
Nach zwei Jahren geprägt von extremem Preisdruck und Überproduktion im Schweinemarkt sind die Marktversorgung, der Arbeitsverdienst und Investitionen für den notwendigen Unterhalt seit 2024 wieder im Lot.
Hannah Heimgartner
Schweine sind ein bedeutender Teil der Schweizer Ernährungswirtschaft. Mit einem Wert von rund 3,5 Milliarden Franken sind rund 25’000 Arbeitsplätze mit Schweinefleisch verbunden, wie Adrian Schütz vom Schweizerischen Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband Suisseporcs erklärt.
«Dieses wertvolle, vielseitige, regionale und verantwortungsbewusst erzeugtes Schweizer Lebensmittel trifft die Ernährungsbedürfnisse der Zukunft», so Adrian Schütz. Viel hochwertiges Eiweiss, wenig Fett, wertvolle Fettsäuren und unentbehrliche Nährstoffe und Vitamine – gleichzeitig sei es preiswert, sicher und von hochstehender Qualität.
25 Prozent weniger CO2-Emissionen
In der Schweizer Schweinehaltung geht die Entwicklung weiter: Überall freies Abferkeln, Beschäftigung rund um die Uhr, Ringelschwanz, Verbot von Vollspaltenböden und 24 verpflichtende Gesundheitsprogramme sind einzigartig, wie Adrian Schütz vom Schweizerischen Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband Suisseporcs erklärt.
70 Prozent der Tiere werden zusätzlich mit besonderem Tierwohl gepflegt. Mit Mehrwertentschädigung durch die Konsumentinnen und Konsumenten gekauft werden jedoch nur 30 Prozent, so Adrian Schütz. Auch in der Fütterung gelten freiwillig weltweit einmalige Standards. Sämtliche Sojaextraktionsschrotimporte sind heute von Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert, GVO- und abholzungsfrei und aus Europa, wie Adrian Schütz betont.
Damit konnten die CO2- Emissionen gegenüber 2010 um 85 Prozent gesenkt werden. Gut 40 Prozent der Futterration sind Nebenprodukten aus der Lebensmittelverarbeitung, welche sonst nicht wiederverwertet würden. In diesem Jahr wurden weitere Schritte zur Nachhaltigkeit und Optimierung von regionalen Kreisläufen und Effizienzverbesserung durch die Schweinehaltenden realisiert.
In einer freiwilligen Zielvereinbarung mit dem Bund wurden für 2024 eine Teilnahme von 65 Prozent im Ressourceneffizienzprogramm Nährstoffverluste festgelegt. Das Ziel wurde mit 80 Prozent übertroffen. In den letzten 30 Jahren wurde der Input Stickstoff bei den Schweizer Schweinen halbiert. Hofdünger decken insgesamt 60 Prozent des Stickstoffbedarfs in der Schweiz ab. Zur Verbesserung der Kreislaufwirtschaft, Bodenfruchtbarkeit und Reduktion CO2 müsste der Einsatz steigen.
Fortschritte bei Tierwohl und Nachhaltigkeit
Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren vorbildlich Die Veterinärmedizin verwendet immer seltener Antibiotika. Ein Rückgang an Wirkstoffen konnte vor allem bei Schweinen und Geflügel festgestellt werden. Abgenommen habe insbesondere auch die Verwendung von kritischen Antibiotika, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen am 18. November 2025 mitteilte.
Sowohl die Vertriebs- als auch die Verschreibungsdaten zeigen, dass der Antibiotikaverbrauch in der Veterinärmedizin sowohl generell als auch bei den kritischen Wirkstoffen weiterhin stetig abnimmt. Die Schweinehaltenden haben ein verpflichtendes und präzises elektronischen Behandlungsjournal für Tierarzneimittel aller Schweine erarbeitet und umgesetzt.
«Beim Einsatz kritischer Antibiotika in der Veterinärmedizin bei Nutztieren ist ein Rückgang um 76 Prozent verzeichnet – beim Schwein werden am wenigsten Antibiotikabehandlungen pro 1’000 Tiere gemacht», führt Adrian Schütz aus.
Die Gesundheit und das Tierwohl werden mit einer aufwändigen Betreuung gesichert. Ohne begleitende Massnahmen, mehr Arbeit und Investitionen in bauliche Verbesserungen gehe das nicht, so Suisseporcs. Die einzigartigen Fortschritte hätten die Schweinehaltenden über Jahre mit viel Wille, Geld und Arbeit erarbeitet. Davon profitiere die Gesellschaft.
Stabile Märkte und steigende Preise
Nach zwei Jahren geprägt von extremem Preisdruck und Überproduktion im Schweinemarkt sind die Marktversorgung, der Arbeitsverdienst und Investitionen für den notwendigen Unterhalt seit 2024 wieder im Lot. Der Schlachtschweinepreis liegt 2025 voraussichtlich bei 4.51 Franken pro Kilogramm Schlachtgewicht. Ein Wert, der letztmalig 2020 und 2013 erreicht worden ist. Die Reduktion der Bestände um rund 5 Prozent und ein stabiler Konsum haben dazu beigetragen.
Der berühmte Schweinezyklus existiert – allerdings: Der Anteil der Schweinehaltenden am Konsumentenfranken liegt bei rund 30 Prozent. Dieser Anteil sei leider zurückgegangen, so Adrian Schütz. Ohne gute Rahmenbedingungen und Investitionen gebe es keinen Fortschritt, betont er. Durch Produktivitätsfortschritt und zusätzliche Belegungen kämen die Preise wieder unter Druck.
Unternehmerische und gut ausgebildete Nachwuchskräfte stehen laut Adrian Schütz aber in den Startlöchern. Wenn die Wirtschaftlichkeit stimme, bleibe die hiesige Ernährungswirtschaft ein wichtiger Teil der Versorgung.
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