In Deutschland werden viele und gute Angus gezüchtet. Dabei wird stark auf die Produktivität geachtet. Das wurde auch an den Deutschen Angustagen klar.
Ende Juni besuchte eine kleine Gruppe von Angushaltern die Deutschen Angustage. Jedes Jahr finden diese in einem anderen Bundesland statt, heuer in Bayern. Auf dem Betrieb von Bernhard Delle in Gundelfingen trafen sich etwa 140 Personen, die die Herde besichtigen und etwas über die Angus Group Germany erfuhren. Delle hält 100 Kühe mit Kälbern plus Nachzucht. Die Tiere sind das ganze Jahr im Freien. Der Herdebuchbetrieb verkauft die Tiere in ganz Europa.
Schön oder produktiv
Danach ging die Reise zum Betrieb Dänzer in Insingen. Dieter Dänzer erzählte einiges über seine Erfahrungen, die er mit Angus gemacht hat. So sehen Anguskühe mit 800 oder 1000kg zwar schön aus, aber Geld verdienen die wenigsten damit. Eine Mutterkuh muss jedes Jahr ein Kalb aufziehen und eine möglichst hohe Lebensleistung erreichen. Infolge der Trockenheit musste Dänzer dieses Jahr 50 Kühe mit Kälbern auf einen benachbarten Betrieb auslagern.
KB für die Topkühe
Nächster Halt war auf dem Hilsbacher Hof von Manfred und Christine Winhart in Aurach. Der Bio-Betrieb umfasst 72ha Grünland. 30 Mutterkühe mit Kälbern sowie zwei Zuchtstiere. Der Betrieb wird als Nebenerwerb geführt. Die Tiere von Manfred Winhart sind im Herdebuch vom Fleischrinderverband Bayern eingetragen. So kann er die Jungstiere über den Zuchtviehmarkt verkaufen. Ein Teil wird auch direkt oder über die Angus-Manufaktur Franken vermittelt. Auch der Betrieb von Rainer und Heidi Bauereiss in Colmberg wird biologisch bewirtschaftet. Er umfasst 40ha Grünland und wird auch im Nebenerwerb geführt. Wegen der Trockenheit haben die Bauereiss die Kühe auf 23 reduziert. Während der Deckzeit werden zwei bis drei Stiere eingesetzt, die Topkühe werden künstlich besamt. Schlachttiere werden auch über die Angus-Manufaktur Franken abgesetzt. Zuchtstiere werden versteigert. Beide Betriebe, Winhart und Bauereiss, füttern im Winter Heu und Grassilage. Von April bis November werden die Tiere auf der Weide gehalten.
In der siebten Generation
Am Samstag fuhren beide Busse mit den 140 Personen zu Familie Heinrich Bauersachs in Mitwitz, die ihren Biohof mit 50ha in der siebten Generation führt, heute im Nebenwerwerb. Auf dem Betrieb wird ein Mitarbeiter auf 400-Euro-Basis beschäftigt. Neben Grünland (34ha) Kleegras (7ha) und etwas Ackerbau hält der Betrieb 28 Mutterkühe mit Kälbern und zwei Stieren. Der Herdebuchbetrieb verkauft die Tiere über den Fleischrinderverband Bayern oder direkt. Altkühe werden über einen regionalen Biovermarkter verkauft.
Die besuchten Betriebe haben alle das gleiche Zuchtziel: typvolle Tiere mit feinen Gliedmassen, hohe Milchleistung aus dem Grundfutter (während der Weidesaison wird nichts zugefüttert, nur Weidegang), mittelrahmige Kühe (etwa 700 bis 750kg), guter Charakter, Aufzucht der Kälber ohne Kraftfuttergabe. Die Tageszunahmen liegen bei den weiblichen Rindern etwa bei 1000 bis 1200g und bei den männlichen etwa bei 1200 bis 1400g. Diese Betriebe betreiben die Grünlandpflege (Übersaaten) mit einem minimalem Aufwand.
Wartebetrieb für KB
Wie viele Betriebe ist auch jener von Uli Detsch in Haid ein Nebenerwerbshof mit Restaurant. Der Herdebuchbetrieb setzt für jeden Jahrgang der Kälber einen anderen Angusstier ein, denn es handelt sich um einen Wartebetrieb der Besamungsstation Neustadt an der Aisch. Bis die ersten Resultate der Stiere vorhanden sind, verweilen sie auf den Wartebetrieben. Danach werden sie weiter abgesamt oder geschlachtet.
*Der Autor ist Anguszüchter und bewirtschaftet einen Betrieb in Hemishofen SH. www.swissangus.ch, www.angusgroup.eu, www.angus-bundesverband.de, www.angusmanufaktur.de