Fleischrindergenetik in Estland ist aus der Schweiz, auch in Lettland und Litauen werden Zuchttiere aus der Schweiz eingesetzt. Dies vor dem Hintergrund, dass die Rahmenbedingungen für den Zuchttierexport momentan sehr schlecht sind. In den letzten Jahren wurden gemäss Angaben der Vianco rund 300 Fleischrassen-Zuchttiere aus der Schweiz ins Baltikum exportiert.
Stimmt es, dass sich Projektleiter Ivo Wegmann von Mutterkuh Schweiz dafür bezahlen lässt?
Nein. Mutterkuh Schweiz unterstützt BGB mit einem Beitrag an die Projektkasse. Im Jahr 2012 belief sich dieser Betrag auf 34'235 Franken. Das Ziel dieser Ausgabe ist, den Zuchttierexport zu fördern und die Partnerschaft mit Coop und Bell zu stärken. Wichtigster Geldgeber für das Projekt ist Coop. Mutterkuh Schweiz leistet in Zusammenhang mit dem Projekt BGB keine persönlichen Zahlungen.