Der Schweizer Tierarznei- mittelmarkt ist klein. Deshalb verlieren immer mehr internationale Pharmamultis das Interesse am Vertrieb in der Schweiz. Die Leidtragenden sind Tierärzte, die Nutzviehhalter und ihre Tiere.
Auch 2011 hat sich ein besorgniserregender Trend fortgesetzt: Die Auswahl an Tierarzneimitteln wird immer kleiner. Laufen Zulassungen für solche nämlich aus, haben die grossen internationalen Hersteller oft kein Interesse mehr daran, diese zu erneuern. «Dazu müssten sie umfangreiche Studien einreichen», erklärt Martin Brügger, Arzneimittelbeauftragter der Gesellschaft Schweizer Tierärzte GST. «Oft wollen die Firmen auch zugelassene Medikamente nicht mehr für die Schweiz produzieren, denn gemäss Vorschriften müssen Beipackzettel und die Verpackungen für diesen Markt zweisprachig beschriftet sein.»
Zahlreiche Medikamente verschwanden
So verschwanden in den letzten Jahren zahlreiche Medikamente für Tiere vom regulären Markt. Beispiele dafür sind beim Rind Salben gegen Klauengeschwüre, Hormone gegen Eierstockzysten oder Präparate, die das Festliegen verhindern sollen. Bei Kleintieren konnten die Verluste zumindest teilweise durch Präparate, die für Menschen gemacht sind, ersetzt werden. Bei Nutztieren ist das nur für bestimmte Wirkstoffe möglich, da belegt sein muss, dass diese keine Rückstände in Milch oder Fleisch hinterlassen.
Einige Tierärzte lassen die benötigten Mittel aus dem Ausland kommen. Dazu müssen sie für Nutztiere ein Gesuch stellen und eine Firma mit dem Import beauftragen. Nicht mehr produzierte Medikamente lassen sie von Apotheken wieder herstellen. Laut GST bedeutet das einen grossen zeitlichen und logistischen Aufwand, der letztlich auch von den Bauern bezahlt werden muss.
Vorratshaltung erlauben
Die Tierärzte wollten die Heilmittelgesetzgebung anpassen. Ihr Wunsch: Die mit dem Import betrauten Firmen sollen eine kleine Vorratshaltung aufbauen dürfen, und den Tierärzten soll erlaubt werden, in Apotheken hergestellte Mittel in kleinen Mengen an Lager zu haben. Allerdings stiessen sie bei Swissmedic auf taube Ohren. «Wir haben auch geprüft, eine eigene Firma für den Grosshandel mit Medikamenten zu schaffen», ergänzt Brügger. Das sei allerdings für die GST zu aufwendig. Ebenso gescheitert sei der Versuch, den internationalen Herstellern ein Entgegenkommen abzuringen.
Weiter war die GST mit einem Grosshändler im Gespräch. Der, so das Ziel, soll für die Tierärzte den Import zugelassener, nicht mehr in der Schweiz vertriebener Arzneien koordinieren. Einige Apotheken wären auch bereit, in grösserem Stil Mittel herzustellen. Bis dann sind Bauern und Tierärzte dem Profitdenken globaler Unternehmen ausgeliefert.