Weidegang stärkt Gesundheit männlicher Kälber

Weidegang nach dem Abtränken stärkt die Gesundheit männlicher Kälber messbar. Die Ergebnisse eines Fibl-Versuchs zeigen, dass eine graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion bereits bei den Kälbern beginnen sollte.

pd/ome |

«Der Verbleib männlicher Kälber aus Milchviehherden ist nach wie vor nicht zufriedenstellend gelöst», hält Agrarforschung Schweiz in einer Zusammenfassung der Studie «Weidegang verbessert Immunparameter und Blutbild von Kälbern» fest. Dies sei insbesondere für den Biolandbau problematisch, da viele Kälber an die konventionelle Mast verkauft werden müssen. Dies führe zu prophylaktischen und therapeutischen Antibiotika-Einsätzen. Ziel wäre es, männliche Kälber aus Milchviehherden vermehrt in weidebasierte Mastverfahren zu integrieren.

In der Praxis bestehen jedoch erhebliche Herausforderungen im Management, bei den Kosten sowie in der Vermarktung solcher Systeme. «Gerade in Bezug auf die Gesundheit können diese Systeme sowohl positive Effekte haben als auch eine Herausforderung für die Kälber darstellen», heisst es weiter. Wissenschaftler des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl) wollten deshalb spezifisch für die Phase nach dem Abtränken wissen, ob der Weidegang den Immunstatus der Kälber erhöht und damit ihre Gesundheit verbessert.

Braunvieh, Swiss Fleckvieh und Limousin × Braunvieh

Vor diesem Hintergrund hat das Fibl die Auswirkungen von Weidegang, Höhenlage und Genotyp auf die Gesundheit männlicher Kälber untersucht. Im Rahmen eines dreimonatigen Versuchs wurden insgesamt 72 Kälber im Alter von vier bis sechs Monaten gemästet. Dabei wurden drei Genotypen berücksichtigt: Braunvieh als typische Milchrasse, Swiss Fleckvieh mit stärkerer Zweinutzungsausrichtung sowie Limousin × Braunvieh als Gebrauchskreuzung. Die Tiere wurden entweder im Stall gehalten oder auf drei Weidestandorten mit unterschiedlicher Höhenlage (rund 500, 1000 und 2000 M.ü.M) eingesetzt.

Eine zentrale Fragestellung des Versuchs bezog sich auf die Gesundheit der Tiere, die anhand eines Gesundheitsscores, des Blutbilds und der Immunoglobuline im Blut nach drei Monaten Weidegang erfasst wurde. Zu Beginn des Weidegangs traten bei den Weidekälbern etwas häufiger Anzeichen von Durchfall auf als bei den Stalltieren. Darüber hinaus unterschieden sich die Gruppen klinisch kaum voneinander. Insgesamt blieben die Kälber überwiegend gesund und mussten nur selten veterinärmedizinisch behandelt werden.

Verbesserter Immunstatus dank Weidegang

Deutlichere Unterschiede zeigten sich im Blutbild sowie bei den Immunparametern. So führte der Weidegang zu signifikant höheren Konzentrationen von α- und γ-Globulinen im Blutserum, was auf einen verbesserten Immunstatus hindeutet. Dieser Effekt sei an den höher gelegenen und extensiver bewirtschafteten Standorten besonders ausgeprägt gewesen.

Zusätzlich wirkte sich die Höhenlage positiv auf das rote Blutbild aus. Die Kälber auf den Bergweiden wiesen höhere Hämoglobinwerte, Hämatokritwerte und Erythrozytenzahlen auf. Dadurch wurde einer Anämie entgegengewirkt. Auch der Genotyp spielte eine Rolle. Swiss-Fleckvieh-Kälber wiesen insgesamt günstigere Blut- und Immunparameter auf als Braunviehkälber.

Fazit: «Überwiegend positive Effekte»

Zusammenfassend belege der Versuch, dass der Weidegang nach dem Abtränken überwiegend positive Effekte auf die Gesundheit männlicher Kälber hat, insbesondere auf den Immunstatus, der in diesem Alter entscheidend für die Vermeidung von Infektionskrankheiten ist. «Der Weidegang für männliche Kälber aus Milchviehherden im Alter von 3–6 Monaten trägt deutlich positiv zu den Immunglobulin-Gehalten im Blutserum bei.» 

«Das spricht aus Sicht der Tiergesundheit, des Tierwohls und der Vermeidung von Antibiotikaeinsätzen dafür, die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion bereits bei den Kälbern beginnen zu lassen», lautet ein weiteres Fazit der Studie. Voraussetzung für eine erfolgreiche Kälber- und Rindermast bleibe jedoch ein sorgfältiges Management, das bereits beim Abtränken auf dem Geburtsbetrieb beginnt. 

-> Hier können Sie die ganze Studie nachlesen: Leiber F., Baki C., Bieber A., Mesbahi G., Werner J., Spengler Neff A. (2025). Weidegang verbessert Immunparameter und Blutbild von Kälbern. Agrarforschung Schweiz, 16, 06–211.

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