Biber sind laut Studie wertvoll für die Artenvielfalt

Wo Biber leben, ist das für Mensch und Natur von Vorteil. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die am Montag von einem vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) beauftragten Beratungsbüro veröffentlicht worden ist.

sda |

Der Biber erhöht die Anzahl der Pflanzenarten, ermöglicht durch seine Dämme die Speicherung von Kohlenstoff und reinigt das Wasser. Er ist «ein wichtiger Verbündeter für die Biodiversität», sagt Cécile Auberson, wissenschaftliche Koordinatorin der nationalen Biberberatungsstelle und Mitautorin des neuen Berichts, zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Durch ihre Tätigkeit schüfen die Nagetiere Lebensräume, die dynamisch, strukturreich und artenreich seien und vereine diese. In 16 untersuchten Gebieten habe sich die Anzahl der Tier- und Pflanzenarten um das 2,6-fache und die Anzahl der Lebewesen um das 5,9-fache erhöht.

Hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein einfacher Mechanismus: Durch den Bau von Dämmen schafft der Biber Feuchtgebiete. Diese Gebiete mit stehendem Wasser ermöglichen es, dass Kohlenstoff in Wasserpflanzen und Sedimenten in grösseren Mengen gespeichert wird als in Wäldern. «Dieses Gebiet fungiert als Kohlenstoffsenke», sagt die Expertin.

Bessere Wasserqualität

Das Wasser steht also im Mittelpunkt der Fähigkeiten dieser Ökosystemingenieure. In den Teichen, die sich oberhalb der Dämme bilden, finden biologische und chemische Prozesse statt. Dies ermöglicht eine bessere Aufnahme von Schadstoffen wie Nitraten durch die Vegetation, erklärt Auberson. Das Ergebnis: Die Wasserqualität verbessert sich.

Das Tier staut viel Wasser an der Oberfläche, aber auch im Boden. Sein Revier befeuchtet die umliegenden Flächen. Dem Bericht zufolge könnten in der Schweiz, wenn alle vom Biber potenziell besiedelbaren Gewässer besetzt wären, zwischen 1 und 2 Millionen Kubikmeter Wasser an der Oberfläche gespeichert werden. Das entspricht etwa sechshundert olympischen Schwimmbecken. «Eine Zahl, die in Zeiten wiederkehrender Dürre zählt», betont die Wissenschaftlerin.

Fast 30'000 Hektar verfügbar

Im Jahr 2022 lebten in der Schweiz etwa 5000 Biber. 1956 war das Tier hierzulande wieder angesiedelt worden. Der Studie zufolge könnten rund 30'000 Hektar besiedelt werden ohne grosses Risiko von Konflikten mit Infrastrukturbauten der Menschen.

Für Cécile Auberson müsste dem Biber mehr Platz eingeräumt werden, doch «nicht unbedingt für ihn, sondern für uns. Wir könnten von seinen Leistungen profitieren, es ist eine kostenlose Revitalisierung. Der Biber ist unser bester Verbündeter, um lebendige und widerstandsfähige Gewässer zurückzugewinnen.»

Impulse für die Politik

Mit diesen Daten hoffen die Forscher, den kantonalen und eidgenössischen Behörden stichhaltige Argumente zu liefern, um die Akzeptanz dieser Nagetiere zu fördern, wie sie in einer Pressemitteilung festhalten.

Für sie geht es darum, das Säugetier in Projekte zur Gewässergestaltung und -revitalisierung einzubeziehen und es weiterhin als Instrument zur Förderung von Feuchtwäldern zu nutzen.

Die Programmvereinbarung «Umwelt 2025-2028» zwischen den Kantonen und dem Bund ermöglicht dies bereits. Darin heisst es, wo dies möglich und sinnvoll sei, könnten die Aktivitäten des Bibers durch die Schaffung eines Waldreservats geschützt und gefördert werden. Der Bericht vergisst auch die städtischen Gebiete nicht und weist darauf hin, dass der Biber die Biodiversität sogar in der Stadt fördern kann.

Doch «es gibt Konflikte, das darf man nicht leugnen», sagt Auberson. Der Dialog mit den Landwirtinnen und Landwirten, die mit Bibern konfrontiert sind, sei daher von entscheidender Bedeutung. «Wir möchten zusammenarbeiten. Das erfordert Anstrengungen seitens der beteiligten Akteure, aber wir sind überzeugt, dass Biber für die gesamte Bevölkerung von Vorteil sein können», sagt sie.

Die Studie wurde zwischen 2020 und 2023 vom Nationalen Biberberatungsdienst im Auftrag des Bundes durchgeführt.

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