Unter anderem können damit sogenannte Problemwölfe einfacher getötet werden – etwa wenn sie Zäune überwunden und Schafe gerissen haben.
Regionales Bestandsmanagement
«Vielerorts ist die Bedrohung der Weidetiere durch den Wolf bittere Realität. Das wurde in den letzten Wochen durch Berichte über zahlreiche Risse schmerzhaft deutlich», sagte Agrarminister Alois Rainer. Für Tierhalter bedeute jeder Riss nicht nur einen wirtschaftlichen Verlust, sondern auch eine enorme emotionale Belastung. «Die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz bringt Rechtssicherheit und klare, praktikable Regeln. Bis zum Alpauftrieb ist der Wolf im Jagdgesetz – das ist mein Ziel», versprach er.
Konkret bedeutet das neue Gesetz: Mit der Aufnahme des Wolfs ins Jagdgesetz wird den Ländern die Möglichkeit eines regionalen Bestandsmanagements gegeben. Das bedeutet: In Regionen mit hohen Wolfszahlen, wo der günstige Erhaltungszustand festgestellt wurde, können Managementpläne aufgestellt und so die Zahl der regional lebenden Wölfe reguliert werde. Als Jagdzeit ist der Zeitraum vom 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen.
Ausweisung von Weidegebieten
Tiere, die zuvor Weidetiere getötet oder verletzt haben, dürfen unabhängig von Erhaltungszustand und Jahreszeit abgeschossen werden. Ausserdem können Länder Gebiete ausweisen, in denen Weidetiere besonders schwer zu schützen sind, etwa auf Alpen oder Deichen. Dorf darf der Schutz der Weidetiere durch die Entnahme von Wölfen sichergestellt werden.
Allerdings muss nach dem Bundestag auch noch die Kammer der Bundesländer – der Bundesrat – zustimmen, bevor die Neuregelung in Kraft treten kann.
1’600 Wölfe
Der Deutsche Jagdverband begrüsste die Neuregelung. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sieht darin zumindest einen «kleinen Beitrag» zum Schutz von Schafen, Ziegen und Kälbern. Der Naturschutzbund Nabu rief die Bundesländer auf, das Gesetz im Bundesrat zu stoppen. «Artenschutz darf in Deutschland nicht für aktionistische Symbolpolitik geopfert werden», sagte Nabu-Wolfsexpertin Marie Neuwald. Statt auf Abschüsse zu setzen, brauche es flächendeckenden Herdenschutz.
Die Zahl der Wölfe in Europa hat sich binnen zehn Jahren nahezu verdoppelt. Im Jahr 2023 sollen es 20.300 Tiere gewesen sein. Allein in Deutschland wurden zuletzt nach Behördenangaben mehr als 1’600 Wölfe und 219 Rudel gezählt. Im Jahr 2024 wurden rund 4’300 Nutztiere, überwiegend Schafe und Ziegen, von Wölfen gerissen, zum Teil trotz der weiterhin wichtigen Herdenschutzmassnahmen wie Zäunen und Herdenschutzhunden.
