Ein Behandlungsstand erleichtert besonders in Mutterkuhherden die Arbeit und bietet Sicherheit für Mensch und Tier. Gut sind Modelle, die vielseitig genutzt werden können – so wie jenes von Niklaus Gisler aus Tägerwilen.
Seit zwei Jahren bewirtschaftet Niklaus Gisler mit seiner Familie den Gutsbetrieb Castell in Tägerwilen TG. Er hält Mutterkühe, nachdem auf dem Betrieb vorher gemolken wurde. «Das Ziel wäre eine Aubrac-Herde», sagt er, «aber derzeit haben wir noch alle möglichen Rassen und Kreuzungen.» Eine Zuchtherde könne man nicht einfach so kaufen, so der Mutterkuhhalter, «da muss man am Anfang Kompromisse eingehen».
Keine Kompromisse eingegangen ist er bei der Einrichtung. Von Beginn weg war ihm klar, dass er nicht ohne Behandlungsstand arbeiten will. Heute braucht er ihn zum Besamen und Klauenschneiden, im Stand lässt er die Kühe vom Tierarzt behandeln und hilft ihnen beim Kalben, er separiert Kälber von der Kuh oder den Stier von der Herde, und schliesslich wägt er die rund 60 Weiderinder darin.
Ein Schweizer Produkt
Der multifunktionelle Behandlungsstand ist ein Schweizer Produkt. Entwickelt hat ihn Josef Märki, der sich seit 1974 mit der Mutterkuhhaltung befasst. Seither hat er sein Produkt immer wieder verbessert und aufgrund von Rückmeldungen Bauern angepasst.
Kein Wunder, kann Gisler bei seiner Arbeit auf alle möglichen Spezialitäten zurückgreifen, die ein «normaler» Behandlungsstand nicht bietet. Die Waage zum Beispiel kann er mit vier Schrauben einfach unter der gummierten Standfläche befestigen. Gummiert ist der Boden des Standes, damit die Tiere ihn lieber betreten. Für Behandlungen an Kälbern lässt sich die Breite der Boxe von 80 auf 60 cm verengen.
Kaiserschnitt möglich
Wird ein Kaiserschnitt nötig oder muss man sonst seitlich ans Tier gelangen, lassen sich die Seitenwände entfernen. Dann kann Gisler mit zwei Handgriffen eine Winde für die Vorderbeine anstecken. Fixiert bleibt das Tier durch einen Selbstfang-Halsrahmen. Er öffnet sich seitlich und nicht zum Tier hin, damit er durch eine Kuh, die dagegen drückt, nicht blockiert wird.
Hinter dem Klauenstand schliesst sich der Warteraum an. «Damit Kühe besser laufen, treibe ich jeweils zwei zum Behandlungsstand», erklärt er. «Die vordere wird im Stand fixiert, die hintere bleibt im Warteraum, wo sie eine Klappe vom Rückwärtsgehen ab- und weitere Kühe fernhält. Ein Tor zwischen Stand und Warteraum hält die Kuh zurück und lässt Gisler rund einen Meter Raum hinter der vorderen Kuh. Schwenkt er das Tor um 90 Grad, wird der Durchgang vom Warteraum zum Stand frei.
Schwenkt er das Tor nochmals um 90 Grad nach aussen, kann die hintere Kuh vor dem Betreten des Standes «in die Freiheit» abbiegen. «Das macht Sinn, wenn ich ein Kalb von der Kuh trennen will und das Kalb zuerst im Warteraum ist. Dann bleibt es im Stand, die Kuh geht weg», demonstriert Gisler.
Eine gute Investition
7600 Franken kostet der Schweizer Stand komplett mit Winden. Der Warteraum schlägt mit zusätzlich 500 Franken und die Zwischentür mit 1800 Franken zu Buche. «Eine Investition, die sich in jedem Fall lohnt», betont Peter Klauser von der Beratungsstelle für Unfallverhütunng (BUL). «Die meisten Unfälle mit Rindern passieren bei Behandlungen.» Ein Tier, das von der Herde getrennt werde, sei gestresst: «Da weiss man nie, wie es reagiert.» Ein Behandlungsstand schütze aber nicht nur den Menschen, sondern auch das Tier, weil gezielter, genauer und effizienter behandelt werden könne.
Der BUL-Experte würde jedem Mutterkuhhalter raten, einen Behandlungsstand anzuschaffen und diesen permanent im Laufhof aufzustellen: «Dann gewöhnen sich die Tiere daran und gehen fast selber rein.»