Veterinärmedizin neu nur mit Praktikum auf Hof

Wer Veterinärmedizin studieren will, muss ab Herbst ein dreiwöchiges landwirtschaftliches Pflichtpraktikum absolvieren. Für landwirtschaftliche Betriebe ist es attraktiv, bei Anfragen angehende Studierende bei sich aufzunehmen.

pd/ome |

Nur ein Teil der Studierenden der Tiermedizin hat einen landwirtschaftlichen Hintergrund. Allen anderen fehlen zu Beginn ihres Studiums die nötigen Erfahrungen aus der Nutztierhaltung, obwohl diese für die Ausbildung relevant sind.

Drei Wochen auf Landwirtschaftsbetrieb

Wie die Universität Bern mitteilt, sollen die Studierenden durch das neu eingeführte Praktikum, das noch vor Beginn des Studiums absolviert werden muss, Einblicke in die Haltung, Betreuung und Bewirtschaftung von Nutztieren erhalten.

Die Universitäten Bern und Zürich zielen mit dieser Neuerung nicht nur auf die praktischen Fertigkeiten im Umgang mit Nutztieren ab. Sie erhoffen sich, dass die Studierenden sich während des dreiwöchigen Aufenthalts auf einem Landwirtschaftsbetrieb auch vertieft mit ihrer Berufswahl auseinandersetzen und ein Grundverständnis für die Arbeits- und Lebensbedingungen in der Landwirtschaft entwickeln. «Wir möchten damit auch das Interesse an der Nutztiermedizin wecken», bestätigt Dekanin Gertraud Schüpbach.

Auf Betriebe angewiesen

Die angehenden Studierenden suchen ihren Praktikumsplatz selbstständig. Die drei jeweils fünf Tage langen Praktika müssen auf einem professionellen landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb mit lebensmittelproduzierenden Nutztieren (Milchkühe, Mutterkühe, Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen oder Geflügel) absolviert werden.

Ob den Praktikantinnen und Praktikanten eine Entschädigung bezahlt wird, liegt im Ermessen des Betriebs. Im Sinne einer Gegenleistung empfiehlt die Universität Bern, Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung zu stellen.

-> Hier finden Sie detaillierte Informationen zum obligatorischen landwirtschaftlichen Praktikum der Universität Bern und der Universität Zürich. 

Mangel an Tierärztinnen und Tierärzten

Die Schweiz hat zunehmend zu wenig Tierärzte für Nutztiere. Besonders in Berg- und Randregionen ist die Versorgung schwierig. Gründe sind Pensionierungen, Teilzeitarbeit und das sinkende Interesse an der Nutztiermedizin. Dadurch wird es für Bäuerinnen und Bauern schwieriger, ihre Tiere fachgerecht betreuen zu lassen. Lösungen wie bessere Arbeitsbedingungen und mehr Ausbildungsplätze werden diskutiert, eine schnelle Entspannung ist aber nicht absehbar. ome Der «Schweizer Bauer» hat darüber berichtet: -> Wenn die Tierärzte ausgehen.

Ein Beitrag zur Sicherung des Nachwuchses

Die Praktikantinnen und Praktikanten arbeiten in diesen drei Wochen aktiv mit, ersetzen jedoch keinesfalls eine vollwertige Arbeitskraft. Trotzdem sei es für landwirtschaftliche Betriebe von Interesse, bei Anfragen angehende Studierende bei sich willkommen zu heissen.

Wenn die Studierenden einen positiven Eindruck von der Nutztierhaltung gewinnen, eröffnet sich für sie möglicherweise eine Perspektive für eine künftige Tätigkeit in der Nutztiermedizin. Damit können auch Landwirtinnen und Landwirte einen Beitrag gegen den Fachkräftemangel leisten.

-> «Viele Bauern nehmen uns Frauen nicht so ernst»

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