Nutztiermedikamente können Dung abbauende Nützlinge schädigen. Die Auswirkungen von Nutztiermedikamenten sollen in Zukunft zuverlässiger getestet werden können.
Wie die Universität Zürich am vergangenen Mittwoch mitteilte, haben Forscher an der Hochschule dazu einen neuen Ansatz für umfassendere ökotoxikologische Untersuchungen im Freiland vorgelegt, bei denen eine repräsentative Auswahl aller in dem Prozess nützlich wirkenden Organismen miteinbezogen wird.
Bei bisherigen Tests werde zwar anhand einzelner Tierarten wie der grossen gelben Dungfliege geprüft, welche Dosis der dem Tier verabreichten Mittel für die Hälfte der Maden im Dung tödlich wirke. Allerdings variiere die Empfindlichkeit selbst bei nah verwandten Organismen stark. Folglich bleibe ein grosses Risiko bestehen, dass sensiblere Arten weiterhin durch die Substanz geschädigt würden und wichtige Ökosysteme langfristig Schaden nähmen, so die Forscher.
Hier könne der neue Ansatz Abhilfe verschaffen. Im Rahmen der nun durchgeführten Machbarkeitsstudie wurden der Universität zufolge an vier Standorten mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen Dungfladen mit unterschiedlicher Konzentration des Parasitenmedikaments Ivermectin verteilt. „Insgesamt nahmen erwartungsgemäss die Anzahl und Diversität der Dungkäfer, Dungfliegen und Schlupfwespen mit zunehmender Konzentration signifikant ab“, erklärte der Leiter der Forschergruppe, Wolf Blanckenhorn.
Nicht wenige Arten hätten sich jedoch auch als unempfindlich herausgestellt. So seien beispielsweise die unter den Kuhfladen im Boden lebenden Regenwürmer und Springschwänze von den Medikamentenrückständen nicht nennenswert tangiert worden. Ein Parallelversuch habe schliesslich gezeigt, dass es zu keiner signifikanten Beeinträchtigung des Dungabbaus gekommen sei. Das liegt nach Einschätzung von Blanckenhorn auch darin begründet, dass die weniger stark vom Medikament betroffenen Nützlinge wie etwa Regenwürmer den Ausfall anderer Organismen kompensieren können.
Für ihre Machbarkeitsstudie benutzten die Wissenschaftler Rinderweiden in der kanadischen Prärie sowie der südfranzösischen, niederländischen und schweizerischen Agrarlandschaft – vier Standorte mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen. Auf diesen Weiden verteilten sie Dungfladen mit unterschiedlicher Konzentration von Ivermectin.
Ivermectin wurde Mitte der 1970-er Jahre in Japan entdeckt und weiterentwickelt, wofür 2015 schliessliche der Nobelpreis für Medizin verliehen wurde. Seither können Flussblindheit, Krätze und Fadenwürmer im Darm erfolgreich kuriert werden. Das Medikament wird auch zur Bekämpfung von Parasiten bei Nutz- und Haustieren eingesetzt. Wird Ivermectin mit dem Kot behandelter Nutztiere ausgeschieden, vernichtet das Medikament bei zu hoher Dosierung jedoch auch Dung abbauende Nützlinge. Im Extremfall wird der Dung gar nicht mehr abgebaut und die Weide kann nicht weiter verwendet werden. Uni Zürich