Tierseuchen wie die Afrikanische Schweinepest rücken näher. Sie müssen frühzeitig erkannt werden. Deshalb investiert der Bund in die Früherkennung. Diese funktioniert aber nur mithilfe der Tierhalter.
Schon lange beobachten die Veterinärbehörden in ganz Europa aufmerksam, was sich in Weissrussland abspielt. Dort werden immer wieder Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest (ASP) vermeldet. Ende Juni 2013 trat die gefürchtete Tierseuche auch in der Grenzregion zu Polen auf. Eine Einschleppung in die EU kann deshalb nicht mehr ausgeschlossen werden. Über Transportfahrzeuge, die aus betroffenen Regionen zurückkehren, sowie mit Produkten aus nicht durchgegartem Fleisch infizierter Schweine wie Schinken oder Salami könnte das Virus die Grenzen passieren. Es überlebt lange und bleibt in Tierkörpern und Fleischprodukten monatelang ansteckend.
Gesetzliche Grundlage
Da es keine Impfung gegen die ASP gibt und ein Seuchenausbruch enorme Konsequenzen hätte, bleibt nur die Früherkennung. Diese soll nun gestärkt werden. Basis dafür ist ein Artikel im überarbeiteten Tierseuchengesetz. Er besagt, dass der Bund in die Seuchenprävention investieren und beispielsweise spezielle Früherkennungsprogramme starten kann, und er gibt ihm die nötigen Gelder dazu. Am 1. Oktober 2012 gründete das BVet deshalb einen neuen Teilbereich zur Früherkennung. Dessen Leiterin Daniela Hadorn erklärt: «Es wird einige Jahre dauern, bis das Früherkennungssystem vollständig aufgebaut ist. Man kann aber jetzt schon die Struktur aufzeigen, die ihm zugrunde liegt.» Die Früherkennung hat gemäss Hadorn drei Ziele:
Seuchen sollen möglichst früh entdeckt werden. Dabei gilt es, bereits bekannte Erreger im Visier zu behalten, die wieder auftreten könnten. Man muss aber auch abschätzen, welche neuen Krankheiten zur Bedrohung werden – siehe ASP.
Das Gefährdungspotenzial muss möglichst richtig eingeschätzt werden. Es nützt ja nichts, wenn man bei einer harmlosen Infektion ganze Herden keult und es bei einem Ausbruch der ASP mit einigen Globuli probiert.
Gewonnene Informationen müssen rasch und gezielt an die zuständigen Behörden weitergeleitet werden. Wenn beim BVet in Bern das Bekämpfungsprogramm zur ASP fixfertig in der Schublade liegt und der Kantonstierarzt nichts davon weiss, nützt alles nichts.
Bauern liefern Hinweise
Im Beispiel der ASP ist das BVet heute schon in Kontakt mit den EU-Behörden. Doch es reicht nicht, sich für Hinweise auf die ausländischen Kollegen zu verlassen. Ebenso wichtig sind die Bauern und die Tierärzte. Sie sehen rasch, wenn mit einem Tier etwas nicht stimmt. «Die Sensibilisierung der Bauern nimmt bei der Seuchenprävention einen grossen Stellenwert ein», beteuert Hadorn, «das hat man beim Schmallenberg-Virus gesehen. Es wurde in Deutschland nur entdeckt, weil die Bauern bemerkten, dass die Kühe weniger Milch gaben. Hätten sie das nicht gemeldet, hätten die Behörden länger im Dunkeln getappt.» Auch in der Schweiz habe man die Bauern im Zusammenhang mit Schmallenberg aufgerufen, verdächtige Symptome zu melden – und auch das habe bestens funktioniert, so Hadorn.
Gesundheitsdaten nutzen
Bauern, die verdächtige Symptome bei ihren Tieren beobachten, rufen den Tierarzt. Der wird so zu einem weiteren wichtigen Glied in der Seuchenprävention. Geht es nach dem BVet, kann er seine Beobachtungen in Zukunft auch elektronisch registrieren. Gegenwärtig wird in einem Projekt namens Equinella eine Datenbank aufgebaut, in der ausgewählte Tierärzte Beobachtungen an Pferden online melden können. «Erfüllen sich unsere Erwartungen, sind solche Datenbanken auch bei den Schweinen, dem Geflügel oder den Rindern denkbar», sagt Hadorn.
Sie verweist auch auf ein Projekt, das die Rindviehzuchtverbände vorantreiben: «Sie wollen Gesundheitsdaten erfassen, um entsprechende Zuchtwerte schätzen zu können. Diese Informationen sind auch für die Früherkennung interessant.» Hadorn denkt, dass sie auch den meldenden Bauern einen Nutzen bringen würden. Wenn die Gesundheitsdaten erfasst seien, biete das ihnen die Gelegenheit, Vergleiche mit Berufskollegen anzustellen. «Es ist wichtig, dass die Bauern auch profitieren, wenn sie sich aktiv an der Seuchenprävention beteiligen. Denn diese ist freiwillig, aber sie funktioniert ohne Bauern nicht.»