«Wühl»-Studie irritiert Suisseporcs

Eine neue Studie des Bundes untersucht, wie Schweine ihr natürliches Wühlverhalten ausleben und welches Beschäftigungsmaterial sie dafür benötigen. Bei Suisseporcs sorgt das Forschungsprojekt für Irritationen.

Schweine auf hiesigen Bauernhöfen müssen unter anderem «kaubares, benagbares, fressbares und nicht toxisches» Beschäftigungsmaterial zur Verfügung haben. Das schreibt die Verordnung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) über die Haltung von Nutztieren und Haustieren vor. Erlaubt sind etwa Würfel aus Stroh oder Heu. Ebenso ist Weichholz unter bestimmten Bedingungen zulässig.

Nun will das BLV untersuchen, was Schweine mit diesem Material tatsächlich machen wollen, welche Materialien sie bevorzugen und welche davon echtes Wühlen ermöglichen.

Die Studie

Untersucht werden das Wühlverhalten, die Substratpräferenzen und die Wühlmotivation von Schweinen bei unterschiedlichen Angeboten wie Stroh, Kompost oder Weichholz. Zudem sollen praxisnahe Empfehlungen für die Gestaltung und das Management von Wühlarealen erarbeitet werden.

Das Projekt wird von der Forschungsgruppe Tiergerechte Haltung von Agroscope gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) durchgeführt. Es beginnt am 1. Oktober 2026 und läuft bis zum 30. September 2030.

Das BLV weist darauf hin, dass es sich bei «SchweinErleben» nicht um dasselbe Forschungsprojekt handelt.  «SchweinErleben» sei ein eigenständiges Projekt der Albert Koechlin Stiftung, das in Zusammenarbeit mit dem Fibl und dem Natur-Museum Luzern durchgeführt wurde. Dabei wurde das natürliche Verhalten von Schweinen in einer semi-natürlichen Umgebung untersucht, unter anderem deren Futtersuch- und Wühlverhalten. clu

Der «Blick» warnt

«Das neue Forschungsprojekt soll wissenschaftliche Grundlagen liefern, um beurteilen zu können, ob bei den Anforderungen an das Beschäftigungsmaterial gemäss Artikel 24 der Nutz- und Haustierverordnung Anpassungsbedarf besteht», präzisiert die Medienstelle des BLV auf Nachfrage.

Der «Blick», der zuerst über die Studie berichtete, warnt in seinem Artikel, die neue Forschung könnte Folgen für die Haltung Tausender Tiere haben. Auf Anfrage von schweizerbauer.ch gibt das BLV vorerst Entwarnung: «Ein Vorentscheid über eine Änderung der geltenden Vorschriften ist mit der Studie nicht verbunden.»

Gegenüber dem «Blick» sagt eine BLV-Sprecherin jedoch: «Ob eine Anpassung notwendig sein wird und wie diese allenfalls ausgestaltet werden könnte, kann erst nach Abschluss und Auswertung des Forschungsprojekts beurteilt werden.»

Erheblichem Mehraufwand

Bei Suisseporcs, dem Verband der Schweinehalterinnen und Schweinehalter, sorgt die Studie dennoch für Irritationen. Der Verband sei weder über das Projekt informiert noch in dessen Planung einbezogen worden, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Adrian Schütz gegenüber dem «Blick». Grundsätzlich sei die Branche an neuen Erkenntnissen zum Tierwohl interessiert.

Zusätzliche Wühlmöglichkeiten könnten für die Betriebe jedoch mit erheblichem Mehraufwand verbunden sein: Sie benötigten mehr Platz und Material, verursachten zusätzliche Arbeit und könnten Baukosten auslösen. Auch die Hygiene müsse gewährleistet bleiben.

Suisseporcs weist zudem darauf hin, dass viele Betriebe bereits über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgingen. Gemäss dem Verband haben mehr als die Hälfte der Schweine zusätzlichen Auslauf ins Freie, während mehr als zwei Drittel über eine eingestreute Liegefläche und mehr Platz verfügten.

Mehr ausländisches Schweinefleisch

Auch bei der Frage der Finanzierung sieht der Verband Handlungsbedarf. Adrian Schütz gibt gegenüber dem «Blick» zu bedenken: «Weniger als 30 Prozent der Einkäufe entfallen auf Schweinefleisch mit zusätzlichem Tierwohl.» Deshalb seien neben den Produzenten auch Konsumenten und Abnehmer gefordert.

Schütz warnt zudem davor, die heimische Produktion durch weitere Anforderungen zu verteuern. Die Schweiz habe bereits strengere Tierwohlvorschriften als die EU. Steigende Produktionskosten könnten deshalb dazu führen, dass mehr ausländisches Schweinefleisch auf den Schweizer Markt gelangt. «Was passiert, wenn Schweizer Schweinefleisch dadurch teurer wird? Es landet letztlich mehr ausländisches Fleisch aus Haltungen mit tieferen Tierwohlstandards auf unseren Tellern», sagt Schütz.

Kommentare (2)

Sortieren nach: Likes | Datum
  • Realist | 07.09.2026
    Solche Forschungsarbeiten zeigen eindeutig: Beim BLV herrscht Beschäftigungsnotstand. Die effektivste Lösung heisst Stellenabbau. Solche Beschäftigungsprogramme sind nicht mit Steuergeldern zu bezahlen. Wenn der Konsument eine solche Haltung wünscht, dann soll er sie auch selbst bezahlen, nicht der Staat.
  • Heule Karl | 07.09.2026
    Wenn FIBL an diesem Forschungsprojekt beteiligt ist, geht es in Richtung Bio. Das BLW hat es ja gesagt, AP 2030 mehr Unterstützung für die Label; IP Suisse, Bio...
×

Schreibe einen Kommentar

Kommentar ist erforderlich!

Google Captcha ist erforderlich!

You have reached the limit for comments!

Das Wetter heute in

Lesershop

Hier gehts zum Lesershop

Umfrage

Richtpreise: Haben Verbände gut verhandelt?

34.4 % Ja, gut verhandelt
45 % Nein, zu wenig gut
20.6 % Besser als nichts

Teilnehmer insgesamt 180

Zur aktuellen Umfrage

Bekanntschaften

Suchen Sie Kollegen und Kolleginnen für Freizeit und Hobbies? Oder eine Lebenspartnerin oder einen Lebenspartner?