Die Gefahr von Antibiotikaresistenzen muss bald entschärft werden. Dabei soll der Bund die Führung übernehmen. Das fordern Bauernvertreter, Tierärzte und Konsumentenschützer. Sie verfolgen bis dahin eigene Strategien.
Politiker, Bauern, Tierärzte und Konsumenten fordern, dass wie die EU auch die Schweiz Massnahmen gegen drohende Antibiotikaresistenzen trifft. Nun wollen sich nächste Woche die Verantwortlichen der Bundesämter für Gesundheit (BAG) und Veterinärwesen (BVet) treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Die Verantwortung für die gesamte Antibiotikastrategie, die auch die Humanmedizin umfasst, liegt beim BAG. Es führt gegenwärtig auch die Teilrevision der Tierarzneimittelverordnung durch. Das BVet wiederum hat Ende 2012 eine Antibiotikastrategie mit Fokus auf die Resistenzproblematik lanciert. Ihr Ziel soll sein, dafür zu sorgen, dass durch den Einsatz von Antibiotika in der Veterinärmedizin die Wirksamkeit von Antibiotika in der Humanmedizin nicht beeinträchtigt wird und gleichzeitig unter dem Aspekt des Tierwohls die gezielte Behandlung von Tieren mit Antibiotika weiterhin möglich ist.
GST begrüsst Treffen
Dass beide Ämter ihre Anstrengungen koordinieren, freut Julika Fitzi, Präsidentin der Gesellschaft Schweizer Tierärzte (GST): «Bisher fehlte ein gemeinsames Konzept.» Die GST fordert zudem die Einführung eines bereichs- und kantonsübergreifenden Monitorings.
Auch Martin Rufer vom Schweizerischen Bauernverband (SBV) begrüsst es, dass die Bundesämter in Antibiotikafragen nun handeln wollen. Er fordert, dass sie auch nötige Handlungsgrundlagen schaffen: «Wir wissen nicht, wie viele Antibiotika bei den Schweinen, Kälbern oder beim Geflügel eingesetzt werden. Das muss der Bund erheben.»
Während der SBV deshalb abwartet, führen andere Organisationen eigene Projekte durch. So hat IP-Suisse im Dezember einzelne Antibiotika in der Label-Kälbermast verboten.
Welcome-Betriebe
Die Kälbermäster ihrerseits versuchen seit 2012, auf Welcome-Betrieben Kälber so einzustallen, dass Medizinierungen zumindest teilweise überflüssig werden. «Vermutlich können wir damit aber den Antibiotikaverbrauch nicht senken», bedauert die Projektverantwortliche Corinne Bähler, «dazu müsste man den Hebel auf den Herkunftsbetrieben und beim Handel ansetzen. Viele Tränker sind schon beim Einstallen geschwächt, und die Tiergruppen sind zu stark durchmischt.»
SKS plant Tests
Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) kündigte kürzlich verdeckte Tests von Lebensmitteln auf Antibiotikarückstände an. «Damit werden wir im Herbst beginnen», sagt Josianne Walpen von der SKS, «wir wollen uns ein unabhängiges Bild von der Situation machen.» Doch auch die SKS wartet gegenwärtig auf ein Signal des Bundes. Dieser müsse unbedingt das Wohl der Konsumenten ins Zentrum stellen.