Wenn die Tierärztin nicht mehr kommt

Der Fachkräftemangel in der Tiermedizin bleibt angespannt. Besonders in Berg- und Randregionen wird es schwieriger, die Versorgung von Haus- und Nutztieren sicherzustellen. Die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) fordert mehr Studienplätze und warnt vor möglichen Folgen für Tiere und Tierhalter.

Im Frühjahr vor einem Jahr haben fünf Medizinalberufsverbände – darunter die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) – auf dem Bundesplatz gemeinsam gegen den Fachkräftemangel mobilisiert. Sie übergaben der Politik einen Forderungskatalog mit acht Forderungen. Dazu gehören mehr Studienplätze, eine Überprüfung der Zulassungsbedingungen, bessere Arbeitsbedingungen, weniger administrative Belastung und Anreize für Fachkräfte in Randregionen.

Der «Schweizer Bauer» titelte damals «Wenn die Tierärzte ausgehen» und wies darauf hin, dass sich der Mangel an Tierärztinnen und Tierärzten besonders in Berg- und Randregionen zuspitzt.

Situation nach wie vor angespannt

Hat sich die Situation seither entspannt? Die Frage geht an die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST). Die Antwort: «Leider nicht. Die Situation ist nach wie vor angespannt. Viele Tierarztpraxen haben Mühe, offene Stellen zu besetzen.»

Die Gründe dafür seien vielfältig: Immer mehr Haustiere, die von immer mehr Möglichkeiten bezüglich Diagnostik und Therapien profitierten, Vollzeitarbeitskräfte, die in Pension gingen, und junge Tierärzte und Tierärztinnen, die vermehrt Teilzeit und als Angestellte arbeiteten. Gerade letzterer Punkt habe laut der GST «sicher auch zu einer Reduktion der effektiven Einsatzzeit geführt». Denn im Angestelltenverhältnis müssten klare Regeln zu Arbeitszeiten, Ruhezeiten und Pikettdiensten eingehalten werden.

Zwei Drittel aus dem Ausland

Die Zahl der Studienplätze für Veterinärmedizin sei in den vergangenen Jahren dagegen nie wesentlich erhöht worden. Entsprechend deutlich fällt das Fazit der GST aus: «Die in der Schweiz ausgebildeten Tierärztinnen und Tierärzte decken den Bedarf bei Weitem nicht.» Laut der GST kommen heute zwei Drittel der Tierärztinnen und Tierärzte aus dem Ausland in die Schweiz.

Weiterhin stellten vor allem die Versorgung von Nutztieren in Berg- und Randregionen sowie der Notfalldienst eine besondere Herausforderung dar. Durch den Fachkräftemangel werde es zunehmend schwierig, genügend Personal für einen flächendeckenden Notfalldienst zu finden.

Hier verfolgt die GST nach eigenen Angaben derzeit verschiedene Projekte. Dazu gehört ein Projekt zum Notfalldienst in der Schweiz. Weiter unterstützt sie das Projekt VetNov der Gesellschaft Bündner Tierärzte (GBT), eine Plattform zur temporären Vermittlung von Fachkräften bei kurzfristigen Ausfällen.

Der Fachkräftemangel führe dazu, dass der Druck auf die bestehenden Fachkräfte steige. «Verlassen Tierärztinnen und Tierärzte aufgrund der hohen Arbeitsbelastung den Beruf, verschärft dies das Problem zusätzlich. Im schlimmsten Fall wird in Zukunft kein Tierarzt mehr kommen, wenn ein Tier in Not ist. Oder es verstreicht viel Zeit, wodurch das Tier unnötig leidet», warnt die GST.

Soweit dürfe es jedoch nicht kommen. «Haus- und Nutztiere benötigen eine gute und flächendeckende medizinische Versorgung. Dafür braucht es unmittelbar Lösungen und die GST fordert die Politik auf, die nötigen Mittel und Studienplätze dafür zur Verfügung zu stellen», schreibt der Verband auf Nachfrage.

Längere Anfahrtswege, steigende Kosten

Eine weitere mögliche Auswirkung des Fachkräftemangels seien nicht zuletzt steigende Preise in der Tiermedizin. «Werden die Anfahrtswege länger, steigen auch die Kosten», so die GST.

In der Tiermedizin übernehmen laut dem Verband bereits heute die Tiermedizinischen Praxisassistentinnen und -assistenten (TPA) sowohl die tierärztliche Unterstützung als auch Aufgaben in der Praxisadministration sowie bei der Pflege und Betreuung der tierischen Patienten.

TPA fehlen

«Die GST setzt sich dafür ein, den Beruf der TPA weiterzuentwickeln und gerade auch im Nutztierbereich deren Unterstützung für die Tierärztinnen und Tierärzte zu fördern», heisst es auf die Nachfrage, ob nicht eine Ausbildung entsprechend der in der Humanmedizin (analog zur Fachperson Gesundheit) Abhilfe gegen den Fachkräftemangel schaffen könnte. Durch Weiterbildung sei es den TPA möglich, erweiterte Aufgaben zu übernehmen und die Tierärztinnen und Tierärzte wirksam zu entlasten. Dies gelte auch im Nutztierbereich, wo die Lehre seit einigen Jahren mit einem eigenen Schwerpunkt angeboten wird.

«Was heute tatsächlich fehlt, sind die TPA selbst», schreibt die GST. Genau hier setze die Organisation der Arbeitswelt Tiermedizinische Praxisassistentinnen und -assistenten (OdA TPA) an: Diese habe ein dreijähriges Projekt im Gang, um die Zahl der ausgebildeten TPA deutlich zu erhöhen.

Kommentare (3)

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  • Klaus Ruf | 23.10.2026
    Der Beruf ist physisch und psychisch sehr anspruchsvoll. Meine Hochachtung für jede/n der das macht.
  • Noso | 23.10.2026
    Vor 40 Jahren gab es 2 Vollzeitstelle beim Veterinäramt Luzern, Heute sind es 45 darunter 2 Polizisten (Veterinärpolizisten) die versuchen wütende Bauern von übergriffen abzuschrecken. Vor 20 jahren sprachen sie von Abbau der Regulatorien, ich glaube der Kremel hat recht, der Kollektive Westen ist mental degeneriert und wird sich selbst mit Bürgerkrieg überziehen die nächsten 30 Jahren. (siehe nun Frankreich teile von Grossbritaniens)
  • Heidi | 22.10.2026
    Zuerst sollte man mehr tun, um die ausgebildeten Tierärzte im Beruf zu halten.
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