Angeregt hat dies der Tessiner Mitte-Ständerat Fabio Regazzi mit einem Vorstoss, den die zuständigen Kommissionen von National- und Ständerat unterstützen. Die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerats (Urek-S) kann deshalb eine Vorlage zur Änderung des Jagdgesetzes ausarbeiten.
Gänsesäger sind geschützt
Regazzi fordert mit seinem Vorstoss, den Schutzstatus der Vögel zu senken und Regulierungen zu erlauben. Gänsesäger sind in der Schweiz geschützt. Regulierungsabschüsse wie bei Wölfen oder Steinböcken sind nach geltendem Recht nicht möglich aus artenschutzrechtlichen Gründen, wie es beim Bundesamt für Umwelt heisst.
Begründet hat Regazzi sein Anliegen mit der wachsenden Zahl von Gänsesägern und dem Appetit der Vögel auf Fische. Drei Viertel der Fischarten in der Schweiz stünden auf der Roten Liste, sagt dazu David Bittner, Geschäftsführer des Schweizerischen Fischerei-Verbandes, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Es gehe um den Schutz der Artenvielfalt.
Gemäss Zahlen der Vogelwarte Sempach hat sich der Bestand von Gänsesägern seit 1972 etwa verdreifacht; 2024 gab es in der Schweiz rund 6650 Exemplare. Der hauptsächlich in Nordamerika sowie in Skandinavien und Sibirien verbreitete Entenvogel brütet auch an Schweizer Gewässern.
Bejagung unnötig
Vor allem Einschränkungen bei der Jagd seien der Grund für die Zunahme, sagt Livio Rey, Sprecher der Vogelwarte, auf Anfrage. Der Bestand wachse derzeit aber nur noch schwach. «Das deutet darauf hin, dass bald alle verfügbaren Reviere besetzt sind», meint er.
Eine Bejagung oder Regulierung der Gänsesäger sei unnötig, denn diese Massnahme werde den gefährdeten Fischen nicht helfen. Es gebe keine Belege für Schäden an Fischen durch die Vögel.
Zum Beispiel würden auch an Orten weniger Forellen gefangen, in denen kaum Gänsesäger lebten, etwa in den Kantonen Wallis, Appenzell Innerrhoden und Graubünden, so Rey. Und: «Gänsesäger ernähren sich zudem vor allem von Jungfischen, und dieser natürliche Verlust ist von der Natur eingeplant.»
Die Hauptgefährdung für die Fische sei nicht der Gänsesäger, sondern es seien menschengemachte Umweltprobleme. Das verneinen zwar auch die Fischerinnen und Fischer nicht. Doch wie die Kormorane – sie dürfen gejagt werden – würden auch Gänsesäger dort fressen, wo Beute leicht zu erwischen sei, entgegnet Bittner. Lokal könnten sie damit gefährdete Arten wie Äschen, Seeforellen und Nase gefährden.
Fische als leichte Beute
Denn zur Laichzeit versammelten sich jeweils viele Fische an einem Ort und würden damit zur leichten Beute. Bittner stört das Ungleichgewicht beim Schutz: «Im Gegensatz zu Vogelschutzgebieten hat die Schweiz keine Fischschutz-Gebiete», sagt er. Das sei ein riesiges Manko in der Gesetzgebung.
Den Fischen helfen könnten ein Vergrämen oder gezielte Abschüsse in der Laichzeit. «Das sind ein paar Wochen im Jahr», sagt Bittner. Abschüsse sieht der Schweizerische Fischerei-Verband als letzten Weg, wenn es keine andere Lösung mehr gibt. «Wir wollen die Fische nicht gegen die Vögel ausspielen.» Aber wo nötig, brauche es eine Gesamtabwägung aller Interessen.
Werde das Gesetz geändert, sei das nicht zielführend, und es lenke von den Defiziten in den Lebensräumen der Fische ab, sagt wiederum Rey. Er fordert von der Politik, bei der Revitalisierung von Fliessgewässern vorwärts zu machen und die Hauptursache der Gefährdung für die Fische zu beseitigen.
