Ein lebendes Huhn ist am Mittwochmorgen in Winterthur in einem Kübel mit Fleischabfällen entdeckt worden. Eine Tierschützerin nahm den Vogel in Obhut. Für Abdecker Fredi Tobler ist es das dritte Mal in seinen 20 Dienstjahren, dass er ein lebendes Tier findet.
In der Stadt Winterthur gibt es mehrere öffentliche Sammelstellen mit Kühlschränken. Dort können tote Tiere und Fleischabfälle in Kübeln entsorgt werden. Dreimal pro Woche macht Tobler die Tour, lädt die Kübel auf seinen Wagen und bringt sie in die Abdeckerei zum Leeren.
So ist es auch am vergangenen Mittwoch. Am Morgen früh gegen 5.30 Uhr gelangt Tobler beim Einfahrtstor zur Abdeckerei an, steigt aus und will gerade das Tor öffnen, als er zusammenfährt: Etwas hat geschrien, wie Tobler am Freitag der Nachrichtenagentur sda erzählt.
«Ich wusste nicht, woher der Schrei kam», so Tobler. «Ich dachte, ich hätte vielleicht ein Tier oder gar einen Menschen überfahren. Vorher, im Wagen, hatte ich nichts gehört.» Es ist dunkel, grau und regnerisch. Tobler wird unheimlich.
Dann hebt er die Deckel der Kübel, schaut nach. Ein verrupftes aber offensichtlich sehr lebendiges Huhn guckt ihn an. Das Tier war in der Mauser, also im Federn-Wechsel, erzählt Tobler. Es sah deshalb nicht sehr schön aus, war aber unverletzt.
Schildkröte und Fuchs
Tobler ist seit 20 Jahren Abdecker bei der Stadt Winterthur. Dass er lebende Tiere findet, ist selten, geschieht aber hin und wieder. Das Huhn ist Toblers dritter Findling. Zuvor fand er in den Fleischkübeln schon einen lebenden Fuchs und eine Schildkröte.
Beide Tiere waren schwer verletzt. Die Schildkröte war wohl in einen Rasenmäher gekommen, erinnert sich Tobler. Sie muss den Kopf reflexartig in den Panzer gezogen haben, die Beine konnte sie aber nicht schützen. Als Tobler sie herausnehmen wollte, streckte sie den Kopf hervor und blickte ihn an.
Die Schildkröte musste getötet werden. Gleich wie der Fuchs: «Der hatte den Rücken gebrochen, konnte sich nicht mehr bewegen». Als Tobler das Tier herausheben wollte, schrie er laut. «Aber als ich ihn wieder hinlegte, war er ganz ruhig, nur sein Herz klopfte.»
Für das Huhn ist die Sache besser ausgegangen. Nachdem Tobler es gefunden hatte, erzählte er einer Bekannten von dem Fund. Die tierliebe Frau nahm den Vogel in Obhut. Die Polizei klärt nun ab, wem er gehört. Findet sich niemand, kann es bei der Frau bleiben, wie Tobler sagt. Laut Polizemitteilung geht es dem Findel-Huhn gut. Es habe bereits wieder ein Ei gelegt.