
Laut Yuri Kovalev, Generaldirektor der Nationalen Vereinigung der Schweinezüchter (NSS), ist der durchschnittliche Preis für lebende Schweine in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um rund 15 Prozent gefallen.
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Russlands Schweinehalter sehen sich erstmals seit zehn Jahren in einer schweren Krise. Die durchschnittliche EBITDA-Marge der Betriebe, also das Mass für die Profitabilität im operativen Geschäft, könnte in diesem Jahr von 25 bis 30 Prozent in den Vorjahren auf null sinken, warnte der Generaldirektor der Nationalen Vereinigung der Schweinezüchter (NSS), Yuri Kovalev, auf der Jahresversammlung des Verbandes.
Daher sei zu befürchten, dass die Betriebe bald keine Mittel mehr zur Verfügung hätten, um ihre Ausgaben zu decken und Kredite zurückzuzahlen. Der Grund dafür sei der starke Anstieg der Produktionskosten in den vergangenen zwei Jahren und ein Rückgang der Erzeugerpreise um durchschnittlich 15 bis 20 Prozent.
Laut Kovalev ist der durchschnittliche Preis für lebende Schweine in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um rund 15 Prozent gefallen. Schinken, der als guter Marktindikator gelte, habe sich um 20 Prozent verbilligt. Mitverantwortlich macht der Generaldirektor die zunehmenden Fleischimporte aus China, vor allem bei Geflügel. Hier hätten die Einfuhren in der ersten Jahreshälfte um 35 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums gelegen.
Importe als Bedrohung
Im Gesamtjahr 2025 habe China fast 100'000 Tonnen Geflügelfleisch geliefert, hob Kovalev hervor. Aus seiner Sicht ist das eine «existenzielle Bedrohung für die russische Schweineindustrie». Importiertes gefrorenes Huhn werde grösstenteils verarbeitet, wodurch teureres Schweinefleisch verdrängt werde. Ohnehin sinke in Russland die Nachfrage nach Schweinefleisch, weil das verfügbare Haushaltseinkommen zurückgehe.
Zur Überwindung der Krise hält es der Verband für notwendig, den Import von Geflügelfleisch zu reduzieren und den Absatz von heimischem Schweinefleisch zu fördern. Ausserdem sollte der Schweinefleischexport ausgebaut werden. Mit dem Aufbau zusätzlicher Kapazitäten gelte es, das von Kremlchef Wladimir Putin ausgegebene Produktionsziel für Schweinefleisch bis 2030 zu erreichen, nämlich ein Plus von rund 1 Mio. Tonnen auf 7,19 Mio. Tonnen Lebendgewicht im Vergleich zu 2024.
Exporte sollen wachsen
Kovalev geht davon aus, dass Russland in diesem Jahr rund 440'000 Tonnen Schweinefleisch exportieren wird; das wären rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr und würde Deviseneinnahmen von etwa 1,1 Mrd. $ (0,81 Mrd. Franken) bringen. Schon 2025 waren die Lieferungen von Schweinefleisch auf ausländische Märkte gesteigert worden, und zwar um 24 Prozent auf 399'000 Tonnen. Das ist ganz im Sinne des Verbandes: «Zusätzliche Exporte verringern das Angebot im Land und normalisieren die Preislage», so Kovalev.
Rückläufig waren 2025 allerdings Russlands Exporte von Geflügel- und Rinderfleisch; sie fielen um 27 beziehungsweise 31 Prozent kleiner aus als im Vorjahr. Die gesamten Fleischexporte des Landes beliefen sich im vergangenen Jahr auf 913'400 Tonnen. AgE