Das Tierarzneimittel Velactis zum Trockenstellen von Milchkühen wird wegen schwerwiegender Nebenwirkungen vom deutschen Markt zurückgerufen. Tierärzte und Landwirte sollen das Medikament nicht mehr verwenden.
Darauf hat das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am vergangenen Mittwoch hingewiesen. Zusammen mit den Behörden der Bundesländer hatte das BVL darauf hingewirkt, dass CEVA Santé Animale als Herstellerfirma den Rückruf von Velactis sofort vornimmt.
Andere, ebenfalls betroffene EU-Mitgliedstaaten planten, dem deutschen Vorgehen zu folgen, so der BVL. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) habe daraufhin Kontakt mit der Firma aufgenommen und erreicht, dass CEVA Santé Animale den Rückruf auf allen Ebenen europaweit organisiere. Ferner habe der zuständige EMA-Ausschuss Mitte des Monats entschieden, der Europäischen Kommission das Ruhen der Zulassung für Velactis zu empfehlen. Die Kommission habe inzwischen bestätigt, dass sie beabsichtige, das Ruhen der Zulassung vorzubereiten.
Velactis war erst im Februar dieses Jahres in Europa zugelassen worden. Im Juni hatte die Herstellerfirma die EMA über Probleme bei der Anwendung des Produkts informiert. Offiziellen Zahlen zufolge gab es vom 16. März bis zum 18. Juli europaweit bei insgesamt 360 Milchkühen schwerwiegende Nebenwirkungen. Zusammen 72 Tiere und deren ungeborene Kälber starben nach der Anwendung oder mussten eingeschläfert werden.
In Dänemark und den Niederlanden ist Velactis bereits verboten. Das Medikament unterdrückt die Prolaktinproduktion in der Hirnanhangdrüse. Der kausale Zusammenhang zwischen der Anwendung und den Nebenwirkungen ist dem BVL zufolge noch unklar und muss weiter geprüft werden. Nach der derzeitigen Datenlage bestehe der begründete Verdacht, dass Velactis einen negativen Einfluss auf die Stoffwechsellage der Tiere ausübe.
Das Ruhen der Zulassung von Medikamenten kann gemäss BVL aufgehoben werden, wenn neue Daten die sichere Anwendung des Produkts nachweisen.