Schwere Tierschutzvorwürfe gegen Tönnies

Schwere Vorwürfe gegen die Grossschlachterei R. Thomsen in Kellinghusen, die zum grössten deutschen Schlachtkonzern Tönnies gehört. Aufnahmen, die von der Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) mit versteckten Kameras gemacht wurden, zeigen unter anderem, wie noch lebenden Schweinen die Füsse abgeschnitten werden.

AgE |

Laut ARIWA werden in dem Schlachthof zudem regelmässig fehlbetäubte Tiere entblutet, mit der Folge, dass sie ihre Tötung bei Bewusstsein erlebten. Ausserdem würden Schweine routinemässig geschlagen und in Gittern eingeklemmt.

«Systemproblem statt Ausnahme»

Das Bildmaterial stammt von März und April 2026 und wurde jetzt vom NDR veröffentlicht. ARIWA hat Strafanzeige gegen Tönnies erstattet und den Konzern mit den konkreten Vorwürfen konfrontiert. Der Konzern weist diese zurück. Laut Tönnies handelt es sich bei den dokumentierten Verstössen um Einzelfälle. Die verantwortlichen Mitarbeiter würden sanktioniert. ARIWA widersprach dieser Darstellung entschieden und erklärte, die Aufnahmen belegten systematische Tierquälerei.

«Diese Tierquälerei ist ein Systemproblem, keine Ausnahme», so ARIWA-Sprecherin Anna Schubert. Wenn ein Tier nicht laufen wolle, werde es gezwungen. Wenn sich ein Fuss im Förderband verhake, werde er abgeschnitten. Bei dieser Fliessbandarbeit dürfe der Ablauf nicht stillstehen. «Die Verantwortung dafür auf die hart arbeitenden Angestellten abzuwälzen, ist schändlich», kritisierte Schubert. Das Problem seien nicht einzelne Menschen, sondern «ein System der industriellen Ausbeutung».

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Betroffenheit beim Landesbauernverband

Tönnies bezeichnete die CO2-Betäubung als die tierschutzgerechteste Methode. Dem widersprach Schubert ebenfalls entschieden: «Das ist nicht die tierschutzgerechteste Methode, das ist Tierquälerei. Schlimmeres kann man den Schweinen kaum antun.» Die Sprecherin forderte, die CO2-Betäubung zu verbieten. Tierschutz sei keine Verhandlungssache. Dem schloss sich die Tierschutzorganisation Provieh an. Der Fall verdeutliche erneut, dass Schweine bei der CO2-Betäubung nicht ausreichend vor Schmerzen, Leiden und Schäden geschützt würden.

«Die veröffentlichten Aufnahmen aus dem Schlachthof in Kellinghusen machen betroffen und werfen Fragen zum Umgang mit den Tieren auf», erklärte der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Klaus-Peter Lucht, zu den Vorwürfen. Sollten sich die gezeigten Vorgänge bestätigen, sei das nicht hinnehmbar. Der Schutz und das Wohl der Tiere müssten zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein – auch beim Transport, bei der Anlieferung und im Schlachtprozess. Der Landesbauernverband forderte, die aktuellen Ereignisse zum Anlass zu nehmen, die Abläufe kritisch zu überprüfen und notwendige Verbesserungen umzusetzen. Verantwortungsvolle Tierhaltung und ein konsequenter Tierschutz gehörten untrennbar zusammen.

Kameraüberwachung auf dem Weg

Auf politischer Ebene ist die Einführung der Kameraüberwachung auf Schlachthöfen auf dem Weg. Die zweite und dritte Lesung zur Änderung des Tierschutzgesetzes, mit dem diese Massnahme eingeführt werden soll, ist für Anfang November im Bundestag vorgesehen.

Ziel der geplanten Kameraüberwachung ist laut Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, dort Transparenz zu schaffen, wo sie dringend nötig sei: «Für das Tierwohl ist es ganz entscheidend, was im Schlachthof passiert», sagte Rainer im Juli zu der Novelle.

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